Bei Einvernahmen: Kiffer-Verein rät, Polizei anzulügen
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Bei EinvernahmenKiffer-Verein rät, Polizei anzulügen

«Liefert euch nicht selbst ans Messer»: Der Verein Legalize It gibt in einem Ratgeber Tipps, wie sich Kiffer bei der Polizei verhalten sollten. Das Credo: schweigen, abstreiten, notfalls lügen.

von
Pascal Michel
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Wer mit Kleinmengen Cannabis aufgegriffen wird, bekommt eine Ordnungsbusse.

Wer mit Kleinmengen Cannabis aufgegriffen wird, bekommt eine Ordnungsbusse.

KEYSTONE
Wer jedoch mehr als 10 Gramm dabei hat, muss mit einer Verzeigung und einer polizeilichen Einvernahme rechnen.

Wer jedoch mehr als 10 Gramm dabei hat, muss mit einer Verzeigung und einer polizeilichen Einvernahme rechnen.

www.hanflegal.ch
Der Verein Legalize It hat dazu eine neue Broschüre erarbeitet.

Der Verein Legalize It hat dazu eine neue Broschüre erarbeitet.

www.hanflegal.ch

Darum gehts

  • Der Verein Legalize It hat einen Ratgeber erstellt.
  • Darin rät er, bei einer polizeilichen Einvernahme nur das Nötigste zuzugeben.
  • Damit könne man die Strafen reduzieren.
  • Bei der Polizei heisst es, solches Verhalten sei ebenfalls strafbar.

Der Verein Legalize It, der sich laut eigenen Angaben gegen die «Hanf-Repression» in der Schweiz und für die Legalisierung von Cannabis einsetzt, hat rund 100 Rechtsberatungsgespräche analysiert und daraus Tipps abgeleitet, wie Kiffer sich bei der polizeilichen Einvernahme verhalten sollten. Diese hat er letzte Woche in einer Broschüre zusammengefasst und an seine rund 600 Mitglieder verschickt. Zu einer Einvernahme mit Protokoll kommt es nach einer Verzeigung, also wenn eine Person etwa mehr als 10 Gramm Cannabis auf sich trägt, früheren Konsum zugibt oder auch Hanfsamen im Internet bestellt hat und auffliegt.

Zur Einvernahme heisst es in der Broschüre: «Grundsätzlich gilt: Schweigen und die Aussage verweigern, wenn Fragen über illegale Handlungen gestellt werden. Sonst liefert man sich nur selbst ans Messer.» Doch dies sei gar nicht so einfach, denn bei der Einvernahme treffe die Polizei als «Profi» auf den Kiffer als «Nichtprofi». Allenfalls müsse man auch lügen, etwa, dass man keine illegalen Samen bestellt habe. Dabei müsse man auch in Kauf nehmen, dass die Polizei dann «grantig, laut oder ausfällig» werde. «Das muss man aushalten», rät der Verein, dasselbe gelte bei der Verweigerung der Aussage.

«Verschenken» statt «verkaufen»

Wenn Kiffer Geständnisse machen, sollten sie möglichst bestimmt aussagen und nur den Konsum für den Eigengebrauch zugeben. Denn dies werde nur als Übertretungen gehandhabt. Auch solle man beispielsweise nur das Verschenken von Samen gestehen, nicht den Verkauf, der ein Vergehen darstellt. Nochmals verweist Legalize It auf das Protokoll, das ein «entscheidendes Element» sei, weil die Staatsanwaltschaft aufgrund der dort festgehaltenen Aussagen das Strafmass festlege.

Auf Anfrage heisst es bei der Kantonspolizei Thurgau, man äussere sich zu den Ratschlägen des Vereins Legalize It nicht. Zur Frage, ob die Polizei die Flunkereien von Kiffern bei der Einvernahme bemerke und inwiefern falsche Angaben den Kiffern nützten, sagt Sprecher Michael Roth: «Die Antwort auf diese Frage richtet sich nach den tatsächlichen Umständen, also nach der Art, der Menge und dem Vorkommnis. Schlussendlich wird die Staatsanwaltschaft beurteilen, ob ein strafrechtliches Verhalten vorliegt.» Wer absichtlich unwahre oder falsche Angaben bei Einvernahmen mache, könne strafrechtlich verfolgt werden. «Die Beurteilung obliegt der Staatsanwaltschaft und muss im Einzelfall geprüft werden», sagt Roth.

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