Nur noch Bäume: Kim lässt Papis Palast spurlos verschwinden
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Nur noch BäumeKim lässt Papis Palast spurlos verschwinden

War ihm der Schatten seines übermächtigen Vaters zu lang? Kim Jong-Un liess die Villa seines Vaters nicht nur abreissen, sondern das Grundstück auch so präparieren, als hätte es das Haus nie gegeben.

von
jbu
Und plötzlich war die Villa weg: Die Vorher-Nachher-Bilder von Google Earth im Vergleich.

Und plötzlich war die Villa weg: Die Vorher-Nachher-Bilder von Google Earth im Vergleich.

Das Bild, das auf Google Earth zu sehen ist, zeigt ein überwuchertes Grundstück in Pjöngjang. Ausgewachsene Bäume besiedeln das Gelände, ganz so, als hätten sie schon seit Jahrzehnten dagestanden.

Doch weit gefehlt: An derselben Stelle ragte noch rund ein halbes Jahr davor der Palast von Kim Jong-Il, dem verstorbenen Führer Nordkoreas, in die Lüfte. Laut welt.de hat sein Sohn Kim Jong-Un das 9000 Quadratmeter grosse Gebäude wohl in einer Nacht-und-Nebel-Aktion abreissen lassen. Danach soll er veranlasst haben, dass an der Stelle ausgewachsene Bäume eingepflanzt werden, als habe dort nie ein Haus gestanden.

Eigene Tante vertrieben?

Nur eine Villa unterhalb des abgerissenen Baus, die als «Gästehaus Nummer 55» bekannt ist, wurde stehen gelassen. Dort lebt nach offiziellen Angaben die Schwester Kim Jong-Ils. Spekulationen zufolge wäre es aber möglich, dass Kim Jong-Un seine Tante aus dem «Gästehaus» vertrieben hat und nun selber dort residiert. Anderen Gerüchten zufolge hat der junge Diktator das Grundstück verlassen und ist in eine Stadtvilla neben seinem Büro gezogen.

Weshalb Kim Jong-Un die Bulldozer kommen liess, ist freilich nicht bekannt. Zwar ist es in seiner Familie gang und gäbe, überflüssig gewordene Bauten abzureissen und die Trümmergrundstücke zu bepflanzen. Dass ein Herrscher der Kim-Dynastie jedoch das Anwesen seines Vorgängers komplett abreisst, ist ein Novum.

Das Vorgehen erstaunt, zumal Kim Jong-Un sonst kaum eine Gelegenheit auslässt, das Andenken seines Vaters zu würdigen. So wurde erst im Februar eine prunkvolle Feier zum Geburtstag des verstorbenen Machthabers abgehalten. Wer es wagte, nach dem Tod des «geliebten Führers» zu wenig zu trauern, wurde gar erschossen.

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