Aktualisiert 18.05.2008 16:11

Kinder bedroht - doch Burmas Militär trotzt weiter

Auch zweieinhalb Wochen nach dem verheerenden Sturm trotzt Burmas Militärjunta internationalem Druck, mehr ausländische Helfer ins Land zu lassen. Tausende Kinder sind vom Hungertod bedroht.

Die Lage der Überlebenden einer der schlimmsten Naturkatastrophen Asiens wird immer dramatischer: Die UNO geht davon aus, dass Lebensmittel von ausserhalb nicht einmal einen Drittel jener 750 000 Menschen erreichen, die am meisten Hilfe benötigen.

Werde nicht schnell geholfen, drohe Tausenden von Kindern der Tod. Die Kinder könnten «binnen zwei oder drei Wochen» an den Folgen der Unterernährung sterben, warnte die britische Hilfsorganisation Save the Children. Demnach waren bereits vor dem Sturm 30 000 Kinder in den betroffenen Gebieten unterernährt.

Bislang gehen die regierenden Generäle von mindestens 134 000 Toten und Vermissten aus. Bis zu 2,5 Millionen Menschen wurden obdachlos. Die Zahl der Toten könnte laut Experten aber dramatisch steigen, wenn die Junta ausländische Hilfe weiterhin nur tröpfchenweise ins Land lasse.

«Lage im Griff»

Die seit 46 Jahren herrschenden Militärs haben wiederholt erklärt, sie hätten die Lage im Griff. So weigert sich Juntachef Than Shwe weiterhin, mit UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon zu telefonieren. Ban hatte eine Geberkonferenz vorgeschlagen.

Der britische Premierminister Gordon Brown warf den Militärs eine unmenschliche Haltung vor. Seine Regierung erwäge daher, Hilfsgüter aus der Luft abzuwerfen. «Wir schliessen nichts aus, weil wir wollen, dass die Hilfe das Volk direkt erreicht.»

Frankreichs UNO-Botschafter Jean-Maurice Ripert sagte, die Blockadehaltung der Junta grenze an ein «Verbrechen gegen die Menschlichkeit». Er forderte ein energisches Eingreifen der UNO.

EU-Entwicklungskommissar Louis Michel sprach sich nach seinem zweitägigen Besuch dagegen für einen Dialog mit der Militärjunta aus. Wer diese umstimmen wolle, müsse das Gespräch mit ihr suchen, sagte er dem belgischen Fernsehsender RTBF.

Kriegsschiffe vor der Küste

Vor der Küste Burmas kreuzen französische und US-Kriegsschiffe, um die notleidende Bevölkerung zu versorgen. Beide Länder machen den Start von Hilfsflügen aber von der Zustimmung der Militärs abhängig. Ein Ärzteteam aus Thailand traf am Samstag ein, darf sich aber nur im Grossraum Rangun bewegen.

Der britische Asienminister Mark Malloch-Brown glaubt nicht, dass Burma eine grössere Anzahl ausländischer Helfer ins Land lassen wird. Diesen Eindruck gewann auch der EU-Vertreter Bernard Delpuech bei einer für Diplomaten arrangierten Reise in das Katastrophengebiet (siehe Artikel in der Kontext-Box). (sda)

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