Überwachungskameras: «Kinder trauen sich nicht mehr auf den Spielplatz»
Aktualisiert

Überwachungskameras«Kinder trauen sich nicht mehr auf den Spielplatz»

In Genf stieg die Kriminalität trotz Videoüberwachung. Die SP Zürich sieht sich bestätigt, Sicherheitsexperte Stahel betont den Nutzen der Kameras.

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Das Genfer Quartier Le Pâquis wird grossflächig von Videokameras überwacht.

Das Genfer Quartier Le Pâquis wird grossflächig von Videokameras überwacht.

Keystone/Jean-christophe Bott
Blick in die Zentrale der Videoüberwachung in Genf. Heute haben die Sicherheitsbehörden den Nutzen der Videoüberwachung vorgestellt.

Blick in die Zentrale der Videoüberwachung in Genf. Heute haben die Sicherheitsbehörden den Nutzen der Videoüberwachung vorgestellt.

Keystone/Jean-christophe Bott
Durch den Einsatz der vielen Kameras ging zwar die Kriminalität nicht zurück, doch die Aufklärungsquote stieg stark an.

Durch den Einsatz der vielen Kameras ging zwar die Kriminalität nicht zurück, doch die Aufklärungsquote stieg stark an.

Keystone/Jean-christophe Bott

Im Genfer Stadtteil Pâquis wurde erstmals in der Schweiz untersucht, wie sich Überwachungskameras auf die öffentliche Sicherheit auswirken. Das Resultat: Trotz 29 installierten Kameras stieg die Kriminalitätsrate im Quartier um 15 Prozent. Gleichzeitig nahm aber auch die Aufklärungsrate der Verbrechen zu. Laut der von der Universität Genf durchgeführten Studie gab es zudem keine Verschiebung der Kriminalität in benachbarte und unbewachte Strassen, nur der Drogenhandel habe sich aus dem Blickfeld der Kameras bewegt.

Die Studienergebnisse stossen bei der SP der Stadt Zürich auf reges Interesse. «Das zeigt, dass die verdachtsunabhängige Massenüberwachung im öffentlichen Raum nicht den gewünschten Erfolg bringt», sagt SP-Gemeinderätin Simone Brander. Die Partei reichte letzte Woche drei Vorstösse ein, mit denen sie sich gegen die Massenüberwachung in Bussen und Trams und an Schulen wehrt und Bodycams für Polizisten stoppen will.

SP fordert Reduktion auf «notwendiges Minimum»

«Die Kameras schränken das öffentliche Leben ein, Kinder trauen sich nicht mehr auf den Spielplatz und Eltern wollen sie nicht mehr dort spielen lassen», so Brander. Zudem seien Menschen, die in der Öffentlichkeit arbeiten müssten, den Kameras schutzlos ausgeliefert. «Wer Kinotickets verkauft oder Flyer verteilt, darf nicht einfach so den ganzen Tag mit einer Kamera überwacht werden. Das ist datenschutzrechtlich nicht zulässig.» Die Partei will deshalb den Einsatz von Kameras auf wenige Hotspots beschränken.

Die Überwachungskameras in Schutz nimmt hingegen Sicherheitsexperte Albert Stahel. «Andere Studien belegen die präventive Wirkung von Überwachungskameras, für den Anstieg der Kriminalität in Genf sind wohl andere Faktoren verantwortlich.» Der Einsatz von Kameras bei der SBB habe gezeigt, dass man Kriminelle dank den Kameras viel besser erfassen könne. «Das hat mit der Zeit auch eine abschreckende Wirkung.»

«Kameras sind günstiger als Polizisten»

Anstelle von Kameras hätten die Einwohner des Pâquis-Quartiers laut der Studie lieber eine bessere Strassenbeleuchtung oder mehr Polizeipräsenz im Quartier. Für SP-Frau Brander ist dies verständlich. «Hellere Strassen vermitteln ein Sicherheitsgefühl, ohne dass sich die Leute dadurch beobachtet fühlen.»

Auch Polizeibeamte würden mehr Sicherheit schaffen als Kameras. «Die Polizei kann den Umgang mit den Einwohnerinnen und Einwohnern pflegen und herausfinden, wo der Schuh drückt.» Auch für Stahel ist es verständlich, dass die Bürger mehr Polizeipräsenz bevorzugen. «Es ist jedoch zu bedenken, dass Kameras sehr viel günstiger als Polizeipatrouillen sind, und trotzdem die Sicherheit steigern.»

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