21.12.2017 04:45

Kanton Zürich«Kinder empfinden Schule in Containern als Strafe»

Ein Zuwachs an Schülern setzt Zürich und Winterthur unter Druck. Die Städte reagieren mit temporären Pavillons, die aber nicht überall beliebt sind.

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tür
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Weil in den nächsten zwölf Jahren zusätzliche 96 Klassen erwartet werden, reagiert die Stadt Winterthur mit provisorischen Container-Pavillons, die zu Schulzimmern umfunktioniert werden.

Weil in den nächsten zwölf Jahren zusätzliche 96 Klassen erwartet werden, reagiert die Stadt Winterthur mit provisorischen Container-Pavillons, die zu Schulzimmern umfunktioniert werden.

Marc Dahinden / Der Landbote
Doch die Condecta-Container hätten laut dem «Landboten» ein sehr schlechtes Raumklima. Eine Lehrerin sagt sogar: «Die Schülerinnen und Schüler empfinden es als Strafe, wenn sie dort unterrichtet werden.»

Doch die Condecta-Container hätten laut dem «Landboten» ein sehr schlechtes Raumklima. Eine Lehrerin sagt sogar: «Die Schülerinnen und Schüler empfinden es als Strafe, wenn sie dort unterrichtet werden.»

Marc Dahinden / Der Landbote
Es gibt in Winterthur auch neuere Pavillons mit Minergie-Zertifikat. Doch auch diese haben das Problem, dass sie Freiräume auf dem Schulareal verstellen.

Es gibt in Winterthur auch neuere Pavillons mit Minergie-Zertifikat. Doch auch diese haben das Problem, dass sie Freiräume auf dem Schulareal verstellen.

Johanna Bossart / Der Landbote

Die Stadt Winterthur erwartet einen Zuwachs von 96 Klassen in den nächsten zwölf Jahren – es droht ein Engpass an Schulzimmern. Deshalb wird im Moment rege gebaut. Beliebt sind auch temporäre Pavillon-Schulzimmer, die aufgetürmt und zusammengeschlossen werden können. Derzeit werden in Winterthur sieben Klassen in alten Condecta-Containern unterrichtet, wie «Der Landbote» schreibt.

Diese sind aber weder bei den Lehrern noch bei den Schülern beliebt. Eine Mittelschullehrerin sagt sogar, dass es die Schülerinnen und Schüler als Strafe empfinden würden, wenn sie dort unterrichtet werden. Im Winter seien die Container zu kalt und im Sommer sehr stickig. Wegen der Klimaanlagen seien zudem Schüler und Lehrer oft erkältet. Bis 2021 werden die Condecta-Pavillons noch als Schulzimmer benutzt.

Pavillons mit Minergie-Zertifikat

Auch wenn die alten Pavillons bald ausgedient haben, bleibt das Problem des Platzmangels bestehen. Deshalb hat die Stadt Winterthur seit 2012 rund 70 modernere und angenehmere Pavillon-Zimmer installiert, die auch den Minergie-Standards entsprechen. Laut dem Zeitungsbericht hätten diese ein angenehmeres Raumklima und seien durchaus beliebt.

Doch auch diese neuen provisorischen Schulräume hätten einen grundlegenden Haken: Freiräume und Pausenplätze würden verstellt, was den Kindern den Platz zum Austoben wegnehme. Auch ginge oft vergessen, dass neben Schulzimmern beispielsweise auch Lehrerzimmer sowie Räume für Turn- und Werkunterricht notwendig seien.

Zuwachs an Volksschülern von 24 Prozent

Nicht nur in Winterthur, sondern auch in der Stadt Zürich sind die Pavillon-Bauten beliebt – gebaut wird aber ein anderes Modell als in Winterthur. Laut der Schulraumplanung stehen auf Zürcher Stadtgebiet derzeit 59 Pavillon-Module und rund 30 weitere sollen bis 2022 erstellt werden. Denn: In den nächsten sieben Jahren erwartet die Stadt einen Zuwachs von 24 Prozent von derzeit 30'250 auf 37'400 Volksschülern.

Wie in Winterthur sind die Pavillons auch in Zürich eine provisorische Lösung. Sie werden gebaut, um auf Schwankungen der Schülerzahl zu reagieren, wenn der langfristige Bedarf noch unsicher ist oder wenn nur eine geringe Menge an Fläche benötigt wird. Probleme sind Regina Kesselring, Sprecherin des Schulamts der Stadt Zürich, nicht bekannt: «Die Pavillons sind als vollwertiger Schulraum akzeptiert.»

«Pavillons für Kinder nicht ganz unproblematisch»

Pro-Juventute-Sprecher Bernhard Bürki sieht das Ganze jedoch kritischer, wie er zu 20 Minuten sagt: «Für die Kinder sind die Pavillons, die oft auf dem Pausenplatz aufgestellt werden, nicht unproblematisch.» Denn: In der Schweiz nimmt generell der Platz, um draussen zu spielen, ab und somit auch die Zeit, die die Kinder unbeaufsichtigt mit Bewegung verbringen. Und diese sei essenziell für ihre motorische und soziale Entwicklung.

«Wir appellieren deshalb an die Stadt, sich sehr genau Gedanken darüber zu machen, wie man den noch verfügbaren Raum nutzt», sagt Bürki. Es müsste Platz geschaffen werden, auf dem die Spiel- und Begegnungsqualität sehr hoch ist – «am besten mit den Kindern zusammen».

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