Retourkutsche für Litauen-Aussage: Kiews Parlament aberkennt die Gründung von Moskau im Jahr 1147
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Retourkutsche für Litauen-AussageKiews Parlament aberkennt die Gründung von Moskau im Jahr 1147

Vor zwei Tagen schlug ein russischer Abgeordneter vor, die Anerkennung der Unabhängigkeit von Litauen nach über 30 Jahren zurückzuziehen. Daraufhin schlug die Stadtregierung von Kiew zurück – und widerrief das 1147 erteilte Dekret zur Gründung von Moskau.

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Das am 7. Juni erlassene Dekret der Stadtregierung von Kiew spricht Moskau die Existenz nach 875 Jahren ab.

Das am 7. Juni erlassene Dekret der Stadtregierung von Kiew spricht Moskau die Existenz nach 875 Jahren ab.

Twitter/ Michael McKay
Der russische Abgeordnete Jewgeni Fjodorow will Russlands Erklärung zu Litauens Unabhängigkeit widerrufen.

Der russische Abgeordnete Jewgeni Fjodorow will Russlands Erklärung zu Litauens Unabhängigkeit widerrufen.

Wikipedia/ Screenshot Youtube
Moskau und seine Wahrzeichen, der Kreml, die Basilius-Kathedrale und der Rote Platz. 

Moskau und seine Wahrzeichen, der Kreml, die Basilius-Kathedrale und der Rote Platz. 

Imago

Darum gehts

Der russische Politiker Jewgeni Fjodorow (59), ein Hardliner der Partei Einiges Russland, hat vor einigen Tagen im russischen Parlament einen brisanten Vorschlag eingebracht: Er fordert, dass das Dekret zur Anerkennung der Souveränität Litauens von 1991 gestrichen wird.

Die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Ende der 1980er-Jahre erlassene Anerkennung sei rechtwidrig, argumentierte er. Sie sei von einem angeblich verfassungswidrigen Gremium verabschiedet worden und verstosse gegen mehrere Artikel der Verfassung der UdSSR, berichtet der «Spiegel» unter Berufung auf die russische Nachrichtenagentur Ria Novosti. Ausserdem habe in Litauen kein entsprechendes Referendum zur Abspaltung von der Sowjetunion stattgefunden. 

Dies veranlasste die Stadtregierung von Kiew zu einer Retourkutsche aus der historischen Schublade. 

Wie der kanadische Professor Michael MacKay, ein Experte für slawische Länder, twitterte – und als Beweis ein entsprechendes Dokument postete – hat die Kiewer Exekutive ein Dekret aus dem Jahr 1147, das die Gründung der Stadt Moskau festhält, für ungültig erklärt – und damit der russischen Hauptstadt die Existenzberechtigung abgesprochen. «Moskau existiert nicht länger», so MacKay zum Beschluss. Auch Kreml-Kritiker Michail Chodorkowsky postete den Beschluss aus Kiew, versehen mit drei lachenden Emojis.

Das Dokument wurde wohl auch als ironische Antwort auf Putins jüngste Äusserungen verfasst, in denen er sich mit Peter dem Grossen in Verbindung bringt und behauptet, dass Russland jetzt einfach seine historischen Territorien zurückfordert. Im Dokument heisst es, dass der Orden des Grossfürsten Juri Dolgoruki für null und nichtig erklärt werden sollte, da er als historisches Missverständnis angesehen wird.

Im Jahr 1147, als Moskau erstmals schriftliche erwähnt wurde, war Kiew bereits 665 Jahre alt. 

Auf Twitter machen sich Userinnen und User über Moskau lustig.

Auf Twitter machen sich Userinnen und User über Moskau lustig.

Twitter

Juri Dolgoruki, Grossfürst der Kiewer Rus, gilt als Gründer Moskaus. Die erste Erwähnung der Stadt aus dem Jahr 1147 ist mit ihm verbunden. Im Jahr 1156 wurde die Festung Moskow am Rande seines Herrschaftsgebietes errichtet, daher wird dieses Jahr oft als Entstehungsdatum des Kremls genannt.

Die Moskauer halten das Andenken an Juri Dolgoruki als legendären Gründer ihrer Stadt in Ehren. 1954 wurde ihm zu Ehren ein vom Bildhauer Sergej Orlow entworfenes Denkmal in der Twerskaja-Strasse, dem Hauptboulevard Moskaus, vor dem Moskauer Stadtrat aufgestellt. 

(trx)

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