Aktualisiert 09.07.2008 14:09

IranKinder am Galgen

Im Iran gehören Exekutionen zur Tagesordnung, nur gerade China exekutiert noch eifriger. Hingerichtet werden dabei nicht wenige Menschen, die zur Tatzeit minderjährig waren — wie Mohammad Hassanzadeh.

Am 10. Juni starb Mohammad Hassanzadeh im Gefängnis der westiranischen Stadt Sanandaj am Galgen. Die Zeitung «Etemaad e Malli» publizierte ein Bild von Mohammads Identitätskarte, aus der hervorgeht, dass er 16 Jahre und 11 Monate alt war, als der Henker ihm das Leben nahm.

Der Junge hatte den Mord an einem zehnjährigen Kind, der ihn an den Galgen brachte, im Alter von vierzehn Jahren begangen. Sein Vater wurde vor der Exekution nicht benachrichtigt, obwohl das iranische Recht die Benachrichtigung der Eltern 48 Stunden vor der Hinrichtung verlangt.

Galgen statt Versöhnung

Der Chef der iranischen Justiz, Ayatollah Mahmoud Hachemi Schahroudi, hatte freilich das zuständige Gericht nach Angaben der iranischen Zeitung «Kargozaran» angewiesen, «die Angelegenheit durch Versöhnung zu regeln». In der Tat bietet die Scharia, das islamische Recht, Handhabe zur Umwandlung der Todesstrafe in eine Haftstrafe, wenn die Familie des Opfers einwilligt, dem Täter zu verzeihen und eine finanzielle Entschädigung zu akzeptieren.

Letzte Hoffnung

Das ist auch die letzte Hoffnung von Behnoud Shojaee. Er war 17 Jahre alt, als er vor drei Jahren in einem Teheraner Park einen Streit zwischen einem Freund und einem anderen Jungen schlichten wollte. Er wurde mit einem Messer bedroht und wehrte sich mit einer Glasscherbe — sein Gegner starb, er wurde zum Tod verurteilt.

Seine Hinrichtung wurde bereits mehrmals angesetzt; letztmals auf den 11. Juni dieses Jahres. Jedes Mal wurde der Vollzug kurz vorher um jeweils etwa einen Monat aufgeschoben. Behnoud soll die verlängerte Gnadenfrist nutzen, um die Familie des Opfers zur Versöhnung zu bringen. Misslingt dies, droht ihm der Strick.

138 Kinder in der Todeszelle

Als Vertragsstaat des Uno-Übereinkommens über die Rechte des Kindes und des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte (IPBPR) hat sich der Iran dazu verpflichtet, keine Straftäter hinzurichten, die zur Tatzeit das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

Gleichwohl hat hat die Islamische Republik seit 1990 mindestens 28 Jugendliche exekutiert, die zur Tatzeit minderjährig waren. Allein 2007 waren es mindestens sieben, in diesem Jahr bisher zwei.

Derzeit befinden sich nach Angaben von Amesty International mindestens 138 minderjährige Straftäter in iranischen Todeszellen.

Ausser dem Iran haben im vergangenen Jahr zwei weitere Staaten jugendliche Täter hingerichtet: Saudi-Arabien und der Jemen.

(dhr/AP)

Appell an den Iran

Amnesty International und 23 weitere Menschenrechtsorganisationan haben den Iran am 8. Juli 2008 in Genf aufgerufen, Hinrichtungen Minderjähriger unverzüglich zu stoppen.

«Es handelt sich um einen Notfall», sagte Drewery Dyke von der Iranabteilung bei Amnesty International in Genf.

Die 24 Organisationen, darunter auch die Internationale Föderation der Menschenrechtsligen FIDH, Human Rights Watch, Terre des Hommes sowie iranische, marokkanische und ägyptische Organisationen forderten den Iran auf, alle gegen Jugendliche verhängten Todesstrafen in Haftstrafen umzuwandeln.

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