Kidnapping: Mütter als Täterinnen

Aktualisiert

Kidnapping: Mütter als Täterinnen

Kinder sind im vergangenen Jahr deutlich häufiger von Müttern als von Vätern entführt worden. In 74 Prozent der Fälle war es der weibliche Elternteil. Noch häufiger verweigerten Mütter den Vätern das Besuchsrecht.

Die Zentralbehörde zur Behandlung internationaler Kindesentführungen im Bundesamt für Justiz (BJ) hat im vergangenen Jahr 192 Fälle behandelt. 97 Fälle wurden aus dem Vorjahr übernommen. Von den 95 neuen Anträgen betrafen 66 die Rückführung von Kindern und 29 die Ausübung des Besuchsrechts.

Entführender Elternteil war auch im vergangenen Jahr häufiger die Mutter, und zwar in 74 Prozent der Fälle. Bei der Verweigerung des Besuchsrechts lag der Anteil der Mütter gar bei 86 Prozent, wie das BJ schreibt. Von den neuen Rückführungs- und Besuchsanträgen waren 127 Kinder betroffen. Ihr Durchschnittsalter betrug rund sechs Jahre.

Immer mehr Anfragen ins Ausland

Wie bereits in früheren Jahren richtete die Zentralbehörde auch 2007 mehr Anträge ans Ausland als sie vom Ausland erhielt. Bei den Anträgen auf Rückführung waren es fast drei Mal so viel. Im vergangenen Jahr übermittelte die Zentralbehörde zehn Gesuche an Frankreich, neun an Italien, sechs an Deutschland, fünf jeweils an Portugal und Grossbritannien. Anträge an die Schweiz kamen laut Mitteilung hauptsächlich aus Deutschland, nämlich elf, weitere sechs aus Italien, drei aus Frankreich und zwei aus Portugal.

Die meisten Rückführungs- und Besuchsanträge stützen sich auf das Haager-Kindesentführungs-Übereinkommen. In der vergangenen Wintersession wurde von den Räten eine Vorlage gutgeheissen, die den Schutz entführter Kinder verbessert. Damit werden beispielsweise die Rückführungsverfahren beschleunigt, indem der Instanzenzug verkürzt wird, und es werden vermehrt gütliche Regelungen zwischen den zerstrittenen Eltern gefördert. (dapd)

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