Mehr Unfälle pro Jahr: Kinder verletzen sich beim Spielen mit Laserpointern

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Mehr Unfälle pro JahrKinder verletzen sich beim Spielen mit Laserpointern

Weil die Eltern die Gefahr nicht kennen, kaufen sie ihren Kindern illegale Laserpointer. Dabei kommt es auch zu irreparablen Augenschäden. Ärzte und Experten sind alarmiert.

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Kinder spielen mit Laserpointern und verletzen sich dabei. Oft werden die Augenschäden dauerhaft geschädigt.

Kinder spielen mit Laserpointern und verletzen sich dabei. Oft werden die Augenschäden dauerhaft geschädigt.

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Laserpointer-Attacken auf Piloten, Zugfahrer und Tramführer sind in der Schweiz ein grosses Problem. Die Verkehrsbetriebe Zürich haben eine Kampagne dazu lanciert. Und im Parlament wird über ein Gesetz diskutiert, das die Bevölkerung besser vor Gesundheitsschäden durch diese Strahlung schützen soll.

Zu ernsthaften Verletzungen kommt es aber vor allem bei Kindern und Jugendlichen, die sich mit solchen Laserpointern aus nächster Nähe ins Auge leuchten. Dies berichten Forscher einer Augenklinik aus Minneapolis. Sie präsentierten in einem Fachblatt vier Fallbeispiele, bei denen alle 9- bis 16-Jährigen bleibende Schäden davontrugen.

So entwickelte ein 12-Jähriger kurz nachdem er in den Strahl eines Pointers geschaut hatte, auf beiden Augen einen zentralen Gesichtsfeldausfall. Auch sieben Monate später konnte er immer noch nicht scharf sehen, schreibt die Deutsche «Ärzte-Zeitung

Gefährliche Verletzungen bei Kindern

Unfälle mit Laserpointern nehmen auch in der Schweiz zu, wie die Zahlen der Suva zeigen: 2012 hatte die Versicherung 46 Personen registriert, die sich auf diese Weise verletzten, 2013 waren es bereits 60 und ein Jahr später kam es zu 78 Unfällen. Roland Krischek, Strahlenschutzexperte bei der Suva, warnt: «Solche Geräte gehören keinesfalls in Kinderhände.» Wie viele Minderjährige jährlich durch Laserpointer verletzt werden, wird in der Statistik nicht aufgeführt.

Petros Ioannou, Ärztlicher Leiter von Swiss Medi Kids, bestätigt allerdings, dass in Fachkreisen immer häufiger Fälle von Kindern und Jugendlichen besprochen werden, die sich beim Spiel mit Laserpointern gefährliche Verletzungen zuziehen. «Die Dunkelziffer wird grösser und grösser, da sich nicht alle beim Arzt melden und das Beschaffen illegaler Laserpointer im Internet einfacher wird.»

Laut Anja Palmowski-Wolfe, Leitende Ärztin in der Augenklinik des Unispitals Basel, kommt es meist aus Versehen zu solchen Verletzungen. «Viele Eltern sind sich der Gefahr der Laserpointer nicht bewusst und lassen ihre Kinder damit spielen.» Kinder seien naturgemäss neugierig, da sei es logisch, dass sie – vom Licht fasziniert – auch mal direkt in den Strahl schauten. Selten passieren Unfälle auch im Streit. «Der eine blendet den anderen und weiss nicht, was er damit anrichten kann.»

Ein Leben lang beeinträchtigt

Oftmals entspricht die auf dem Pointer angegebene Stärke nicht der tatsächlichen Wattzahl. «Vor allem bei jenen, die man im Internet bestellt, kann der Wert um das Zehnfache überschritten werden», so Palmowski-Wolfe. Doch auch bei einem in der Schweiz zugelassenen Laserpointer mit der maximalen Leistung von 1 Milliwatt empfehle es sich nicht, direkt in den Strahl zu blicken.

«Die Schäden können gravierend und irreparabel sein. Das ist, wie wenn Sie zu lange in eine Sonnenfinsternis schauen.» Auch wer sein Auge zu lange einem Laserpointer-Strahl aussetze, könne in seiner Sehfähigkeit ein Leben lang beeinträchtigt sein. «Die Sehzellen gehen kaputt – das heisst die Netzhaut und je nachdem sogar die darunterliegende Aderhaut können beschädigt werden», sagt Palmowski-Wolfe. Im schlimmsten Fall sehe man danach alles nur noch verschwommen.

In harmlosen Fällen, bei denen der Betroffene nur kurz in den Strahl geblickt hat, hilft Kortison. Es sei ähnlich wie bei einer Wärmeverletzung, die Entzündung oder Schwellung müsse abklingen. Palmowski-Wolfe warnt: «Laserpointer sind keine Spielzeuge und für die Augen äusserst gefährlich. Sie gehören schlicht nicht in die Hände von Kindern.»

Viele Geräte mit zu hoher Leistung im Umlauf

Laut Peter Blattner, Laborleiter Optik beim Bundesamt für Metrologie, sind das Hauptproblem bei den Verletzungen unter Kindern die vielen Geräte, die mit viel zu hoher Leistung im Umlauf sind. Bei einem Augenkontakt mit einem Gerät von 20 oder 50 Milliwatt sei oft nichts mehr zu machen.

Viele Familien gingen mit den Kindern in den Ferien auf den Markt und kauften ihnen dort Laserpointer mit viel hoher Wattzahl. «Das Kind versucht das ‹Spielzeug› anzuschalten – der Strahl leuchtet vielleicht nicht sofort – das Kind blickt also oben rein, um zu schauen, was los ist, und schon ist es passiert», so Blattner. Extrem viele Leute wüssten nicht, wie gefährlich Laserpointer seien. «Und das muss sich ändern.»

Der Ständerat hat das neue Gesetz bereits angenommen, das nicht nur die Einfuhr oder Abgabe für besonders gefährliche Laserpointer verbietet, sondern auch deren Besitz strafbar macht. Nun liegt die Vorlage beim Nationalrat.

Können Laserpointer nach Waffengesetz durch die Polizei sichergestellt werden?

Ja. Werden bei Kontrollen im öffentlichen Raum handgeführte Laserpointer festgestellt ohne dass ein legaler Verwendungszweck glaubhaft gemacht werden kann, werden die Geräte sichergestellt. Laserpointer können definitiv eingezogen werden, wenn die Gefahr einer missbräuchlichen Verwendung besteht oder diese eine Leistung von mehr als 1 Milliwatt abgeben.

Welche Delikte gemäss Strafgesetzbuch können bei einer Blendung erfüllt sein?

- Tätlichkeit

- einfache Körperverletzung

- schwere Körperverletzung

- Störung des öffentlichen Verkehrs

- Störung des Eisenbahnverkehrs

- Gewalt und Drohung gegen Beamte

Welche Strafe droht, wenn man jemanden mit einem Laserpointer blendet?

Schwere Körperverletzung kann mit einer Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder einer Geldstrafe nicht unter 180 Tagessätzen bestraft werden.

Welche zivilrechtlichen Folgen kann eine Laserblendung nach sich ziehen?

Entscheidet ein Gericht, dass der Einsatz und die Folgen einer Laserblendung grobfahrlässig oder vorsätzlich durchgeführt wurden, kann der Verursacher, trotz Privathaftpflichtversicherung, zur Kasse gebeten werden. Bei Grobfahrlässigkeit und Vorsatz kann die Versicherung Regress auf den Versicherten nehmen, was sehr teuer werden kann.

Quelle: Kantonspolizei Zürich

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