28.06.2020 09:51

Lovely Me

«Kinder fragen mich oft, was ich im Gesicht habe»

Milo (25) aus Brugg AG hat ein Feuermal im Gesicht. Davon lässt er sich aber nicht verunsichern.

von
Michelle Muff
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Milo (25) kam mit einem Feuermal im Gesicht auf die Welt.

Milo (25) kam mit einem Feuermal im Gesicht auf die Welt.

Privat
Früher habe er wegen seinem Mal «manchmal dumme Kommentare» zu hören bekommen: «Das war aber nie Mobbing und hat mich auch nicht verunsichert.»

Früher habe er wegen seinem Mal «manchmal dumme Kommentare» zu hören bekommen: «Das war aber nie Mobbing und hat mich auch nicht verunsichert.»

Privat
Nur einmal sei er verunsichert gewesen: «Als ich auf Lehrstellensuche war hatte ich Bedenken, dass mein Feuermal ein Nachteil sein könnte. Beim Bewerbungsgespräch und auf dem Bewerbungsfoto habe ich es deswegen abgeschminkt.» Danach habe er sein Mal aber nie mehr abgedeckt: «Bei der Arbeit war es überhaupt kein Problem. Und auch wenn ich im Ausgang oder im Militär bin, habe ich deswegen nie schlechte Erfahrungen gemacht.»

Nur einmal sei er verunsichert gewesen: «Als ich auf Lehrstellensuche war hatte ich Bedenken, dass mein Feuermal ein Nachteil sein könnte. Beim Bewerbungsgespräch und auf dem Bewerbungsfoto habe ich es deswegen abgeschminkt.» Danach habe er sein Mal aber nie mehr abgedeckt: «Bei der Arbeit war es überhaupt kein Problem. Und auch wenn ich im Ausgang oder im Militär bin, habe ich deswegen nie schlechte Erfahrungen gemacht.»

Privat

Darum gehts

  • Milo aus dem Aargau kam mit einem Feuermal zur Welt.
  • Als Kind hatte er deswegen Laserbehandlungen.
  • Er musste sich schon einige dumme Sprüche anhören. Verunsichern liess er sich von denen aber nicht.

Was ist dein «Makel»?Auf meiner rechten Gesichtshälfte habe ich ein sogenanntes Feuermal. Es ist ein roter Fleck, der weder ansteckend noch genetisch vererbbar ist. Es sind erweiterte Blutgefässe unterhalb der Haut und an sich absolut harmlos.

Hat dich das Mal jemals eingeschränkt?Eingeschränkt hat mich das Mal nicht. Aber als ich etwas sechs war, hatte ich deswegen kosmetische Behandlungen. Ich hatte mehrere Laserbehandlungen unter Vollnarkose.

Wolltest du die Behandlung?Ich war damals noch sehr klein und kann mich gar nicht mehr richtig daran erinnern. Die Behandlung wurde wohl von den Ärzten empfohlen, und meine Eltern haben zugestimmt.

Ging das Mal durch die Behandlungen weg?Nein, man sieht es immer noch. Die rote Farbe ist einfach weniger intensiv als früher. Die Behandlung verlief aber sowieso nicht optimal.

Was ist passiert?Bei einer der Behandlungen wurde meine Haut verbrannt. Die vom Feuermal betroffene Stelle ist seit da vernarbt. Durch die rote Verfärbung der Haut fällt das Narbengewebe aber fast nicht auf.

Wie bist du früher mit dem Mal umgegangen?Als kleines Kind habe ich das Mal gar nicht wirklich wahrgenommen. Als ich etwas älter wurde, kam es ab und zu vor, dass ein Gspänli während eines Streits mich wegen meines Mals beleidigt hatte. Das machte mich in dem Moment zwar wütend, wirklich verunsichert habe ich mich deswegen aber nie gefühlt.

Wie war deine Schulzeit?Ich hatte eine gute Schulzeit. Ab und zu gabs es auf dem Pausenhof zwar mal einen blöden Spruch, das war aber kein Mobbing und hat mich auch nicht eingeschüchtert.

Wirst du auch heute manchmal noch auf dein Mal angesprochen?Ja, ab und zu. Vor allem Kinder tuscheln oft oder fragen direkt, was ich denn im Gesicht habe. Ich nehme ihnen das aber nicht übel, schliesslich sind sie nur neugierig und wissen sich nicht besser auszudrücken.

Hat dich dein Mal auch verunsichert?Ja, als ich nach Lehrstellen gesucht habe. Ich dachte, mein Feuermal könnte ein Nachteil sein. Deswegen habe ich mein Mal auf dem Bewerbungsfoto und beim Vorstellungsgespräch abgeschminkt. Die Lehrstelle habe ich dann bekommen – und mein Mal war bei der Arbeit natürlich auch kein Problem. Danach habe ich es nie mehr abgeschminkt.

Wie gehst du heute mit deinem Mal um?Ich habe überhaupt kein Problem mit meinem Feuermal. Ich finde es nicht schlimm, nicht «normal» auszusehen. Es gehört zu mir, und deswegen stehe ich auch dazu – schliesslich habe ich auch gar keine andere Wahl, als damit zu leben. Entweder nerve ich mich darüber und verkrieche mich – oder ich nehme mich so an, wie ich bin, und lebe mein Leben wie alle anderen auch. Selbstbewusstsein und Zufriedenheit sind eine Einstellungssache.

Was würdest du anderen mit einer Unsicherheit raten?Man muss zu sich stehen. Praktisch jeder hat etwas an sich, das ihm nicht besonders gefällt. Davon sollte man aber sein Leben nicht beeinflussen lassen.

Milo wohnt in Brugg und arbeitet im Marketing. In seiner Freizeit ist er gerne draussen unterwegs und macht gerne gemeinsam mit seiner Freundin und seinem Hund Spaziergänge.

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