Familiendrama in Flaach : Kinder durften nur über Festtage bei Mutter sein

Aktualisiert

Familiendrama in Flaach Kinder durften nur über Festtage bei Mutter sein

Die Kindesschutzbehörde hatte den Eltern die Obhut über Alessia (2) und Nicolas (5) entzogen. Jetzt sind sie tot – unter Verdacht steht ihre Mutter Natalie K. (27).

von
A. Hirschberg/M. Lüssi
1 / 16
Nicolas (5) und Alessia (2) wurden am 1. Januar 2015 tot im Haus ihrer Eltern in Flaach ZH gefunden.

Nicolas (5) und Alessia (2) wurden am 1. Januar 2015 tot im Haus ihrer Eltern in Flaach ZH gefunden.

Facebook
Ihre Mutter Natalie K. (27) wurde unter dringendem Tatverdacht festgenommen. Sie hatte sich selbst Verletzungen zugefügt.

Ihre Mutter Natalie K. (27) wurde unter dringendem Tatverdacht festgenommen. Sie hatte sich selbst Verletzungen zugefügt.

Facebook
Mike K. ist der Vater der Kinder. Er und seine Frau Natalie waren Anfang November festgenommen worden - wegen des Verdachts auf Betrug. Zugleich wurden die Kinder des Paars in ein Heim in der Stadt Zürich eingewiesen.

Mike K. ist der Vater der Kinder. Er und seine Frau Natalie waren Anfang November festgenommen worden - wegen des Verdachts auf Betrug. Zugleich wurden die Kinder des Paars in ein Heim in der Stadt Zürich eingewiesen.

Facebook

Die 27-jährige Natalie K.* steht unter dem dringenden Verdacht, ihre beiden Kinder Alessia (2) und Nicolas (5) getötet zu haben. Die Leichen wurden am Donnerstagabend im Wohnhaus der Familie in Flaach ZH gefunden.

Bereits am 4. November war es dort zu einer Polizeiaktion gekommen: Natalie K. und ihr Mann Mike K.* (28) wurden festgenommen, die Kinder in ein Heim in der Stadt Zürich gebracht. Grund für die Verhaftung der Eltern war offenbar Verdacht auf Betrug.

Während Mike K. noch immer hinter Gittern sitzt, wurde Natalie K. nach wenigen Tagen wieder auf freien Fuss gesetzt. Dies schreibt sie in einem Mail, das sie am 28. Dezember – vier Tage vor der Tötung ihrer Kinder – an mehrere Empfänger verschickt hat, unter anderem an die Redaktion von 20 Minuten.

Empört über Entzug der Kinder

In dem Mail schreibt K. nichts darüber, dass sie plant, ihren Kindern etwas anzutun. Aus dem Text geht aber hervor, dass sie empört und verzweifelt war, dass ihre Kinder nicht mehr bei ihr leben durften – und dass sie diesen Entscheid, den die Erwachsenen- und Kindesschutzbehörde (Kesb) der Bezirke Winterthur und Andelfingen am 19. Dezember gefällt hatte, nicht verstehen konnte.

Bereits bei ihrer Verhaftung hätten sich die Grosseltern mütterlichseits von Alessia und Nicolas bereit erklärt, die Kinder vorübergehend zu sich zu nehmen, und nach ihrer Freilassung sprach aus Sicht von Natalie K. nichts dagegen, dass sie wieder bei ihr in Flaach wohnen würden. Durch ihre Einweisung ins Heim seien ihre Kinder «verängstigt und verstört», schreibt K.

«Ich war die letzten sechs Jahre Hausfrau und Mutter und immer da für meine Kinder und nur weil mein Mann im Gefängnis sitzt, müssen meine Kinder dafür bezahlen?!», fragt Natalie K. Sie selber habe nichts mit den «Betrügereien» ihres Mannes zu tun gehabt und sei ebenfalls «ein Opfer seiner Lügen» gewesen, so K. weiter.

Für die Feiertage durften sie zur Mutter

Im Entscheid der Kesb, der 20 Minuten vorliegt, wird die «instabile Familiensituation» als Grund dafür aufgeführt, dass man das «elterliche Aufenthaltsbestimmungsrecht» für die Kinder aufgehoben habe. Vater Mike K. hätte die Kinder noch einmal im Monat sehen dürfen, Mutter Natalie K. hätte sie zweimal wöchentlich im Heim in Zürich besuchen dürfen.

Zudem verfügte die Behörde «zur Beruhigung der Situation», wie sie schrieb, dass Natalie K. die Kinder über die Feiertage vom 19. Dezember bis am 4. Januar zu sich auf Besuch nehmen dürfe – danach hätten sie wieder ins Heim zurückkehren müssen. Drei Tage davor, am 1. Januar, waren Alessia und Nicolas tot, ihre Leichen lagen im Haus der Familie K.

Mutter Natalie K. wurde unter dringendem Tatverdacht festgenommen. Sie hatte sich laut der Polizei selber Verletzungen zugefügt. Nachbarn sagten zu 20 Minuten, sie hätten beobachtet, dass Natalie K. während ihrer Verhaftung in der Nähe ihrer Wohnung ein grosses Messer bei sich gehabt habe.

Keine Anzeichen für ein Familiendrama

Der Gemeindepräsident von Flaach, Walter Staub, ist tief erschüttert über die Bluttat, die sich in seinem Dorf ereignet hat. Er sagt zu 20 Minuten, die Mutter der getöteten Kinder habe sich im Dezember mit der Bitte um Nothilfe an die Gemeinde gewandt. Diese sei ihr auch gewährt worden. Man habe gewusst, dass gegen die Familie Verfahren der Staatsanwaltschaft und der Kesb laufen würden. Anzeichen, dass sich ein solches Familiendrama ereignen könnte, habe es aber nicht gegeben.

*Namen der Redaktion bekannt.

Deine Meinung