Islamische Republik Iran: Khomeinis Erben sitzen fest im Sattel
Aktualisiert

Islamische Republik IranKhomeinis Erben sitzen fest im Sattel

Vor 30 Jahren kehrte Ajatollah Khomeini nach Teheran zurück. Seither hat die Islamische Republik Iran turbulente Zeiten durchlebt. Trotz relativer Stabilität ist der «Gottesstaat» international isoliert.

Initiator und Führer der islamischen Revolution war Grossajatollah Ruhollah Khomeini, der am 1. Februar 1979 nach 15 Jahren Exil ins Land zurückkehrte. Schah Reza Pahlevi hatte bereits das Land verlassen. Zehn Tage später wurde die 2500 Jahre alte Monarchie abgeschafft. In einem Referendum entschieden sich über 90 Prozent der Wähler für die Islamische Republik Iran. Auch 30 Jahre später begründet das System seine Rechtmässigkeit immer noch mit dem Ergebnis des Referendums von März 1979.

Besonders für die iranischen Frauen bedeutete der Umsturz vom Februar 1979 eine drastische Umstellung. Laut islamischen Vorschriften mussten sie nun einen Schleier und einen langen Mantel tragen, damit in der Öffentlichkeit Haare und Körperkonturen nicht zu sehen sind. Für viele der westlich orientierten Frauen war dies eine Zumutung.

Trotz strenger Aufsicht der Sittenpolizei ist diese Regelung in drei Jahrzehnten nicht vollständig umgesetzt worden. Aber es gab noch weitere Einschnitte: Frauen durften viele Berufe nicht mehr ergreifen, so etwa nicht mehr Richterin, Polizistin oder Soldatin werden. Musik – ausser Marschmusik – wurde genauso verboten wie Schach, Backgammon und alle Kartenspiele.

Aussenpolitische Isolation

Die Verfassung, die im Dezember 1979 in Kraft gesetzt wurde, machte Khomeini als Wali Faghih oder obersten geistlichen Führer zum Staatsoberhaupt, dessen Macht grösser war als die des vom Volk gewählten Präsidenten. Nach Khomeinis Tod im Juni 1989 erhielt sein Nachfolger, Ajatollah Ali Chamenei, dieselben Privilegien. Demnach hat auch er das letzte Wort bei allen politischen Entscheidungen.

International geriet die Islamische Republik schnell ins Abseits. Todesurteile gegen ehemalige Funktionäre des Schah-Regimes und gegen Dissidenten und vor allem die 444 Tage währende Besetzung der US-Botschaft wurden im Ausland scharf verurteilt. Die Beziehungen zu den USA wurden abgebrochen, und auch Europa verhielt sich Iran gegenüber seitdem äusserst reserviert. Hinzu kam ein Krieg mit dem Nachbarland Irak unter Saddam Hussein. Weite Teile der Grenzgebiete im Westen und Südwesten Irans wurden in dem achtjährigen Krieg (1980-1988) regelrecht verwüstet, über 100 000 iranische Soldaten kamen ums Leben.

«Satanische Verse»

Auch nach dem Ende des Krieges stiess der Iran mehrfach auf massive internationale Kritik. Im Februar 1989 sprach Khomeini ein Todesdekret gegen den britisch-indischen Autor Salman Rushdie aus, dessen Buch «Satanische Verse» er als Gotteslästerung betrachtete. Kurz danach wurden auch die Beziehungen zu Grossbritannien abgebrochen.

Mit der Präsidentschaft der beiden moderaten Kleriker Akbar Haschemi Rafsandschani (1989-1997) und Mohammed Chatami (1997-2005) folgte eine Öffnung zum Westen und eine Lockerung strenger Vorschriften. Das Blatt wendete sich im August 2005 mit dem Amtsantritt von Mahmud Ahmadinedschad, der nicht nur das kontroverse Atomprogramm gegen den Willen der internationalen Gemeinschaft fortsetzte, sondern auch mit Hasstiraden gegen Israel und der Leugnung des Holocausts für weltweite Empörung sorgte.

Keine effiziente Opposition

Nach 30 Jahren muss sich das Regime in Teheran keine Sorgen um das Überleben machen, denn eine effiziente Opposition ist nach Einschätzung von Beobachtern nicht in Sicht. Demnach haben innenpolitische Gegner um Ex-Präsident Chatami weder Interesse an einem Umbruch des Systems, noch wären sie dazu imstande.

Sowohl der einflussreiche konservative Klerus als auch die Revolutionsgarden haben wenig Toleranz für liberale und weltliche Ansichten. Dennoch will das Land kein zweites Nordkorea werden. Man sehnt sich nach internationaler Anerkennung und will bei regionalen Entscheidungen aktiv mitwirken.

Dies hat der Westen bis jetzt nicht zugelassen. Weder die USA noch die EU sehen derzeit in Iran einen zuverlässigen Partner. Insbesondere die Feindseligkeit gegenüber Israel und die Unterstützung für die im Westen als Terroristen eingestuften anti-israelischen Gruppen sowie die Sorge um die atomaren Pläne führten in den letzten drei Jahren zu einer erneuten Isolierung und zu Sanktionen seitens der Vereinten Nationen.

(pbl/sda)

Entspannung mit Obama?

Bereits im Wahlkampf hatte Barack Obama sich für einen Dialog mit dem Iran ausgesprochen. Nach seinem Amtsantritt bekräftigte der neue US-Präsident diese Pläne. Berichte über einen Brief als symbolische Geste an das iranische Volk wurden vom Weissen Haus am Donnerstag jedoch zurückgewiesen. Es seien nach wie vor alle Optionen im Umgang mit Teheran und seinem Atomprogramm auf dem Tisch, sagte Pressesprecher Robert Gibbs. Präsident Mahmud Ahmadinedschad seinerseits hatte Obama zwar zum Wahlsieg gratuliert, aber auch eine Entschuldigung für die «Verbrechen» der USA verlangt.

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