Lieblingsgrosi soll bleiben: Kindergärtner lancieren «Rettet Trudi»-Aktion
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Lieblingsgrosi soll bleibenKindergärtner lancieren «Rettet Trudi»-Aktion

Kinder in Kerzers sammeln für ihr «Kindergartengrosi» Trudi Unterschriften. Der Grund: Denn sie und andere Senioren dürfen laut der Regierung nicht mehr in Chindsgis aushelfen.

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Kindergartenkinder in Kerzers sammelten für ihr «Kindergartengrosi» Trudi Unterschriften.

Kindergartenkinder in Kerzers sammelten für ihr «Kindergartengrosi» Trudi Unterschriften.

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Lyss ging am Schulfest auf Unterschriftensammlung.

Lyss ging am Schulfest auf Unterschriftensammlung.

Barbara Rohrer
Auch ihr Bruder Julien (links) half fleissig mit.

Auch ihr Bruder Julien (links) half fleissig mit.

Barbara Rohrer

Kindergärtner in Kerzers haben vor einigen Tagen die Solidaritätsaktion «Rettet Trudi» gestartet. Zusammen sammelten die Kinder am Schulfest für den Verbleib des «Kindergartengrosis» 129 Unterschriften.

Damit soll ein Zeichen gegen den Entscheid der Erziehungsdirektion Freiburg gesetzt werden. Diese hatte Anfang Juni entschieden, dass Senioren nicht mehr in den Klassenzimmern aushelfen dürfen, wie die «Freiburger Nachrichten» berichten. Das Verbot soll nach den Sommerferien in Kraft treten.

Unterschriftensammlung der Kinder

Mutter Barbara Rohrer hat selber einen Sohn im Kindergarten, der von Kinderliebling Trudi begleitet wird. «Alle sind tief betroffen, das Trudi aufhören muss», so Rohrer.

Während des Schulfests am vergangenen Freitag machten sich Rohrer Kinder Lysa (4) und Julien (6) auf die Unterschriftenjagd. In knapp zwei Stunden konnten sie 129 Unterstützer finden. Am Samstag schickte Rohrer die Petition mit einem Begleitschreiben an die Erziehungsdirektion Freiburg weiter. Seither wartet sie auf eine Antwort.

Projekt bereitet Trudi Freude

Trudi Etter ist 70 Jahre alt und hilft seit vier Jahren im Kindergarten in Kerzers aus. Sie versteht die Entscheidung der Erziehungsdirektion in Freiburg nicht. «Wir sind nie allein im Unterrichtszimmer. Wir bekommen keinen Lohn und machen das nur zur Freude.» Sie finde es schade, dass es das Projekt bald nicht mehr geben soll.

«Ich bewundere, was die Kinder gemacht haben, das ist sehr schön», sagt die Rentnerin. Sie habe nicht damit gerechnet und sei absolut überrascht gewesen, als sie im Kindergarten davon erfuhr. Die Kinder seien dankbar für ihre Dienste – und auch sie habe Spass an der Arbeit.

Senioren als «Sicherheitsrisiko»

Im Kanton Freiburg gibt es 40 Senioren, die aktiv Lehrpersonen unterstützen. Das soll es bald nicht mehr geben. Die Senioren seien «ein Sicherheitsrisiko», deshalb solle ihr regelmässiger Einsatz in der Schule verboten werden, begründet die Direktion ihren Entscheid. Das Projekt sei zudem nicht mit dem kantonalen Schulgesetz vereinbar und es bestehe die Gefahr, dass die Senioren Schulgeheimnisse ausplaudern könnten.

Die Erziehungsdirektion beschloss deshalb, das Projekt nach erfolgreichen zehn Jahren auf Eis zu legen. Die Aufgaben der Senioren sollen sich in Zukunft nur auf das Begleiten von Schulausflügen und -aktivitäten beschränken.

Motion von Freiburger Politikern eingereicht

Die Grossräte André Schneuwly (Freie Wähler Partei) und Antoinette de Weck (FDP) wollen mit einer gemeinsamen Motion das Unheil abwenden. 62 der insgesamt 110 Grossräte in Fribourg haben diese unterzeichnet.

Die Motion fordert, dass Senioren regelmässig im Unterricht mitwirken können. Die Kompetenz, Bewilligungen zu erteilen, soll bei der Schulleitung liegen. Die Aktion der Kinder findet Schneuwly «sehr berührend» und glaubt, dass der Druck auf den Staatsrat nun noch mehr gestiegen sei. Der Kanton hat nun fünf Monate Zeit die Motion zu bearbeiten.

Die Erziehungsdirektion Freiburg will sich derzeit nicht zum Fall äussern, da die Motion noch hängig ist

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