Aktualisiert 23.09.2011 15:56

«Meilenstein gesetzt»Kindermedizin an wenigen Zentren angeboten

Die Schweizerische Konferenz der Gesundheitsdirektoren hat beschlossen, die hochspezialisierte Kindermedizin zu konzentrieren. Dies soll die Kostenexplosion im Gesundheitswesen dämpfen.

In der Schweiz sollen Organtransplantationen stark konzentriert werden, da diese bei Kindern selten sind.

In der Schweiz sollen Organtransplantationen stark konzentriert werden, da diese bei Kindern selten sind.

Die hochspezialisierte Kindermedizin wird künftig an wenigen Zentren in der Schweiz angeboten. Es sind jeweils jene Spitäler zuständig, welche besonders hohe Kompetenz in den einzelnen Bereichen haben.

Rechtsverbindlich beschlossen wurde die Verteilung vom Beschlussorgan Hochspezialisierte Medizin (HSM) der Schweizerischen Konferenz der Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren, wie diese am Freitag mitteilte.

Man habe mit dem Entscheid «einen weiteren Meilenstein gesetzt», sagte die St. Galler Regierungsrätin Heidi Hanselmann, GDK-Vorstandsmitglied und HSM-Beschlussorgan-Präsidentin, zur Nachrichtenagentur sda. Es sei zudem das erste Mal gewesen, dass man sich mit Pädiatrie und Kinderchirurgie befasst habe und nicht mit Erwachsenenmedizin.

Die Regelung tritt Anfang 2012 in Kraft. Sie gilt vorderhand bis 31. Dezember 2015. Auf diesen Zeitpunkt hin wird neu diskutiert und entschieden.

Breit verteilt bleiben Zentren für Frühgeborene

Mit 10 Zentren am breitesten verteilt ist die Intensivbehandlung von Frühgeborenen. Eine solche benötigen laut Mitteilung jährlich rund 800 Kinder. Die ausgewählten Neonatologien «der höchsten Versorgungssstufe» verfügten über die notwendige Erfahrung und Infrastruktur» für die bestmögliche Versorgung der Frühchen.

Sie erfolgt künftig an den Universitätsspitälern Bern, Genf, Lausanne und Zürich, an den universitären Kinderspitälern beider Basel und Zürich sowie an den Kantonsspitälern Aarau, Chur, Luzern und St. Gallen (gemeinsam mit dem Ostschweizer Kinderspital).

Stark konzentriert werden Organtransplantationen, die bei Kindern sehr selten sind. Genf erhielt den «Zuschlag» für Lebertransplantationen, Zürich für Lungen. In Genf erfolgen künftig auch hochkomplexe chirurgische Eingriffe an Leber und Galle, in Zürich solche an der Luftröhre. Nierentransplantationen gibt es in Bern, Lausanne und Zürich (gemeinsam mit dem Kinderspital).

Zwei Zentren wegen Infektionsgefahr

Allein das Kinderspital Zürich und das Universitätsspital Lausanne sind künftig zuständig für schwere Verbrennungen. Die besonders hohe Infektionsgefahr mache zwei Zentren unabdingbar, sagte Hanselmann: Falls aufgrund von Infektionen ein Zentrum vorübergehend geschlossen werden müsste - was auch schon geschehen sei - bleibe die Versorgung gewährleistet.

Auf schweizweit je ein einziges Zentrum konzentriert werden schliesslich die Behandlung von Augentumoren (Lausanne) und spezielle Abklärungen des körpereigenen Immunsystems (Zürich).

Hanselmann sagte, die Eltern der Kinder seien durchaus bereit, weite Wege in Kauf zu nehmen, wenn sie wüssten, dass ihr Kind eine optimale Versorgung erhalte.

Gezerre um Herzen

Die nun beschlossene Verteilung steht im Zusammenhang mit der Diskussion um die Konzentration der gesamten hochspezialisierten Medizin in der Schweiz. Dies soll die Kostenexplosion im Gesundheitswesen dämpfen. Laut Hanselmann ist vieles schon verteilt. Vor allem um die Herztransplantationen ist noch ein Gezerre im Gang.

Klar ist bisher, dass sie dereinst nur noch in zwei Zentren in der Schweiz vorgenommen werden. Welche das sein werden, muss bis Ende 2013 entschieden sein. Heute werden Herzen am Inselspital Bern, am Universitätsspital Lausanne und am Universitätsspital Zürich verpflanzt. (sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.