Selbstbestimmungsinitiative: Kiffender Polizist kämpft gegen SVP-Initiative
Aktualisiert

SelbstbestimmungsinitiativeKiffender Polizist kämpft gegen SVP-Initiative

Mit einer aussergewöhnlichen Kampagne wollen die Jungfreisinnigen Schweiz gegen die SBI mobilisieren. Ein Experte zweifelt daran, dass dies gelingen mag.

von
Julia Käser

Auf den Plakaten der JFS muss man schon genauer hinsehen. (Video: jk)

Eine langbeinige, blonde Frau, die sich zwischen Parfüm und Knoblauch räkelt, oder ein Polizist, der genüsslich einen Joint raucht: Mit diesen Sujets wollen die Jungfreisinnigen Schweiz (JFS) gegen die Selbstbestimmungsinitiative mobilisieren. Auf den ersten Blick ist nicht klar, worum es bei den Plakaten, die ab Montag am Zürcher Hauptbahnhof hängen, genau geht. Das zeigt auch eine nicht repräsentative Strassenumfrage von 20 Minuten (siehe Video).

Ungewohnte Strategie für die Schweiz

Am Erfolg der 30'000 Franken teuren Kampagne zweifelt Starwerber Frank Bodin: Das Gute an den Plakaten sei, dass sie für Politwerbung erfrischend anders seien und geeignet, ein jüngeres Publikum anzusprechen. Aber: «Kritisch an den Plakaten ist: Wer sich nicht die Mühe macht, die damit beworbene Website Jobkiller.ch zu besuchen, weiss nicht, worum es geht.» Crossmediale Kampagnen würden immer die Gefahr bergen, dass sie einen Umweg zu viel machen und damit einen Klick zu weit von der Botschaft entfernt seien, so Bodin.

Zudem stellt der Werber die Plakate auch stilistisch infrage: «Auf der einen Seite möchte man mit dem Argument ‹Jobkiller› Angst machen, auf der anderen Seite spielen die Plakatsujets mit schwarzem Humor.» Gemäss Bodin funktioniert das in England, in der Schweiz habe es diese Form von Ironie in der Werbung erfahrungsgemäss eher schwer.

Kampagne der JFS

Mit diesem Video wollen die Jungfreisinnigen die SBI bekämpfen.

Ein Clip der Kampagne der JFS mithilfe der Werbeagentur Heimat gegen die SBI

«Die Plakate sind ein Experiment»

Der Präsident der Jungfreisinnigen Schweiz, Andri Silberschmidt, bezeichnet die Plakate als Experiment. Ein zentraler Punkt bei der Erarbeitung der Kampagne sei einerseits das Herunterbrechen der komplexen Materie gewesen. Andererseits habe die JFS einen Weg finden müssen, ihre junge Zielgruppe zu erreichen. «Die Plakate sollen Aufmerksamkeit erlangen. Keinesfalls geht es darum, Klamauk zu verbreiten. Auf der Website, die auf den Plakaten vermerkt ist, findet man dann fundierte Infos und Argumentationen zur SBI», so Silberschmidt.

Er sei sich bewusst, dass die Plakate nicht allen gefallen werden, doch: «Es gibt schon genug 08/15-Plakate in der Politik.» Zudem bringe man ein neues Gegenargument auf: die drohenden Jobverluste bei einem Ja zur SBI. «Das Menschenrechts-Argument ist zentrales Thema vieler Nein-Kampagnen. Wir wollen eine andere Facette beleuchten, die bisher kaum erwähnt wurde», erklärt der Jungpolitiker.

Ja zur SBI führt zu Jobverlusten

Laut den Jungfreisinnigen droht bei einem Ja zur SBI der Jobverlust – ähnlich, wie wenn man im Büro andauernd nach Knoblauch stinkt oder als Polizist im Dienst heimlich Cannabis raucht.

Die Argumentation der JFS lautet wie folgt: Als Exportnation sei die Schweiz auf den direkten Zugang zu internationalen Märkten angewiesen. Als Kleinstaat sei man zudem durch die allgemein gültigen Regeln, die auf internationalen Verträgen basieren, geschützt. Ansonsten setze sich das Recht des Stärkeren durch. Kündige die Schweiz nun einen entsprechenden Vertrag, der nicht mehr verfassungskompatibel sei, komme das einem radikalen Vertrauensbruch gegenüber der Staatengemeinschaft gleich. Das wiederum könne Marktzugänge gefährden – und damit auch Jobs.

«Argument ist ein Märchen»

SVP-Nationalrat Thomas Matter betitelt das neue Argument der Jungfreisinnigen als ein «weiteres Märchen». Das Ziel der SBI sei es, den Zustand vor dem «verheerenden» Bundesgerichtsurteil vom 12. Oktober 2012 wiederherzustellen. Matters Frage an die JFS: «Hatten wir vor 2012 denn ein Problem mit den Jobs?»

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