Hormonforscherin warnt vor Folgen  - «Kinder haben einen tieferen IQ, wenn sie Pestiziden ausgesetzt waren»
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Hormonforscherin warnt vor Folgen «Kinder haben einen tieferen IQ, wenn sie Pestiziden ausgesetzt waren»

Die britisch-französische Forscherin Barbara Demeneix sagt, Pestizide haben einen negativen Effekt auf den Intelligenzquotient von Kindern. Auch Krankheiten sollen durch die Chemikalien ausgelöst werden können.

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Welche Folgen haben Pestizide für den Menschen? 

Welche Folgen haben Pestizide für den Menschen?

Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa
Laut einer Forscherin aus Paris könnten Pestizide vor allem den IQ der Menschheit beeinträchtigen. 

Laut einer Forscherin aus Paris könnten Pestizide vor allem den IQ der Menschheit beeinträchtigen.

20min/Simon Glauser
Besonders bei Kindern sinke der IQ tendenziell. 

Besonders bei Kindern sinke der IQ tendenziell.

Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Darum gehts

  • Pestizide können den IQ von Kindern negativ beeinflussen.

  • Auch neurologische Störungen können dadurch ausgelöst werden.

  • Das sagte eine Forscherin auf dem Gebiet der hormonaktiven Substanzen.

Wie gefährlich sind Pestizide für Menschen? Eine Studie der Universität Genf zeigte, dass Schweizer eine schlechtere Spermienqualität haben, wenn ihre Mütter während der Schwangerschaft in der Landwirtschaft tätig waren.

In einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» spricht Barbara Demenix über die Folgen, die Pestizide für Kinder haben können. Demenix ist Wissenschaftlerin auf dem Gebiet der hormonaktiven Substanzen am Forschungszentrum CNRS in Paris.

Prostata-, Hoden- und Brustkrebs

Laut Biologie-Professorin Demenix sind die grössten Gesundheitsrisiken die Zunahme von neurologischen Entwicklungsstörungen, insbesondere das Aufmerksamkeits-Hyperaktivitäts-Syndrom ADHS. Und die negativen Einflüsse auf Intelligenzquotienten sowie die Fruchtbarkeit.

«Die Stoffe begünstigen aber auch Übergewicht, Diabetes sowie Prostata-, Hoden- und Brustkrebs. Das Problem ist, dass diese sogenannten endokrinen Disruptoren wie natürliche Hormone bereits bei sehr tiefen Dosen wirken und sich gegenseitig verstärken können», so die Brit-Französin.

Pestizide lassen sich im Urin und Blut nachweisen

Es gebe auch zahlreiche Studien, die besagen, dass Kinder tendenziell einen tieferen IQ haben, wenn sie Pestiziden und anderen hormonaktiven Substanzen ausgesetzt waren: «Es geht dabei um einige IQ-Punkte, was nach wenig klingen mag, auf gesamtgesellschaftlicher Ebene jedoch bedeutend ist.»

Die Zusammenhänge von Pestiziden mit Krankheiten oder Defiziten seien im Bereich der Landwirtschaft am deutlichsten. Es werde immer wieder behauptet, dass der menschliche Körper solche Veränderungen kompensieren könne, so Demenix. Aber: «In Tierversuchen und auch bei erwachsenen Menschen war dies tatsächlich der Fall. Weil die Pestizidexposition aber kontinuierlich ist, könnten diese Regulationsmechanismen ausser Kraft gesetzt werden.» Bei Föten und kleinen Kindern seien diese Ausgleichsmechanismen noch nicht vorhanden.

«Landwirtschaft kann auch ohne Pestizide funktionieren»

Laut Schweizer Behörden stellen die Kombinationswirkungen bei Pestiziden «kein inakzeptables Gesundheitsrisiko» dar, was sagt die Forscherin dazu? «Selbst bei tiefen Dosen ist der Cocktail-Effekt wichtig, denn wir sind täglich tausenden Substanzen ausgesetzt. Epidemiologische Studien belegen dies schlüssig. Aus Kostengründen beschränken sich die Untersuchungen meist auf maximal 50 Substanzen. Doch diese können alle jeweils im Blut, im Urin oder anderen Proben nachgewiesen werden.»

Demenix findet, eine Einschränkung oder gar ein Verbot für Pestizide sei sehr wichtig. «Es wurde vielfach demonstriert, dass Landwirtschaft auch ohne Pestizide und mit weniger Düngemitteln funktionieren kann.»

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