Marihuana-Forschung: Kiffen schadet Teenagern, Erwachsenen aber kaum
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Marihuana-ForschungKiffen schadet Teenagern, Erwachsenen aber kaum

Marihuana schadet unserem Gedächtnis – aber nur minim. Grünes Licht für Gras gibt es von der Wissenschaft trotzdem nicht für alle.

von
Michael Baumann

Kiffen macht dumm, so die gängige Meinung. Das stimmt nicht ganz, zeigt eine neue Studie. Darin haben Wissenschaftler aus Lausanne und den USA den Drogenkonsum von über 3300 erwachsenen Amerikanern untersucht und mit deren geistigen Fähigkeiten verglichen. Sie analysierten Daten, die während 25 Jahren gesammelt wurden.

Resultat: Die Kiffer konnten sich nach fünf Jahren Cannabis-Konsum Wörter etwas schlechter merken. So erinnerte sich im Test jeder zweite regelmässige Kiffer aus einer Liste von fünfzehn Wörtern an eines weniger als Leute, die nicht kiffen. Nach weiteren fünf Jahren Konsum entfiel den Kiffern jeweils noch ein Wort mehr. Der Schaden beschränkt sich allerdings auf das verbale Gedächtnis.

Prävention statt Verbot

In zwei weiteren Tests zur geistigen Fitness litten die Cannabis-Raucher unter keiner Leistungseinbusse. Sie konnten knifflige Aufgaben gleich schnell und gleich gut lösen wie andere Probanden. Dennoch sei das Resultat kein Freipass für alle Kiffer, sagt Studienautor Reto Auer von der Uni-Poliklinik Lausanne

Herr Auer, können Kiffer beruhigt weiterrauchen?

Nein, denn unsere Untersuchung beschränkt sich auf Erwachsene. Bei Jugendlichen zeigen Studien ein völlig anderes Bild. Ihr Gehirn befindet sich in einer heiklen Entwicklungsphase. Hier kann regelmässiges Kiffen dramatische Folgen haben: Kids können psychische Krankheiten wie Schizophrenie entwickeln.

Dann macht das Verbot von Cannabis also Sinn?

Nicht wirklich. Zwar bewirkt es einen leicht höheren Preis für Cannabis auf dem Schwarzmarkt. Doch das schreckt Jugendliche kaum ab. Deshalb ist ein Verbot nicht das beste Mittel, um den Konsum einzuschränken.

Wie soll es dann gelingen?

Indem wir gezielter Präventionsarbeit bei Jugendlichen leisten. Wir müssen verhindern, dass Teenager in eine schwere

Abhängigkeit geraten.

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