Dealer verhaftet: Kiloweise Kokain für «Männerdorf»

Aktualisiert

Dealer verhaftetKiloweise Kokain für «Männerdorf»

Für einmal gelangte die Edeldroge Kokain nicht an die Langstrasse, sondern direkt an die Goldküste. Dafür war ein Westafrikaner aus Männedorf ZH verantwortlich. Er muss jetzt für fast fünf Jahre ins Gefängnis.

von
Attila Szenogrady

Es war am frühen Abend, als die Drogenfahnder im Rahmen der Aktion «Moskito» am 12. November 2010 in Männedorf zuschlugen. Beim Bahnhof nahmen sie einen Drogenkurier sowie einen Chauffeur aus Männedorf fest. Beide Westafrikaner wurden in flagranti erwischt. So wollte der mit einem Mercedes angereiste Besucher aus Holland seinem Geschäftspartner von der Goldküste ein Paket mit der wohl ungewollt witzigen Aufschrift «Männerdorf Zurich» übergeben. Darin befanden sich rund 790 Gramm Kokain. Im Gegenzug hielt der ortsansässige Abnehmer 6000 Franken bereit. Das war das Ende eine Drogenhandels, welches bereits im August 2010 eingesetzt hatte.

Kein arbeitsscheuer Kügeli-Dealer

Am Donnerstag musste sich der geständige Dealer aus Männedorf am Bezirksgericht Zürich verantworten. Ihm wurden die Einfuhr und der Verkauf von insgesamt 3,6 Kilogramm Kokain angelastet. Die Polizei hatte die Beweise mit Telefonkontrollen zusammengetragen. Eher aussergewöhnlich war das Täterprofil des Beschuldigten. So handelte es sich nicht um einen arbeitsscheuen «Kügeli-Dealer», sondern um einen fleissigen Zeitgenossen, der sich in der Schweiz gut eingelebt hatte. Nach seiner Einreise vor neun Jahren heiratete er eine junge, attraktive Schweizerin, die noch heute zu ihm hält und den Prozess gespannt als Zuschauerin mit verfolgte.

Der Angeschuldigte arbeitete zunächst in einem Altersheim in Männedorf, danach als zuverlässiger Chauffeur einer Metzgerei. Das kinderlose Ehepaar trug laut Staatsanwalt Roger Egli einen «feudalen» Lohn von bis zu über 9 300 Franken nach Hause.

Kokainhandel ohne Notsituation

«Warum dann ein Kokainhandel ohne jegliche Notsituation?», lautete die zentrale Frage des Gerichtsvorsitzenden Philippe Ernst. Der Angeschuldigte aus Guinea sprach von einem Gefallen, den er wegen eines afrikanischen Halbbruders einem Kokainlieferanten geschuldet habe. Deshalb habe er in der Freizeit mit den harten Drogen gehandelt. Gegen den Angeschuldigten sprach allerdings die Tatsache, dass er bereits vor drei Jahren am Zürcher Obergericht wegen Drogenverkäufen eine bedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten kassiert hatte.

Hohe Freiheitsstrafe

Die Staatsanwaltschaft verlangte eine hohe Freiheitsstrafe von vier Jahren sowie den Widerruf der bedingten Vorstrafe. Im Gegensatz zum Verteidiger, der wegen des Geständnisses eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren verlangte. Nur ein Jahr davon unbedingt.

Das Gericht folgte mehrheitlich der Anklage und setzte wegen eines erheblichen Verschuldens eine unbedingte Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren fest. Zudem wurde die Vorstrafe widerrufen. Was insgesamt 57 Monate, also fast fünf Jahre Freiheitsentzug bedeutete. Zudem liess das Gericht zur Deckung der Verfahrenskosten zwei Geldbeträge von über 31 000 Franken sowie 23 000 Franken beschlagnahmen. Die beim Bahnhof Männedorf sichergestellten 6000 Franken fliessen als unrechtmässig erlangter Vermögensvorteil in die Staatskasse. Gerichtspräsident Ernst lastete dem Angeschuldigten vor allem seine Verbrechen während laufender Probezeit an. «Der Angeklagte hat nach dem Urteil des Obergerichts überhaupt nicht verstanden, was abläuft», sagte er.

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