Aktualisiert 14.01.2017 23:42

MangelernährungKinderärzte warnen vor Diäten-Hype

Vegane Ernährung, gluten- und laktosefreie Lebensmittel, weniger Kalorien: Immer mehr Eltern verordnen ihren Kindern Diäten. Teilweise mit schwerwiegenden Folgen.

von
bee
Gesund ja, aber keine extreme Ernährung: Kinder bereiten in einer Krippe ein Essen vor. (Symbolbild/29. Mai 2013)

Gesund ja, aber keine extreme Ernährung: Kinder bereiten in einer Krippe ein Essen vor. (Symbolbild/29. Mai 2013)

Keystone/Georgios Kefalas

Der Diäten-Hype hat die Schweizer Kinderzimmer erreicht. Immer häufiger wenden Eltern bei ihrem Nachwuchs spezielle Ernährungsmethoden an. Wie veganes Essen, kalorienreduzierte Menüs, gluten- und laktosefreie Lebensmittel: Vielen ist nicht bewusst, dass sie den Kindern damit häufig schaden.

Notfallmässig wurde ein kleines Mädchen, neun Monate alt, ins Universitäts-Kinderspital beider Basel eingeliefert. Es litt an einem schweren Infekt, wie die «SonntagsZeitung» berichtet. Die behandelnden Ärzte stellten eine erschreckende Diagnose: Das Kind war körperlich zurückgeblieben, auch die Entwicklung des Gehirns war verlangsamt.

Abklärungen ergaben: Die Eltern hatten ihre kleine Tochter strikt vegan ernährt. Am Spital Zofingen im Kanton Aargau wurde ein siebenjähriger Bub behandelt, der viel zu dünn war. Zu Hause hielten die Eltern das Essen knapp, aus Angst, ihr Kind werde zu dick.

Hohe Dunkelziffer

«Jegliche Extremform von Ernährung kann das Kindswohl gefährden», sagt Raoul Furlano, Leitender Arzt für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung am Universitäts-Kinderspital beider Basel. Diäten ohne medizinischen Hintergrund seien «fahrlässig» und könnten zu Mangelerscheinungen führen.

Zu den Risiken einer einseitigen Ernährung gehören körperliche und geistige Entwicklungsstörungen. Mangelerscheinungen bei Kindern, bedingt durch eine Krankheit, gab es zwar schon früher. «Neu aber haben jene Fälle zugenommen, die auf selbst gewählte Diäten zurückzuführen sind», sagt Furlano. «Laut Studien leiden 10 bis 15 Prozent der hospitalisierten Kinder an Mangelernährung oder sie haben dafür ein erhöhtes Risiko.» Längst nicht alle Fälle werden entdeckt, sagt Furlano. «Die Dunkelziffer ist hoch.»

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