Aktualisiert 12.03.2020 08:40

Hygiene in Zeiten von Corona

Kinder waschen sich die Hände wund

An Schulen und Kindergärten werden Kinder derzeit angehalten, sich oft und gründlich die Hände zu reinigen. Mancherorts übertreibt man es offenbar ein wenig.

von
sul
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«Als meine Tochter neulich aus dem Chindsgi nach Hause kam, waren ihre Hände ganz rot», berichtet eine Mutter (42) aus dem Kanton Solothurn.

«Als meine Tochter neulich aus dem Chindsgi nach Hause kam, waren ihre Hände ganz rot», berichtet eine Mutter (42) aus dem Kanton Solothurn.

ZVG
Die Rötungen rührten offenbar vom vielen Händewaschen.

Die Rötungen rührten offenbar vom vielen Händewaschen.

Leser-Reporter/ZVG
Die Hygiene-Standards im Kindergarten seien so schon sehr hoch gewesen. «Jetzt aber müssen sie sich noch viel öfter die Hände waschen», sagt die Mutter.

Die Hygiene-Standards im Kindergarten seien so schon sehr hoch gewesen. «Jetzt aber müssen sie sich noch viel öfter die Hände waschen», sagt die Mutter.

Keystone/Georgios Kefalas/Symbolbild

Kinder gehören bei Covid-19 zwar nicht zu den Risikogruppen, sie können das Virus aber weiterverbreiten. Landauf, landab weisen Lehrpersonen daher ihre Schüler und Kindergärtler an, sich die Hände fleissig und gründlich zu waschen: 30 Sekunden lang, mit Seife und bis in die Fingerspitzen. Gerade bei Kindern kann der häufige Gang zum Wasserhahn aber unerwünschte Nebenwirkungen haben.

«Als meine Tochter neulich aus dem Chindsgi nach Hause kam, waren ihre Hände ganz rot», berichtet eine Frau (42) aus dem solothurnischen Gäu. Die Fünfjährige habe über ein Brennen auf der Hautoberfläche geklagt. Bereits vor dem Coronavirus sei der Kindergarten sehr strikt gewesen, was die Hygiene der Kinder angehe, sagt die zweifache Mutter. «Jetzt aber müssen sie sich noch viel öfter die Hände waschen.» Dabei sei der Seife offenbar Desinfektionsmittel beigemischt worden sei, wie die Tochter ihr erzählt habe. Befreundete Mütter hätten von denselben Beschwerden ihrer Kinder berichtet.

Sich an Tätigkeit statt Häufigkeit orientieren

Laut Alexander Just, Facharzt für Dermatologie an der Skinmed Klinik, ist es durchaus möglich, sich die Hände zu oft zu waschen: «Nach einer gewissen Häufigkeit intensiven Händewaschens ist die Haut stark beansprucht und zeigt entsprechende Spuren.» Wie viel sinnvoll ist, hängt von der Hautbeschaffenheit jedes Einzelnen ab – aber auch vom Alter: «Kinder haben eine empfindlichere Haut als Erwachsene, daher kann es schneller zu Rötungen oder Irritationen kommen.»

Grundsätzlich empfiehlt Just, das Händewaschen nicht an bestimmten Zeiten festzumachen, sondern sich an Vorkommnissen zu orientieren. «Wir sollten unsere Hände dann waschen, wenn man eine entsprechende Exposition hatte.» Bei Kindern also beispielsweise, wenn sie draussen waren und in den Kindergarten zurückkehren, nach gemeinsamen Aktivitäten im Kreis sowie vor und nach den Mahlzeiten. Die verwendete Seife sollte gemäss dem Hautarzt pH-neutral, gut verträglich, dermatologisch getestet und frei von Duftstoffen sein.

Pflegecrème nach häufigem Händewaschen

Weiter sollten Just zufolge Kindergärten und Schulen darauf achten, dass sich die Kinder nach häufigem Händewaschen einmal am Tag die Hände mit Pflegecreme einreiben. «Sonst waschen sie den Säureschutzmantel der Haut aus.»

Was manche erstaunen mag: Händewaschen trocknet meist mehr aus als Desinfizieren. «Desinfektionsmittel sollten an Schulen und Kindergärten vorhanden sein», stellt der Dermatologe klar. Wichtig sei aber, dass es sich um hautverträgliche und unbedingt rückfettende Mittel handle.

Desinfektionsmittel: Mehrwert auch an Schulen möglich

Immunologe Beda Stadler fordert zwar nicht, dass es an Schulen und Kindergärten zwingend Desinfektionsmittel geben müsse. Ihm zufolge reicht herkömmliche Seife gegen das Coronavirus grundsätzlich aus. Allerdings dauere es ungefähr 20 Sekunden, bis die Fettanteile des Erregers herausgelöst und dieser folglich inaktiviert sei. «So viel Zeit zum Händewaschen nimmt sich praktisch niemand», räumt Stadler ein. Ein zusätzliches Desinfektionsmittel könne da ein wenig Abhilfe schaffen, ganz nach der Devise: Doppelt genäht hält besser.

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