24.08.2020 08:43

Diktator im Koma?«Kim würde seine Autorität nicht teilen, ausser er ist krank»

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un soll im Koma liegen. Vor wenigen Tagen hat er laut des südkoreanischen Geheimdiensts einen Teil seiner Machtbefugnisse abgetreten.

von
Claudia Steiger
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Dieses Foto spricht gegen gesundheitliche Probleme Kim Jong-uns – es entstand am 19. August. Das Foto lässt sich gemäss Nachrichtenagentur Reuters aber nicht unabhängig verifizieren.

Dieses Foto spricht gegen gesundheitliche Probleme Kim Jong-uns – es entstand am 19. August. Das Foto lässt sich gemäss Nachrichtenagentur Reuters aber nicht unabhängig verifizieren.

keystone-sda.ch
Die Gerüchte um Kim sind nicht neu – diesmal allerdings stehen sie in Zusammenhang mit einer Meldung über geänderte Machtverhältnisse in Nordkorea.

Die Gerüchte um Kim sind nicht neu – diesmal allerdings stehen sie in Zusammenhang mit einer Meldung über geänderte Machtverhältnisse in Nordkorea.

KEYSTONE
Vor wenigen Tagen informierte der südkoreanische Geheimdienst darüber, dass Kim einen Teil seiner Machtbefugnisse an seine Schwester Kim Yo-jong abgetreten habe.

Vor wenigen Tagen informierte der südkoreanische Geheimdienst darüber, dass Kim einen Teil seiner Machtbefugnisse an seine Schwester Kim Yo-jong abgetreten habe.

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Darum gehts

  • Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un soll im Koma liegen.
  • Vor wenigen Tagen soll er zudem Machtbefugnisse an seine Schwester Kim Yo-jong abgetreten haben.
  • Laut Experten lässt eine solche Machtverschiebung in Nordkorea auf gesundheitliche Probleme des Machthabers schliessen.

Erneut machen Spekulationen um den Gesundheitszustand des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un die Runde. Wie der «Mirror» berichtet, soll sich Kim gemäss Aussagen des südkoreanischen Diplomaten Chang Song-min im Koma befinden.

Die Gerüchte um Kim sind nicht neu – diesmal allerdings stehen sie in Zusammenhang mit einer Meldung über geänderte Machtverhältnisse in Nordkorea. Vor wenigen Tagen informierte der südkoreanische Geheimdienst darüber, dass Kim einen Teil seiner Machtbefugnisse an seine Schwester Kim Yo-jong und andere enge Vertraute abgetreten habe. Yo-jong, deren Alter in Südkorea auf 32 geschätzt wird, gilt schon seit einigen Jahren als einflussreiche Beraterin ihres Bruders.

Nicht zwingend gesundheitliche Gründe

Chang Song-min, der mit seinen Aussagen über Kims möglichen schlechten Gesundheitszustand die neuesten Spekulationen angestossen hat, sagte zu dieser Machtverschiebung: «Kein nordkoreanischer Machthaber würde seine Autorität einer anderen Person anvertrauen, es sei denn, er wäre zu krank, um zu regieren, oder er wäre einem Staatsstreich zum Opfer gefallen.» Dies berichtet die «Korea Times».

Andere Experten wiederum widersprechen dieser These. Kim habe seiner Schwester und anderen engen Vertrauten zwar bestimmte Angelegenheiten anvertraut – das müsse aber nicht bedeuten, dass er ihnen dauerhafte Befugnisse erteile. Und man könne daraus auch nicht zwingend auf ein gesundheitliches Problem des Machthabers schliessen.

Gerüchte auch im April

Vor fünf Tagen soll Kim noch an einem Regierungstreffen teilgenommen haben – dies zeigen von nordkoreanischen Medien veröffentlichte Bilder. Die Nachrichtenagentur Reuters sagte gemäss «Daily Mail» jedoch, dass diese Bilder nicht unabhängig verifiziert werden könnten.

Bereits im April kursierten Gerüchte, wonach Kim Jong-un sich nach einer Operation in Lebensgefahr befände. Kurz darauf zeigte er sich nach wochenlanger Abstinenz allerdings wieder in der Öffentlichkeit.

Schwester als «De-facto-Führerin Nummer zwei»

Bei einem nicht öffentlichen Informationsgespräch im südkoreanischen Parlament soll der staatliche Aufklärungsdienst Kim Yo-jong als «De-facto-Führerin Nummer zwei» bezeichnet haben, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap am vergangenen Donnerstag unter Berufung auf Abgeordnete. Sie sei für die Politik gegenüber Südkorea und den USA verantwortlich. Als potenziellen Nachfolger habe der Machthaber aber weder seine jüngere Schwester noch irgendjemand anderen ausgewählt.

Durch Übertragung von Befugnissen für die Staatsgeschäfte solle Kim Jong Un Arbeitsstress abgenommen und «die Schuld für den Fall des politischen Scheiterns» von ihm abgewendet werden, hiess es. «Der Vorsitzende Kim hat nach wie vor absolute Autorität, doch einiges von ihr ist nach und nach übergeben worden.» Wie der Geheimdienst zu seiner Einschätzung gelangt ist, blieb unklar. Nordkorea ist eines der am meisten isolierten Länder.

(SDA)

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