Politik wird aktiv: Kinder sollen nicht mehr selber Kontos eröffnen
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Politik wird aktivKinder sollen nicht mehr selber Kontos eröffnen

Banken schliessen heute bereits mit 12-Jährigen Verträge für Sparkonten ab – ohne dass dies die Eltern bewilligen müssen. Was rechtlich möglich ist, stösst Politikern sauer auf.

von
Jessica Pfister
Gewisse Banken erlauben bereits 12-Jährigen ein Sparkonto inklusive Maestro-Karte zu eröffnen - ohne Einwilligung der Eltern. (Bild: Thinkstockphoto)

Gewisse Banken erlauben bereits 12-Jährigen ein Sparkonto inklusive Maestro-Karte zu eröffnen - ohne Einwilligung der Eltern. (Bild: Thinkstockphoto)

Man stelle sich vor: Ein 12-Jähriger steht alleine mit einer neuer Playstation an der Kasse eines Elektronikgeschäftes und zückt seine Maestro-Karte. Er bezahlt, der Preis wird seinem Sparkonto belastet - sofern darauf das nötige Geld vorhanden ist. Und dies alles, ohne dass die Eltern überhaupt davon wissen, dass ihr Sprössling ein solches Konto hat.

Das mag erstaunlich klingen, ist aber möglich. Sowohl bei der Credit Suisse (CS) als auch bei der Migros Bank können bereits 12-Jährige ein eigenes Sparkonto eröffnen - eine Einwilligung beziehungsweise Unterschrift der Eltern ist dazu nicht notwendig. Zum Angebot - das bei der CS erst kürzlich eingeführt wurde - gehört auch eine eigene Maestro-Karte, mit der die Jugendlichen nicht nur Geld einzahlen und abheben, sondern auch in Geschäften bargeldlos bezahlen können. Das Konto zu überziehen ist bei beiden Banken nicht möglich.

«Weil es um Sackgeld oder Erspartes geht, worüber die Jugendlichen selbst verfügen können, braucht es keine Einwilligung der Eltern», sagte CS-Sprecherin Kathrin Schaad am Dienstag, als 20 Minuten Online diese Praxis publik machte. Auf die tiefe Alterslimite angesprochen, sagt Migros-Bank-Sprecher Albert Steck: «Die Limite gilt als branchenüblich. 12 Jahre ist das Alter, ab welchem sich ein Jugendlicher um den Aufbau von Sparguthaben zu kümmern beginnt.»

«Noch nicht mal erwerbstätig»

Anderer Meinung ist CVP-Ständerat und Finanzspezialist Pirmin Bischof: «In diesem Alter sind die Jugendlichen noch nicht einmal erwerbstätig. Es ist nicht Sache der Bank, sondern Sache der Eltern und der Schule, ihnen den Umgang mit Geld näherzubringen.» Noch bedenklicher sei, dass die Banken die Eltern bei solchen Sparkonten nicht zwingend informieren müssen.

Ins gleiche Horn stösst SP-Nationalrat Jacque-André Maire: «Ich finde es schockierend, dass die Banken versuchen, über diesen Weg schon die Jüngsten an sich zu binden.» Zwar könne man den Jugendlichen nicht verbieten, ihr Sackgeld auf ein Sparkonto einzuzahlen - doch die Eltern müssten dafür auf jeden Fall ihre Zustimmung geben.

Damit diese Einwilligung in Zukunft zur Pflicht wird, will Maire in der nächsten Session eine parlamentarische Initiative einreichen. «Darin werde ich verlangen, dass Jugendliche unter 16 Jahren nur mit der Unterschrift der Eltern ein Sparkonto eröffnen können», sagt der SP-Politiker, der im Parlament schon eine Einschränkung für Kreditkarten bei unter 25-Jährigen durchgebracht hat. Die Alterslimite von 16 Jahren bei Sparkonten ist laut Maire sinnvoll, weil die Jugendlichen dann ins Erwerbsleben einsteigen.

«Ab 14 wissen Jugendliche Bescheid»

Maires Forderung schon erfüllt haben die Banken UBS und Postfinance. Sie bieten zwar ebenfalls schon 12-Jährigen solche Jugendpakete an - allerdings nur mit Einwilligung der Eltern. Bei der UBS braucht es bis 16 Jahre eine Unterschrift, bei der Postfinance gar bis 18 Jahre. «Wir sind bei der Anwerbung von Kunden im Vergleich zu anderen Marktteilnehmern eher zurückhaltend und vorsichtig», sagt UBS-Sprecher Samuel Brandner. Postfinance verlangt die Unterschrift, weil die Eltern für mögliche Schulden haften. Im Gegensatz zu den anderen Banken ist bei ihrem Jugendkonto ein überziehen von maximal 500 Franken möglich. «Diese Limite wird zusammen mit den Eltern festgelegt», sagt Sprecher Alex Josty.

Rechtlich erlaubt

Dürfen Jugendliche unter 18 Jahren überhaupt ein Sparkonto eröffnen, ohne dass die Eltern mit einer Unterschrift einwilligen? Ja, sagt Janine Jakob vom Schweizerischen Konsumentenschutz. «Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Kontoführung bei einem Sparkonto gratis ist und auch sonst für die Jugendlichen keine weiteren Kosten entstehen.» Die Kontoführung ist bei den erwähnten Banken gratis. Bei den weiteren Kosten ist der Fall nicht ganz klar. So bietet beispielsweise die Credit Suisse den Kunden des Jugendsparkontos unlimitiertes Musik-Streaming bei Universal an. Dieses ist allerdings nur im ersten Jahr kostenlos, danach kostet der Zugang zur «Streaming World» zwei Franken im Monat. (jep)

Bei ZKB ab 14 Jahren

Nochmals eine andere Strategie fährt die Zürcher Kantonalbank (ZKB). Sie offeriert den Jugendlichen ein vergleichbares Sparkonto erst ab 14 Jahren - jedoch auch ohne Einwilligung der Eltern. Die ZKB begründet dies auf Anfrage folgendermassen: «Die Alterslimite von 14 Jahren haben wir bewusst gewählt, da wir davon ausgehen, dass einem Jugendlichen in diesem Alter die Bedeutung eines Kontos und die Reichweite seines Handelns bewusst sind.» (jep)

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