Neue Studie: Kinder von Ausländern hängen häufiger am Handy

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Neue StudieKinder von Ausländern hängen häufiger am Handy

Kinder ausländischer Herkunft sind häufiger am Handy, Tablet oder an der Spielkonsole als ihre Schweizer Kollegen. Sie bringen sich damit um den Schlaf.

von
ehs
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Ausländische Kinder besitzen häufiger ein eigenes Handy und einen eigenen Fernseher als Schweizer Kinder. Das ist nicht unproblematisch: Der Bund empfiehlt, in Kinderzimmern auf Bildschirme zu verzichten.

Ausländische Kinder besitzen häufiger ein eigenes Handy und einen eigenen Fernseher als Schweizer Kinder. Das ist nicht unproblematisch: Der Bund empfiehlt, in Kinderzimmern auf Bildschirme zu verzichten.

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Zu viel Bildschirmzeit könne zu Haltungs- und Augenschäden führen, so die Plattform Jugend und Medien. Bei Kindern mit ADHS könnten Bildschirme das Defizit verstärken.

Zu viel Bildschirmzeit könne zu Haltungs- und Augenschäden führen, so die Plattform Jugend und Medien. Bei Kindern mit ADHS könnten Bildschirme das Defizit verstärken.

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63 Prozent der Kinder gaben in der neuen Studie zudem an, beim Fernsehen mit Inhalten konfrontiert worden zu sein, die ihnen Angst gemacht haben.

63 Prozent der Kinder gaben in der neuen Studie zudem an, beim Fernsehen mit Inhalten konfrontiert worden zu sein, die ihnen Angst gemacht haben.

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Statt des Nachtlichts leuchtet in immer mehr Kinderzimmern das Display des Smartphones. Wie die neue Mediennutzungs-Studie des Bundes (MIKE) zeigt, gefährden vor allem ausländische Kinder ihren Schlaf. Unter den Befragten mit eigenem Handy geben 43 Prozent der Kinder ausländischer Herkunft an, mindestens einmal pro Woche das Handy zu nutzen, wenn sie eigentlich schlafen sollten. Bei den Schweizer Kindern sind es nur 29 Prozent.

Ähnliche Unterschiede zeigen sich schon beim Gerätebesitz: Kinder ausländischer Herkunft besitzen mit 19 Prozent fast doppelt so häufig einen eigenen Computer wie Schweizer Kinder, deutlich häufiger eine eigene Spielkonsole und mit 19 Prozent fast viermal so oft einen eigenen Fernseher.

Angst wegen des Fernsehers

Dementsprechend nutzen Kinder mit Migrationshintergrund häufiger das Internet und schauen länger Videos online als gleichaltrige Schweizer. Dieser Unterschied ist vor allem auf den Gerätebesitz zurückzuführen. Werden nur die Kinder mit eigenem Handy verglichen, verschwinden die Unterschiede nämlich.

Viel Zeit am Bildschirm zu verbringen, ist nicht unproblematisch. Die Plattform Jugend und Medien des Bundes empfiehlt etwa, im Kinderzimmer komplett auf Bildschirme zu verzichten. Einerseits können Kinder im Internet und im Fernsehen auf verstörende Inhalte stossen. Mindestens jedes zehnte Mittelschulkind hat sich laut der Studie im Internet schon einmal belästigt gefühlt. 63 Prozent der Kinder gaben zudem an, beim Fernsehen mit Inhalten konfrontiert worden zu sein, die ihnen Angst gemacht haben. Im Internet stiessen 43 Prozent der Kinder auf solche Inhalte. Noch 2015 waren es erst 29 Prozent gewesen.

Stärkeres ADHS wegen Bildschirmen

Problematisch sind lange Bildschirmzeiten aber auch, weil Kinder für die Hirnentwicklung die direkte Begegnung mit Objekten brauchen, wie die Plattform Jugend und Medien schreibt. Zu viel Bildschirmzeit könne zu Haltungs- und Augenschäden führen und bei Kindern mit diagnostiziertem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADHS) das Defizit verstärken.

Die Experten des Bundes empfehlen bis zu 30 Minuten Bildschirmzeit täglich für 3- bis 5-Jährige, 5 Stunden pro Woche für 6- bis 9-Jährige und nicht mehr als 10 Stunden für 10- bis 12-Jährige. Dabei solle die gesamte Bildschirmzeit einbezogen werden, also Fernseher, Games, Handy und Internet. «Regelmässige bildschirmfreie Zeiten sind in jedem Alter empfehlenswert, damit digitale Medien vor allem bei Langeweile nicht zur Routine werden», erklären die Experten des Bundes.

Für die Studie wurden 1128 Kinder im Alter zwischen sechs und 13 Jahren sowie 629 Elternteile befragt. Durchgeführt wurde die Erhebung von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.

Fernsehen bleibt an der Spitze

Trotz Smartphones und Tablets: Fernsehen bleibt unter Schweizer Kindern das am häufigsten genutzte Medium. Nur 3 Prozent der Kinder in der Schweiz schauen nie fern. Auch das Buch hat nicht ausgedient: 94 Prozent der Kinder lesen in ihrer Freizeit mindestens ab und zu ein Buch, mehr als jedes dritte Kind liest täglich. 86 Prozent nutzen mindestens ab und zu das Internet, 79 Prozent das Handy. Gemäss der Mike-Studie besitzen 48 Prozent der Primarschulkinder ein eigenes Handy.

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