Spielzeugwaffen-Verbot: «Kinder sollen Faszination ausleben»
Aktualisiert

Spielzeugwaffen-Verbot«Kinder sollen Faszination ausleben»

Ob als Pirat, Ritter, Cowboy oder Indianer – Kinder sollen mit Spielzeugwaffen spielen dürfen. Warum, erklärt der Zürcher Kinderpsychologe Allan Guggenbühl im Interview.

von
Deborah Onnis
Der Zürcher Kinderpsychologe Allan Guggenbühl ist überzeugt: Haben Kinder das Bedürfnis, mit Spielzeugwaffen zu spielen, sollten sie dies auch tun dürfen.

Der Zürcher Kinderpsychologe Allan Guggenbühl ist überzeugt: Haben Kinder das Bedürfnis, mit Spielzeugwaffen zu spielen, sollten sie dies auch tun dürfen.

Herr Guggenbühl, wie sinnvoll ist ein Verbot von Spielzeugwaffen?

Das Spielzeugwaffen-Verbot ist nicht sehr sinnvoll, im Gegenteil: Es ist sogar kontraproduktiv. Ein solches Verbot steigert nur die Faszination an Spielzeugwaffen. Es ist wichtig, dass Kinder lernen, mit diesen umzugehen. Dies heisst zum Beispiel, nicht auf Erwachsene zu zielen.

Sollte man dem Kind also eine Spielzeugwaffe in die Hand drücken?

Wenn die Kinder mit einer Spielzeugwaffe spielen möchten, ist es sinnvoll, sie diese Faszination ausleben zu lassen. So lernen sie die Waffe als Symbol zu verstehen.

Besteht nicht die Gefahr, dass sich die Kinder an Waffen gewöhnen?

Dies befürchten viele Eltern. Viele infantilisieren ihre Kinder aber nur und realisieren nicht, wie intelligent Kinder sind. Kinder sehen ganz genau, dass sie nur ein Spielzeug in der Hand haben und nicht mit einer echten Waffe spielen. Diese Unterscheidung ist ganz wichtig.

Ist es aus pädagogischer Sicht also wichtig, Kindern Spielzeugwaffen zu erlauben?

Ja, solange sie sich an die jeweiligen Spielregeln halten. Wenn die Kinder genug mit Spielzeugwaffen gespielt haben, verlieren sie in der Regel ihre Faszination daran. Wenn man ihnen hingegen die Spielzeugwaffen verbietet, droht, dass sich die Faszination später auf reale Waffen verlagert. Und das ist dann viel gefährlicher.

Allan Guggenbühl ist Kinderpsychologe in Zürich.

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