Projekt Megabox: Kim Dotcom will iTunes neu erfinden
Aktualisiert

Projekt MegaboxKim Dotcom will iTunes neu erfinden

MegaUpload-Gründer Kim Dotcom ist illegal ausspioniert worden vom neuseeländischen Geheimdienst. Das hält den umtriebigen Internet-Millionär nicht von der nächsten «Revolution» ab.

von
dsc

Kim Schmitz alias Kim Dotcom hat ein weiteres Teaser-Video zu seinem Megabox-Projekt veröffentlicht. Der vom FBI und der amerikanischen Unterhaltungsindustrie gejagte Internet-Unternehmer will offenbar Ernst machen. Auf MegaUpload soll Megabox folgen. Sein erklärtes Ziel ist ein Cloud-Musikdienst, der über Werbung finanziert wird und die Künstler direkt entschädigt. Die von US-Unternehmen dominierte Musikindustrie soll quasi links liegengelassen werden (20 Minuten Online berichtete).

Die Nutzer von Megabox sollen von überall her via Internet Zugriff auf ihre Songs haben. Wie der auf Filesharing-News spezialisierte Blog TorrentFreak berichtet, können Songs auf der Megabox-Plattform käuflich erworben, auf den Servern gespeichert und heruntergeladen beziehungsweise gestreamt werden.

Gratis-Musik dank Online-Werbung

Als revolutionär wird die Möglichkeit bezeichnet, Songs gratis zu beziehen. Dies soll möglich sein, indem man die sogenannte Megakey-Software installiert. Dabei handelt es sich um einen Ad-Blocker: Wenn man im Internet surft, werden rund 15 Prozent der Anzeigen auf den Webseiten durch Megabox-Werbung ausgetauscht. Megabox wird also die fremden Anzeigen durch eigene ersetzen und mit dem Erlös auch die Künstler entschädigen.

Diese Lösung soll es den Inhalte-Erschaffern erlauben, 90 Prozent der Einnahmen zu behalten und an den Gratis-Downloads zu verdienen. «Ich habe eine Innovation geschaffen, die das Piraterie-Problem lösen könnte», sagt Dotcom gewohnt unbescheiden. Damit das Megabox-Geschäftsmodell aufgeht, müssten die Nutzer allerdings bereit sein, die Megakey-Software auf ihren Computern zu installieren.

Wann Megabox lanciert wird, ist offen. Angeblich noch in diesem Jahr. Dotcom versucht den Eindruck zu vermitteln, dass die Entwicklung der Plattform weit fortgeschritten sei. «Coming soon», heisst es im Promo-Video.

(Quelle: youtube.com/MrKimDotcom)

Illegal ausspioniert

Die neuen Pläne von Kim Dotcom dürften für einiges Kopfzerbrechen sorgen bei den potenziell betroffenen Unternehmen der Unterhaltungsindustrie. Der gebürtige Deutsche, der in Neuseeland unter Hausarrest steht, wartet auf die nächste Gerichtsverhandlung. Die USA werfen ihm massive Internet-Piraterie vor und verlangen seine Auslieferung - er soll mit der MegaUpload-Plattform und weiteren Filesharing-Webseiten gegen das Urheberrecht verstossen haben.

Wie sich nun herausstellt, haben die Gegner des umtriebigen Geschäftsmannes nichts unversucht gelassen. Der neuseeländische Geheimdienst GCSB hat Dotcom sogar illegal ausspioniert. Das geht aus einem am Donnerstag von Ministerpräsident John Key veröffentlichten Untersuchungsbericht hervor.

Nach neuseeländischem Recht darf die Behörde nur ausländische Staatsbürger bespitzeln. Laut dem jüngsten Untersuchungsbericht heftete sich GCSB jedoch an die Fersen des in Kiel als Kim Schmitz geborenen Dotcom, nachdem dieser 2010 eine Aufenthaltsgenehmigung für Neuseeland erlangt hatte.

Key zeigte sich in einer Stellungnahme «sehr enttäuscht» über das fehlende Verständnis für rechtliche Verpflichtungen bei der Behörde. GCSB räumte das Fehlverhalten ein und der neuseeländische Premier entschuldigte sich öffentlich bei Dotcom. Welche Informationen der Geheimdienst über Dotcom einholen konnte, ist unklar. (dsc/dapd)

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