Aktualisiert 14.03.2016 17:04

PilotprojektKiffer-Apotheken sollen in Bern Cannabis verkaufen

Die Stadt Bern sucht Kiffer: Während eines Pilotprojektes sollen Probanden in Apotheken Hanf kaufen können. Der Bund hat dabei das letzte Wort.

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miw/sda

In ausgewählten Apotheken soll in Bern versuchsweise Cannabis verkauft werden: Die Stadtregierung will das Kiffen für rund 1000 Berner während eines Forschungsprojektes in Zusammenarbeit mit der Universität Bern legalisieren.

Wer im Auftrag der Stadt kiffen will, muss einige Kriterien erfüllen: Studienteilnehmer müssen mindestens 18 Jahre alt sei und Wohnsitz in der Stadt Bern haben. Wer schwanger oder in psychiatrischer Behandlung ist wird nicht berücksichtigt. «Auch muss die Person bestätigen, bereits regelmässig Cannabis zu konsumieren», so Sozialdirektorin Franziska Teuscher bei der Vorstellung des Projekts am Montag. So wolle man verhindern, neue Personen für den Konsum von THC zu animieren.

Cannabis wird zu Schwarzmarkt-Preisen gehandelt

Angst, dass die Strafverfolgungsbehörden vom Kiffen Wind bekommen, müssen die Probanden nicht haben: «Die gesammelten Daten der Teilnehmer werden vertraulich behandelt und nicht zur Strafverfolgung weitergegeben», verspricht Teuscher. Damit ein Proband nicht mit der Justiz in Konflikt kommt, wird ihm für den zweieinhalbjährigen Versuch ein extra angefertigter Ausweis ausgehändigt. Dieser erlaubt, das Cannabis in Apotheken zu kaufen und zuhause zu konsumieren. Pro Einkauf sollen ein bis zwei Gramm, monatlich maximal 15 Gramm eingekauft werden können.

Wer die Geschäfte in den verschiedenen Berner Quartieren mit Marihuana beliefert, ist derzeit noch unklar. Es gebe in der Schweiz bereits Produzenten für medizinische Zwecke. Auch Importe aus dem Ausland sind eine Option. Beim Preis will man sich dem Schwarzmarkt anpassen.

«Scheinheilige Kiffer-Politik»

Wird Bern nun zum Schweizer Kifferparadies? «Nein», betont die städtische Sozialdirektorin. Das Pilotprojekt diene dazu, eine bessere Lösung für das heutige Cannabis-Verbot zu finden. In der Realität würden heute bereits 200'000 bis 300'000 Menschen in der Schweiz regelmässig Cannabis konsumieren. Dies sei ein «scheinheiliger Zustand», bei dem man nicht einfach wegschauen könne.

Während andere Städte wie etwa Genf mit Social Clubs auf die Repressionspolitik reagieren, handelt man in Bern via Apotheker. «Diese geniessen das Vertrauen der Bevölkerung und haben auch das nötige Fachwissen im Umgang mit Betäubungsmitteln», so Teuscher. Ob und wann das Projekt gestartet werden kann, liegt nun beim Bund. Das Gesuch soll demnächst eingereicht werden. «Der gesetzliche Spielrahmen in der Schweiz ist eng», sagt Teuscher. Eine Bewilligung kann jedoch möglich sein, wenn das Projekt mit einer wissenschaftlichen Studie verbunden wird, heisst es in einem Rechtsgutachten der Pharmalex GmbH, die für die Stadt Bern die Rechtslage im Vorfeld untersuchte. Um die Studie finanzieren zu können hofft man auf Sponsoren, etwa in Form eines Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung wissenschaftlicher Forschung.

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