Aktualisiert 01.03.2010 13:24

2010 Progress Report

Kinderarbeit bei Apple-Zulieferern

Der Technologiekonzern bezieht einzelne Komponenten von Zulieferern rund um den Globus. Davon haben offenbar auch einige Minderjährige beschäftigt.

von
mbu
In ihrem aktuellen «Progress Report» hat Apple bei seinen Zulieferern Verstösse gegen die Mindeststandards für die Arbeitsbedingungen festgestellt.(Bild: Fotomontage)

In ihrem aktuellen «Progress Report» hat Apple bei seinen Zulieferern Verstösse gegen die Mindeststandards für die Arbeitsbedingungen festgestellt.(Bild: Fotomontage)

In drei Firmen, die bei Apple unter Vertrag stehen, wurde Kinderarbeit festgestellt, berichtet das britische Newsportal telegraph.co.uk. Sie hatten mindestens elf Personen beschäftigt, die noch keine 16 Jahre alt waren. Im jährlichen Annual Report schreibt Apple: «In jeder der drei Einrichtungen haben wir eine Überprüfung aller Beschäftigungsverhältnisse für das betreffende Jahr eingefordert, sowie eine vollständige Analyse des Rekrutierungsprozesses, um zu klären, wie Minderjährige beschäftigt werden konnten.» Apple verschwieg den Standort und die Namen der fehlbaren Unternehmen. Der Grossteil ihrer Zulieferfirmen befindet sich in China, aber auch in Taiwan, Singapur, auf den Philippinen, Malaysia, Thailand, in der Tschechischen Republik und den USA stehen Firmen unter Vertrag.

Zu wenig Lohn und zu lange Präsenzzeit

Laut dem Bericht wurde gar in 24 Firmen der in China vorgegebene Mindestlohn von 800 Yuan (126 Franken) nicht bezahlt. Nur 65 Prozent der kontrollierten Unternehmen sollen sich an die vereinbarten Lohnvorgaben gehalten haben. Apple hat eigenen Angaben zufolge die Verantwortlichen aufgefordert, die ausstehende Differenz, Überstundenzulagen und das Krankengeld nachzuzahlen. In mindestens 55 von 102 Firmen, die Komponenten liefern, soll auch Apples vorgeschriebene Maximal-Arbeitszeit von 60 Stunden pro Woche ignoriert worden sein.

Vergiftungen und Selbstmord

In der Vergangenheit stand Apple immer wieder wegen ähnlicher Fälle in der öffentlichen Kritik. Erst vergangene Woche wurde bekannt, dass in einer chinesischen Firma, die Komponenten für das iPhone und den iPod touch liefert, 62 Arbeiter eine Vergiftung erlitten haben. Im vergangenen Sommer berichteten Medien aus aller Welt über das Schicksal von Sun Danyong, der sich das Leben nahm. Er arbeitete für das taiwanesische Unternehmen Foxconn, welches im Auftrag von Apple iPhones herstellt. Danyong stand unter Verdacht, einen iPhone-Prototypen gestohlen zu haben. In der Folge haben drei Foxconn-Mitarbeiter seine Wohnung auf den Kopf gestellt. Einen Tag später stürzte sich der 25-Jährige aus dem zwölften Stock eines Appartementhauses (20 Minuten Online berichtete).

Wie es scheint, ist es für die Grosskonzerne nicht immer ein leichtes Unterfangen, die gesamte Lieferkette zu kontrollieren. Vor der Euro 2008 geriet hierzulande die Credit Suisse in ein schlechtes Licht, weil sie 200 000 Fussbälle verteilt hatten, welche womöglich von Kinderhänden in pakistanischen Dörfern gefertigt wurden. Auch jetzt, im Vorfeld der WM 2010, werden wieder Stimmen laut, welche behaupten, dass Fanartikel in 13-Stundenschichten von Kindern hergestellt werden. Dabei soll ihnen ein Stundenlohn von zwei Dollar ausbezahlt werden.

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