Aktualisiert 18.05.2012 12:47

Rentnerkrankheit

Kinder leiden immer häufiger an Rheuma

Rheuma betrifft nicht mehr nur Senioren. Auch die Zahl ganz junger Rheuma-Patienten wächst. Als Grund sehen Experten den gesellschaftlichen Wandel: mangelnde Bewegung und Stress.

von
Janko Skorup
Immer mehr Kinder leiden unter Rheuma.

Immer mehr Kinder leiden unter Rheuma.

Treppen steigen ist für sie die reinste Folter und der Turnunterricht in der Schule zeigt ihnen schonungslos ihr Handicap auf: Nicht nur Rentner, auch Kinder sind vermehrt von Rheuma betroffen. Bereits Zweijährige erkranken laut Claudia Casanova von der Selbsthilfegruppe «Junge Menschen mit Rheuma» an der heimtückischen Krankheit mit schmerzhaft entzündeten Gelenken und Muskeln.

Pro Jahr suchen inzwischen über 600 Betroffene einen Kinderrheumatologen auf. In den letzten 15 Jahren hätten sich die Konsultationen versechsfacht, sagt Michaël Hofer, Experte in pädiatrischer Rheumatologie am Universitätsspital Lausanne. Insgesamt gebe es über 100 verschiedene Formen der Krankheit – besonders diejenige mit Gelenkschmerzen nehme bei Kindern markant zu.

Moderner Lebensstil führt zu einem Teufelskreis

Diese Zunahme dürfte laut Hofer auf den «modernen Lebensstil» zurückzuführen sein: «Der ständige Stress und mangelnde Bewegung sind an dieser Form mitschuldig.» Das sei besonders problematisch: «Aufgrund der Schmerzen bewegt sich das Kind noch weniger – ein Teufelskreis.» Aber nicht nur Schmerzen machen den Kindern zu schaffen: «Die Schulzeit ist das Schlimmste. Im Turnen werden sie von ihren Mitschülern häufig ausgeschlossen, weil sie weniger leisten können», sagt Casanova. Sie fordert eine Sensibilisierung des Lehrpersonals, «damit die Schulzeit auch für Kinder mit Rheuma eine schöne Zeit ist».

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