Aktualisiert 16.11.2012 11:18

Einheitliches VerbotKinder-Werbung soll endlich abspecken

Salat statt Burger: Ab 2013 will auch McDonald's TV-Spots für Kids einschränken - wie es eine Schweizer Branchenvereinbarung vorsieht. Diese steht jedoch in der Kritik: Sie sei zu schwammig.

von
J. Pfister
Werbung für Kinder unter 12 Jahren soll eingeschränkt werden. McDonald's will die Schweizer Vereinbarung im nächsten Jahr durchsetzen.

Werbung für Kinder unter 12 Jahren soll eingeschränkt werden. McDonald's will die Schweizer Vereinbarung im nächsten Jahr durchsetzen.

Lebensmittelwerbung ködert die Jüngsten gerne mit Ungesundem. Dies zeigte jüngst eine Analyse der Schweizer Konsumentenschutz-Organisationen. Demnach werden in rund einem Viertel der Lebensmittel-Spots während des Kinderprogramms Fast Food, Süssigkeiten und Snacks aufgetischt. Kein Wunder, dass Kinder mit höherem Fernsehkonsum immer dicker würden, monierten Konsumentenschützer. Ihre Forderung: Die Unternehmen sollen die Werbung für Kinder reduzieren und die Branchenvereinbarung Swiss Pledge (siehe Box) unterzeichnen.

Die Kritik der Konsumentenschützer hat Wirkung gezeigt. Nach Coca Cola, Zweifel, Kellog's oder Nestlé hat nun auch der Fast-Food-Riese McDonald's beschlossen, der Vereinbarung per Januar 2013 beizutreten und TV-Spots für Kinder einzuschränken. Das heisst konkret: Bei der Happy-Meal-Werbung werden statt Burger mit Pommes Nuggets mit Gemüse oder Früchten aufgetischt, statt Coca-Cola schlürfen Kinder Wasser oder Fruchtsaft. Auf EU-Ebene hatte der Fast-Food-Konzern diese Richtlinien schon Anfang 2012 umgesetzt im Rahmen des EU-Pledges.

Migros will auch einsteigen

Bei der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) ist man über diese Entwicklung erfreut, knöpft sich aber zugleich die nächsten Unternehmen vor. «Wichtige Akteure wie Coop, Migros und Ferrero müssen die Vereinbarung ebenfalls unterzeichnen», fordert Josiane Walpen. Gerade Ferrero bewerbe mit Snacks wie Schoko-Bons oder der Kinderschnitte Produkte, die für Kinder nicht nur gesund seien. So bestehe die Kinderschnitte zu mehr als der Hälfte aus Zucker und Fett.

Während Migros laut Sprecherin Monika Weibel die Grundsätze der Schweizer Branchenvereinbarung aufnehmen und künftig auf Produktewerbung für Nahrungsmittel an unter 12-Jährige verzichten will, winken Ferrero und Coop ab. Für Ferrero reicht die Branchenvereinbarung der EU aus, Coop hat eigene interne Richtlinien, die laut Sprecherin Sabine Vulic deutlich umfassender sind. «Wir bewerben nur Produkte, die wir speziell für Kinder entwickelt haben und die Bewegung und das Bewusstsein für ausgewogene Ernährung unterstützen.»

Sind Honeypops nun ungesund?

Hinter vorgehaltener Hand kritisieren einige Unternehmen, die nicht Mitglied der Vereinbarung sind, diese als undurchsichtig. «Das Versprechen, die Werbung für Kinder einzuschränken, wird sehr unterschiedlich wahrgenommen und umgesetzt», heisst es. Das weiss auch Josiane Walpen vom SKS. «Jedes Mitglied des Swiss Pledge hat andere Kriterien, welche Produkte nun als gesund gelten und deshalb auch bei unter 12-Jährigen beworben werden und welche nicht.» So würde Kellog's hierzulande beispielsweise Honeypops bewerben, während Werbung für diese Frühstücksflocken in England oder Irland verboten sei.

Für Walpen ist deshalb klar: «Die Schweizer Branchenvereinbarung braucht strengere, einheitliche Kriterien.» Hier sei auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gefordert, welches die Swiss Pledge offiziell anerkenne. Auf Anfrage sagt dort Sprecherin Eva van Beek: «Wir sind bestrebt, die Entwicklung dieser Kriterien in Abstimmung mit der EU voranzutreiben.» Auch die Verantwortlichen von Swiss Pledge sprechen von einem koordinierten Vorgehen auf europäischer Ebene. «Wir nehmen die Forderung der Konsumentenschützer aber sehr ernst», sagt Pia Lehmann.

Parlament am Schluss gefordert?

Falls es dennoch nicht zu diesen einheitlichen Richtlinien für die Kinder-Werbung kommt, können Konsumentenschützer immer noch auf das Parlament hoffen. Am letzten Freitag hat sich die nationalrätliche Gesundheitskommission ebenfalls dafür ausgesprochen, Werbung für Chips & Co. einzuschränken.

Kinderwerbung oder nicht?

Die freiwillige Branchenvereinbarung Swiss Pledge wurde 2010 nach dem Vorbild der EU gegründet. Sie besagt ein Verbot von Lebensmittel-Spots bei der Kinderwerbung. Als solche gilt, wenn 35 Prozent des Publikums unter 12 Jahre alt ist. Davon ausgenommen sind Produkte, die gewisse Ernährungskriterien erfüllen.

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