Aktualisiert 20.10.2006 09:09

Kind zu Tode geschüttelt - Gefängnis bedingt

Ein 37-jähriger Mann ist in Rorschach (SG) wegen fahrlässiger Tötung zu einer bedingten Strafe von 14 Monaten Gefängnis bedingt verurteilt worden. Er hatte das Kind seiner Freundin mehrmals schwer misshandelt.

Er hatte Anfang 2000 den einjährigen Knaben seiner Freundin zu Tode geschüttelt.

Die 37-jährige Mutter des schwer misshandelten und getöteten Knaben wurde mangels Beweisen von den Vorwürfen der fahrlässigen Tötung sowie der vorsätzlichen und der schweren fahrlässigen Körperverletzung freigesprochen.

Kind krass vernachlässigt

Weil sie das Kind krass vernachlässigt hatte, verurteilte sie das Gericht wegen Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht zu einer bedingten Gefängnisstrafe von 14 Tagen, wie aus dem am Freitag veröffentlichen Urteil hervorgeht.

Der Knabe war am 2. Dezember 1998 zur Welt gekommen. In seinem kurzen Leben war er mehrmals in Spitalpflege. Ärztinnen und Ärzten, aber auch Nachbarn, fiel auf, dass das Kind vernachlässigt wurde. Im Januar 2000 wurde der Knabe wieder ins St. Galler Kinderspital eingeliefert.

Diesmal war er schwer verletzt: Hirnblutung, Schütteltrauma, Hämatome, Blut im Stuhl. Wegen Verdachts auf Kindsmisshandlung wurde die Kinderschutzgruppe eingeschaltet. Einen Monat später riefen Mutter und Freund den Notarzt; das Kind atmete nicht mehr. Es starb kurz darauf im Kinderspital.

Geständnis

Die Staatsanwaltschaft erhob im Oktober 2003 Anklage gegen die Mutter und ihren Freund wegen fahrlässiger Tötung. Für die Frau forderte sie eine unbedingte Gefängnisstrafe von zwei Jahren. Kurz darauf legte ihr Freund, der nicht der Vater des getöteten Kinds war, ein umfassendes Geständnis ab: Er habe den Knaben geschüttelt.

Vor Gericht forderte die Anklage 18 Monate Gefängnis bedingt für den Mann und drei Monate Gefängnis bedingt für die Mutter wegen fahrlässiger Tötung. Die Verteidiger der Angeklagten forderten Freisprüche.

Das Gericht kam zum Schluss, der Mann habe das Kind derart traktiert, dass es zu einer Hirnblutung und gekommen sei und das Kind starb. Dagegen habe die Mutter das Kind zwar vernachlässigt. Es sei aber nicht zweifelsfrei erwiesen, dass sie dem Knaben Haarrisse an den Bandscheiben und eine Zerrung des Hirnstamms zugefügt habe.

Der leibliche Vater des getöteten Buben fordert eine Genugtuung von 35 000 Franken. Das Gericht verpflichtete den Verurteilten zu einer Zahlung von 5000 Franken Genugtung. Ausserdem muss er die Parteikosten des leiblichen Vaters von 4000 Franken tragen sowie 14 000 Franken Verfahrenskosten. Die Kindsmutter muss rund 3000 Franken Verfahrenskosten tragen. Der Staat übernimmt rund 20 000 Franken.

(sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.