Aktualisiert 26.07.2011 14:25

Studie zeigt

Kinder treiben Eltern in die Scheidung

Von wegen Kinder halten die Eltern zusammen. Eine neue Studie der Uni Neuenburg zeigt, dass der Nachwuchs oft den gegenteiligen Effekt auf eine Beziehung hat.

Kinder sind der Kitt in der Beziehung ihrer Eltern, heisst es oft. Doch sie können auch einen negativen Einfluss haben auf die Partnerschaft und gar zu Scheidungen führen. Zu diesem Schluss kommt eine Forscherin der Universität Neuenburg.

Heute gehe die Forschung davon aus, dass Kinder Scheidungen im besten Fall hinauszögerten, teilte die Universität Neuenburg am Dienstag mit. Verhindern würden Kinder das Auseinanderbrechen einer Beziehung nicht, konstatiert die Soziologin Fabienne Stettler in ihrer noch laufenden Dissertation.

Die Wissenschaftlerin stützt sich für ihre Studie auf zahlreiche Statistiken und Studien aus verschiedenen Forschungsgebieten. Daraus gehe hervor, dass die Scheidungskurve in jenem Moment einen Höhepunkt erreicht, in dem das letzte Kind einer Familie zwischen drei und fünf Jahren alt ist.

Zwei Wendepunkte

Bei der Interpretation ist laut der Forscherin zwar Vorsicht geboten. Doch sie vermute, dass die Eltern in den ersten Jahren, wenn die Kinder noch sehr abhängig sind, zu sehr beschäftigt seien. «Wenn das letzte Kind in die Schule kommt, wird ihnen mit einem Mal eine gewisse Last abgenommen», wird Stettler im Communiqué zitiert.

Als zweiten Markstein machte die Forscherin den Zeitpunkt aus, zu dem das älteste Kind 20 Jahre alt wird - ein Alter, das oft mit dem Ausziehen aus dem Elternhaus zusammenfällt. Auch dies könnte dazu führen, dass die Eltern an Lockerheit gewinnen und sich anderen Dingen zuwenden.

Einen weiteren Scheidungen begünstigenden Faktor darstellen können laut der Forscherin Kinder aus einer früheren Beziehung. Demgegenüber scheinen Schwangerschaften vor der Eheschliessung keinen Einfluss zu haben.

Religion und Alter

Glücklicherweise stellten die Kinder aber nicht den Hauptgrund für Scheidungen dar, sagte Stettler. Zu dem wichtigsten übergeordneten Ursachen gehören laut ihr die Religion und das Alter. Juden lassen sich am wenigsten häufig scheiden, gefolgt von Muslimen, Katholiken und Protestanten.

Allerdings gelte es, auch diese Statistik mit Vorsicht zu lesen, sagte Stettler gemäss dem Communiqué. So könne es zum Beispiel sein, dass ein Atheist als Katholik gelte, bloss weil er als Katholik zur Welt gekommen sei.

Am meisten Ehen werden vier Jahre nach der Hochzeit geschieden, wobei das Risiko höher ist für Paare, die nur kurz zusammen waren. Ein Trennungsrisiko ist auch ein grosser Altersunterschied - vor allem wenn die Frau älter ist. Wobei hier eine Konstante liegt: Seit den 1950er-Jahren sind die Männer im Durchschnitt immer etwa zwei Jahre älter als ihre Ehefrauen.

Soziale Kontrolle

Auch der Wohnort spielt eine Rolle: In der Stadt wird häufiger geschieden als auf dem Land. Dort stünden Paare wohl unter einer grösseren sozialen Kontrolle durch ihr Umfeld, vermutet die Forscherin.

Gemäss den aktuellsten Daten des Bundesamts für Statistik flacht die Scheidungskurve in der Schweiz nach starken Anstiegen wieder etwas ab. Insgesamt enden fast die Hälfte aller Ehen mit einer Scheidung. (sda)

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