Solidaritätswelle: «Kinder dürfen nicht auf der Strasse landen»

Aktualisiert

Solidaritätswelle«Kinder dürfen nicht auf der Strasse landen»

Der Artikel über Familie Escobar aus Spreitenbach hat eine ganze Reihe von Hilfsangeboten ausgelöst. Nun nimmt auch die Gemeinde Stellung.

von
Noah Knüsel
Familie Escobar ist dankbar für die vielen Hilfsangebote.

Familie Escobar ist dankbar für die vielen Hilfsangebote.

20 Minuten/nk

Eduardo Escobar ist erfreut: Nachdem der Artikel am Mittwoch auf 20 Minuten online gegangen sei, habe er einen Anruf von der Gemeinde Spreitenbach erhalten, auf den er schon gewartet hatte: «Sie haben direkt mit mir für Donnerstag einen Termin abgemacht.»

Viele Leser wollen der kleinen Familie nun helfen. Sogar eine Wohnung wurde angeboten. «Ist kein Luxus hier, aber wir sind alle Familien mit Kindern, die sich tagtäglich durchs Leben krampfen und das Beste daraus machen», schreibt eine Leserin in ihrem Mail an 2o Minuten. «Man schaut zueinander und hilft einander.»

Escobar erzählt im Interview mit 20 Minuten seine Geschichte:

Familie droht Leben auf der Strasse

(Video: nk)

Ein anderer Leser bietet seine Unterstützung im rechtlichen Bereich an: «Ich könnte zum Beispiel die Kommunikation mit den Behörden aufgleisen und dokumentieren, ich habe viel Erfahrung in diesem Bereich», sagt er zu 20 Minuten. Und weiter: «Entweder wir haben einen Sozialstaat oder nicht. Es kann nicht sein, dass Kinder auf der Strasse landen.»

Escobar ist dankbar für Hilfe

«Die Gemeinde sucht jetzt nach einer Unterkunft für uns», sagt Escobar auf Anfrage am Donnerstag. Später ist klar: Die Familie hat zumindest für eine weitere Nacht ein Dach über dem Kopf, die Gemeinde habe ein Zimmer organisieren können, so der 44-Jährige. Die Behörden bestätigen das.

Escobar ist sehr dankbar für die Hilfe der 20-Minuten-Leser. Einige hätten ihn im Verlauf des Tages schon direkt kontaktiert.

Vorwürfe an die Familie

Möglicherweise ist Escobar an seiner Misere aber nicht ganz unschuldig. Wie 20 Minuten aus dem Umfeld der Gemeindeverwaltung Spreitenbach weiss, soll er bereits im Juni 2016 ein Sozialhilfegesuch gestellt haben: «Er hatte damals aber Land in Südamerika. Wir sagten ihm, dass er das verkaufen müsse, worauf er antwortete: ‹Ich kann das nicht.›» Einige Tage später habe Escobar das Gesuch ohne Druck von der Gemeinde zurückgezogen.

Escobar bestätigt das und sagt dazu: «Das Land besass ich zu diesem Zeitpunkt nur noch auf dem Papier.» Ein ehemaliger Mitarbeiter aus Südamerika habe es illegal verkauft und neue Dokumente anfertigen lassen. «Als man mich auf der Gemeinde als Lügner darstellte, wurde ich wütend. Ich dachte, man wolle mir gar nicht helfen.» Also habe er das Gesuch zurückgezogen.

Gemeinde: «Gesuch erst vor zwei Tagen eingereicht»

Jürg Müller, Mediensprecher der Gemeinde Spreitenbach, nimmt gegenüber 20 Minuten Stellung. Obwohl es sich um ein laufendes Verfahren handle, wolle die zuständige Dienststelle einiges klarstellen: «Das Gesuch hat Escobar am 30. Mai, also erst vor zwei Tagen, eingereicht.» Da darin widersprüchliche Angaben gemacht worden seien, habe die Sozialkommission dazu noch keinen definitiven Entscheid fällen können. Escobar habe nächste Woche einen Termin für weitere Abklärungen.

Das Paar sei nicht verheiratet, ein Sozialhilfegesuch für die Lebenspartnerin und ihre zwei Kinder liege noch nicht vor, so Müller. Und: «Ob die in die Schweiz eingereiste Lebenspartnerin und die Kinder überhaupt ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht im Kanton Aargau erhalten werden, ist noch offen.»

Deine Meinung