Aktualisiert 06.02.2008 12:30

Kinderhilfswerk im Zwielicht

Die Affäre um Geldverschwendung bei UNICEF Deutschland lenkt den Blick auch auf die Schweiz. Einwände gibt es unter anderem zur Rechnungsführung und zum hohen Verwaltungsaufwand.

UNICEF Schweiz würde die Kriterien für das Zewo-Gütesiegel nicht erfüllen. UNICEF Schweiz weist die Vorwürfe zurück.

Laut der Zertifizierungsstelle für gemeinnützige Spenden sammelnde Organisationen (Zewo) entspricht die Jahresrechnung des Schweizerischen Komitees für UNICEF nicht den geforderten Standards für das Zewo-Gütesiegel, das einen gewissenhaften und transparenten Umgang mit Spendengeldern garantieren soll. Die Jahresrechnung 2006 sei zu wenig aussagekräftig. Die Angaben erlaubten kein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage.

Weitere Einwände gibt es zu den hohen Verwaltungskosten, wie die Zewo zu einem Bericht der «Frankfurter Rundschau» bestätigte. Der Aufwand für Fundraising belaufe sich auf 6,8 Millionen Franken. Das Verhältnis zum Gesamtaufwand von 30,4 Millionen Franken betrage 22,5 Prozent. «Für eine Entwicklungshilfeorganisation dieser Grösse ist der Fundraising- und Werbeaufwand von 22,5 Prozent vergleichsweise hoch», so die Zewo.

Laut der Zewo werden die meisten in der Schweiz gesammelten Spendengelder an UNICEF International weitergeleitet. Gemäss Zewo-Anforderungen muss der überwiegende Teil dieser Spenden in Projekte fliessen, die von der Schweiz aus geplant, kontrolliert und evaluiert werden. Aus den Unterlagen sei nicht ersichtlich, ob das Schweizerische Komitee Einfluss auf die Projekte von UNICEF International habe.

Die Zewo hält fest, dass der Verein Schweizerisches Komitee für UNICEF die Kriterien für das Gütesiegel derzeit nicht erfülle. Der Verein habe bisher jedoch kein Gesuch zur Erlangung des Zewo-Gütesiegels eingereicht.

Die Geschäftsleiterin von UNICEF Schweiz, Elsbeth Müller, weist die Vorwürfe zurück. UNICEF sei eine UN-Organisation und werde von der UN sowie durch ihren Verwaltungsrat kontrolliert, dem die Schweiz turnusgemäss mit anderen Ländern angehöre. Das Schweizerische Komitee informiere transparent und korrekt über die Verwendung der Gelder. Die Umstellung der Rechnungslegung erfolge mit Abschluss des Geschäftsjahres 2007. Zudem sei die Organisation nach ISO-Norm zertifiziert und werde durch PricewaterhouseCoopers revidiert.

Die Aussage, wonach UNICEF Schweiz 22,5 Prozent der Einnahmen für Fundraising und Werbung ausgebe, sei falsch. Die Gelder des Bundes würden direkt an UNICEF International bezahlt und nicht an die Schweizer Sektion. Zudem ordne die Zewo Einkaufskosten für Produkte den Werbekosten sowie die Kosten für Programme und Projekte in der Schweiz dem Fundraising zu.

Die Verwendung von UNICEF Schweiz gesammelten Gelder sei zweckgebunden gemäss Spenderwillen, führte Müller weiter aus. Die regelmässige Berichterstattung von UNICEF International an den Verwaltungsrat und die regelmässige Projektkontrolle durch UNICEF Schweiz sowie die Projektberichte mit integrierter Abrechnung ermöglichten eine gute Kontrolle des Finanzflusses und der Mittelrechnung.

Nach den Vorkommnissen bei UNICEF Deutschland haben sich auch in der Schweiz Spender bei UNICEF gemeldet, um eine Einschätzung der Vorwürfe zu erhalten, sagte Geschäftsleiterin Müller. Negative Auswirkungen auf den Spendenfluss oder das Vertrauen in UNICEF Schweiz habe sie bisher jedoch nicht festgestellt. Sie könne versichern, dass die internen Kontrollvorschriften bei UNICEF Schweiz strenger als in Deutschland seien und eine hohe Sicherheit garantierten. (dapd)

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