Kriegsverbrechen: «Kinder gefoltert und vergewaltigt» – schwere Vorwürfe gegen Putins Truppen

Aktualisiert

Kriegsverbrechen«Kinder gefoltert und vergewaltigt» – schwere Vorwürfe gegen Putins Truppen

In einem neuen Bericht hat eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen Kriegsverbrechen in der Ukraine untersucht. Die Ergebnisse sind erschreckend.

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Eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen hat in einem neuen Bericht unzählige russische Kriegsverbrechen festgestellt. Im Bild beobachtet ein Anwalt für Kriegsverbrechen die Bergung von Toten in Isjum, nachdem die Region durch die ukrainische Gegenoffensive befreit werden konnte.

Eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen hat in einem neuen Bericht unzählige russische Kriegsverbrechen festgestellt. Im Bild beobachtet ein Anwalt für Kriegsverbrechen die Bergung von Toten in Isjum, nachdem die Region durch die ukrainische Gegenoffensive befreit werden konnte.

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Vor allem in den befreiten Regionen sei die hohe Anzahl von Exekutionen auffällig.

Vor allem in den befreiten Regionen sei die hohe Anzahl von Exekutionen auffällig.

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So wurden nahe der Stadt Isjum über 400 Tote gefunden.

So wurden nahe der Stadt Isjum über 400 Tote gefunden.

IMAGO/NurPhoto

Darum gehts

  • Eine UN-Kommission hat in der Ukraine unzählige russische Kriegsverbrechen festgestellt.

  • So sollen die Truppen Moskaus Menschen gefoltert und vergewaltigt haben, darunter auch Kinder.

  • Die Kommission dokumentierte ausserdem zwei Fälle, in denen russische Soldaten von ukrainischen Einheiten misshandelt wurden.

Eine UN-Untersuchungskommission hat eigenen Angaben zufolge verschiedene russische Kriegsverbrechen in der Ukraine festgestellt. Die Experten haben unter anderem sexuelle und geschlechtsbezogene Gewalttaten russischer Soldaten dokumentiert, wie der Kommissionsvorsitzende Erik Mose am Freitag in einem ersten mündlichen Zwischenbericht erklärte. Die Opfer dieser Verbrechen seien zwischen vier und 82 Jahre alt, sagte er im Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen in Genf. «Die Kommission hat Fälle dokumentiert, in denen Kinder vergewaltigt, gefoltert und unrechtmässig festgehalten wurden», heisst es in einem ersten, am Freitag veröffentlichten Statement.

Hohe Zahl an Exekutionen

Die Untersuchung der Menschenrechtsexperten konzentrierte sich vorerst auf die Anfangsphase der Invasion im Februar und März und auf die Regionen Kiew, Tschernihiw, Charkiw und Sumy. Bei Besuchen an diesen Kriegsschauplätzen fiel der Kommission eine hohe Zahl an Exekutionen auf. Opfer seien oft vor ihrem Tod festgenommen und gefesselt worden. Tote wiesen Schusswunden in den Köpfen und aufgeschlitzte Kehlen auf. Derzeit liefen Untersuchungen in 16 Orten, hiess es weiter in dem Bericht, der keine Opferzahl nannte.

Folter mit Elektroschocks

«Zeugen haben übereinstimmend über Folter und Misshandlungen während rechtswidriger Gefangenschaft berichtet», berichtete Mose weiter. Manche Opfer sagten demnach aus, dass sie nach Russland gebracht und dort wochenlang festgehalten worden seien. Von einigen der Personen, die nach Russland gebracht wurden, fehlt bis jetzt jede Spur. Zu den Foltermethoden gehörten Schläge und Elektroschocks, ausserdem seien Gefangene gezwungen worden, sich nackt auszuziehen, wie die Deutsche Welle berichtet. Die Kommission dokumentierte auch zwei Fälle, in denen russische Soldaten von ukrainischen Einheiten misshandelt worden seien.

«Aufgrund der gesammelten Beweise kommt die Kommission zu dem Schluss, dass Kriegsverbrechen in der Ukraine begangen worden sind», sagte Mose. Der ehemalige Präsident des Völkermord-Tribunals für Ruanda und sein Team wollen ihren Abschlussbericht im März 2023 vorlegen. 

Über 400 Leichen in Isjum

Wie ukrainische Behörden schreiben, seien nach dem Rückzug der russischen Truppen in der Stadt Isjum bei einer Grabstätte 436 Leichen ausgegraben worden. An 30 der Leichen seien Hinweise auf Folter zu erkennen gewesen, teilten die Behörden am Freitag mit. In Gegenden, die von ukrainischen Soldaten bei einer Gegenoffensive im September zurückerobert worden seien, seien drei weitere Grabstätten gefunden worden, sagten der Gouverneur der Region Charkiw, Oleh Synjehubow, und der örtliche Polizeichef Wolodymyr Tymoschko.

Beschäftigt dich oder jemanden, den du kennst, der Krieg in der Ukraine?

Hier findest du Hilfe für dich und andere:

Fragen und Antworten zum Krieg in der Ukraine (Staatssekretariat für Migration)

Kriegsangst?, Tipps von Pro Juventute

Beratungsangebot (Deutsch, Ukrainisch, Russisch), von Pro Juventute

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Anmeldung und Infos für Gastfamilien:

Bist du minderjährig und von sexualisierter Gewalt betroffen? Oder kennst du ein Kind, das sexualisierte Gewalt erlebt?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Kokon, Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene

Castagna, Beratungsstelle bei sexueller Gewalt im Kindes- und Jugendalter

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Bist du selbst pädophil und möchtest nicht straffällig werden? Hilfe erhältst du bei Forio und bei den UPK Basel.

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(DPA/bho)

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