Aktualisiert 31.07.2013 09:58

Blutt auf Facebook & Co.Kinderfotos können Pädophile anlocken

Eltern posten in ihrer Euphorie hemmungslos Babyfotos in Social Media. Das ist zum einen illegal – zum anderen können die Bilder leicht in falsche Hände geraten.

von
D. Pomper

Erst ein paar Sekunden alt, noch blutverschmiert an der Brust der Mutter, beim ersten Bad, auf dem Töpfchen, der erste Tag im Kindergarten – kaum ein Schritt ihres Sprösslings, den junge Eltern nicht mit der Kamera festhalten und ins Netz stellen. Schliesslich sollen alle sehen, was der Sprössling schon alles kann. Das ist ein Trend, den Experten mit Besorgnis beobachten.

Was viele nicht wissen: Das Posten von Bildern der eigenen Kinder auf Facebook ist widerrechtlich: «Es gibt das höchstpersönliche Recht am eigenen Bild. Selbst die Eltern, als gesetzliche Vertreter des Kindes, können nicht darüber entscheiden», sagt Reto Fanger, Anwalt im IT- und Datenschutzbereich. Allerdings ist es schwierig, die Eltern zur Verantwortung zu ziehen. Denn die Tat wäre – wenn das Kind dagegen vorgehen wollte – längst verjährt. In Extremfällen aber könne die Kinderschutzbehörde einschreiten. Problematisch ist laut Fanger auch, wenn Eltern im Namen ihrer Kinder Profile anlegen.

Gefundenes Fressen für Pädophile

Medienpädagoge Thomas Merz versteht zwar, dass junge Eltern das Bedürfnis haben, sich mitzuteilen. Dennoch plädiert er für Zurückhaltung: «Eltern sollten sich vor dem Publizieren immer fragen: Könnte das Bild für mein Kind, wenn es 15 ist, peinlich sein?» Denn selbst wenn das Bild gelöscht werde: «Dank Archivsuchmaschinen können die Bilder immer wieder auftauchen. Das Internet vergisst nie.»

Die Eltern müssten sich bewusst sein: Was man auf Facebook publiziert, ist potenziell öffentlich. Auch der Trend, Missgeschicke von Kindern online zu stellen, sei tückisch: «Die Eltern können die Kontrolle darüber verlieren. Es kann sich via Whats App, Twitter oder Youtube in Windeseile verbreiten.» Und dabei können die Bilder auch in die Hände von Pädophilen geraten. Merz hat Kenntnis von Fällen, in denen Kinderbilder auf Sexdating-Seiten auftauchten. «Fotos von nackten Kindern, in Badehose oder bestimmten Posen sind ein No-Go.»

Nicht mit dem Familienalbum vergleichbar

Doch was tun, wenn die Kinderfotos auf Sexseiten landen? Merz empfiehlt den Eltern, in krassen Fällen die Polizei zu kontaktieren, damit die Betreiber die Bilder vom Netz nehmen und ein Strafverfahren eingeleitet werden kann. Dies ist allerdings nur möglich, wenn die Verursacher in der Schweiz ansässig sind.

Laurent Sédano, Medienexperte von Pro Juventute, stellt fest, das die Interessen der Kinder im Mitteilungswahn oft vergessen gehen: «Viele Eltern sind nicht mit dem Internet aufgewachsen und wissen nicht, wie sie mit den neuen Medien umgehen sollen.» Bilder online zu teilen sei nicht das Gleiche, wie Freunden zuhause das Familienalbum zu zeigen. Sédano: «Es ist wichtig, dass Eltern ihre Medienkompetenz schulen.»

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