Aktualisiert 23.05.2013 14:26

Wer hats erfunden?

Kim Dotcom droht Google und Co. mit Klage

Der von der US-Justiz gejagte MegaUpload-Gründer hat überraschend ein Tech-Patent aus dem Hut gezaubert. Damit will er mächtige US-Konzerne wie Facebook und Twitter zur Kasse bitten.

von
dsc
Kim Dotcom mit Gemahlin im Pool. Der Internet-Tausendsassa sucht Unterstützung im Kampf gegen die US-Behörden.

Kim Dotcom mit Gemahlin im Pool. Der Internet-Tausendsassa sucht Unterstützung im Kampf gegen die US-Behörden.

Eben erst hat Twitter eine neue Sicherheitsfunktion eingeführt und nun das: Kim Dotcom behauptet, er habe das zweistufige Authentifizierungs-Verfahren schon vor Jahren patentieren lassen. Nun erwäge er rechtliche Schritte gegen Twitter und andere Internetgiganten wie Google und Facebook. Denn: Gleich mehrere US-Unternehmen setzen den Mechanismus ein, um die Konten und Profile ihrer Nutzer vor Hackern zu schützen.

Die sogenannte Two-Step-Verification sieht das Versenden eines Zugangscodes auf das Mobilgerät des Nutzers vor, zusätzlich zum altbekannten Passwort. Und tatsächlich ist ein im Internet veröffentlichtes US-Patent aus dem Jahr 1998 auf Kim Schmitz alias Kim Dotcom eingetragen. Am Donnerstag liess der umtriebige Internetmillionär via Twitter verlauten: «Google, Facebook, Twitter, Citibank etc. bieten die Zwei-Schritt-Authentifizierung an. Massive Urheberrechtsverletzung von US-Firmen. Meine Erfindung. Mein Patent.»

Zuckerbrot und Peitsche

Dotcom sagt, er habe bislang niemanden verklagt, weil er an das Teilen von Wissen und Ideen zum Wohl der Gesellschaft glaube. Gleichzeitig droht er aber auch unverhohlen mit einer Klage: «Ich könnte sie anzeigen, wegen dem, was die USA gegen mich unternommen haben.» Den besagten Unternehmen bietet er an, auf eine Anzeige zu verzichten, wenn sie ihn in seinem juristischen Kampf gegen die US-Justiz unterstützen. «Ich rufe um Hilfe. Wir sitzen alle im selben Boot. Helft mir, meine Verteidigung zu bezahlen.» Offenbar braucht der MegaUpload-Gründer Geld. Viel Geld. Die Kosten für seine Verteidigung beziffert er mit mehr als 50 Millionen US-Dollar.

Noch fehlt eine verlässliche Einschätzung, ob Dotcom mit entsprechenden Patentklagen Erfolg haben würde. Derweil bietet der 39-Jährige via Twitter an, die Rechte an seinem geistigen Eigentum an einen weltweiten Lizenznehmer zu verkaufen.

Gegen Kaution auf freiem Fuss

Der jüngste Streich des Tausendsassas mutet einmal mehr unglaublich an. Dotcom droht bekanntlich die Auslieferung in die USA. Die US-Behörden werfen ihm vor, mit seiner Anfang 2012 stillgelegten Filesharing-Plattform zur Verbreitung von illegalen Kopien beigetragen und massiv davon profitiert zu haben.

Seit der Entlassung aus der Untersuchungshaft befindet sich der gebürtige Deutsche in seiner Wahlheimat Neuseeland. Er ist nur gegen Kaution auf freiem Fuss, grosse Teile seines Vermögens sind eingefroren worden. Frühestens im August sollen die Richter entscheiden, ob er an seine Erzfeinde ausgeliefert wird. In Amerika drohen ihm angeblich bis zu 20 Jahre Haft.

Anfang Jahr hatte Dotcom seine neue Filesharing-Plattform Mega lanciert. Der als sicher angepriesene Dienst geriet wegen Schwachstellen in die Kritik. Unbeantwortet bleibt die Frage, ob der MegaUpload-Nachfolger genügend Geld abwirft. Dotcom ist berühmt-berüchtigt für seinen ausschweifenden Lebensstil. Via Twitter veröffentlicht er immer wieder Bilder von seiner Villa und macht sich über seine Gegner lustig.

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