Aktualisiert 04.02.2013 17:08

Anhörung vor Gericht

Kindermörder Dutroux will aus dem Knast

Ein Brüsseler Gericht hat Marc Dutroux angehört. Der Belgier, der in den 90ern sechs Mädchen entführt und vergewaltigt hat, hatte einen Antrag auf Haftentlassung gestellt.

Der belgische Kindermörder Marc Dutroux hat in Brüssel einen Antrag auf vorzeitige Entlassung aus dem Gefängnis gestellt. Der 56-Jährige erschien am Montag persönlich in dem Gerichtsgebäude, die Verhandlung fand aber hinter verschlossenen Türen statt.

Dutroux, der seit 1996 in Haft ist, beantragte zunächst, die weitere Strafe im Hausarrest mit elektronischer Fessel absitzen zu können. Danach will Dutroux aber ganz freigelassen werden, wie sein Anwalt Pierre Deutsch vor der Verhandlung sagte.

Auch dafür müssten Auflagen erfüllt werden: «Wir müssen zeigen, dass es eine Möglichkeit der Wiedereingliederung gibt, mit Wohnung, Arbeit oder zumindest Mitteln zum Lebensunterhalt», sagte Deutsch. Ausserdem müsse belegt werden, «warum das Rückfallrisiko so stark wie möglich auszuschliessen ist», fügte er hinzu.

Experten halten eine vorzeitige Haftentlassung Dutroux' für sehr unwahrscheinlich. Sowohl die Gefängnisverwaltung als auch die Staatsanwaltschaft hatten sich dagegen ausgesprochen.

«Symbolischer Schritt»

Die Strafvollstreckungskammer, die formal an diese Stellungnahmen nicht gebunden ist, wird in zwei Wochen über den Antrag von Dutroux entscheiden. Das sagte Gerichtspräsident Luc Hennart am Montag nach der zweistündigen Anhörung. Die Stellungnahme werde am 18. Februar in öffentlicher Sitzung verkündet.

Selbst Dutroux' Anwalt geht nicht davon aus, dass sein Mandant mit seinem Antrag durchkommt. «Es ist ein symbolischer Schritt», sagte Deutsch dem Radiosender RTBF. Belgiens Justizministerin Annemie Turtelboom wollte sich im Fernsehsender RTL nicht zu den Chancen äussern: «Das ist Sache der Unabhängigkeit der Justiz.»

Das Verfahren sei in «absoluter Ruhe» verlaufen, erklärte Hennart. Dutroux sei «die Zeit da gewesen, die nötig war». Die Anwälte verkündeten, über Details Stillschweigen zu bewahren.

Zwei Familien der Opfer waren laut Hennart vertreten - viele andere boykottierten die Anhörung. Üblicherweise werden Opferfamilien zu den Auflagen bei einer vorzeitigen Haftentlassung angehört.

Spezialeinheit im Einsatz

Dutroux, Belgiens berüchtigster Verbrecher, war 1996 festgenommen worden. 2004 verurteilte ihn ein Gericht wegen Entführung, Freiheitsberaubung und Vergewaltigung von sechs Mädchen und jungen Frauen sowie dem Mord von vier von ihnen zu lebenslanger Haft.

Die Untersuchungshaft eingeschlossen, hätte er im April ein Drittel seiner Strafe abgesessen und damit das Recht, die Entlassung zu beantragen. Dutroux sitzt im Städtchen Nivelles in der Wallonie ein.

Für Transport und Verhandlung des Kindermörders wurden am Montag über hundert Polizisten und Sicherheitskräfte einschliesslich einer Spezialeinheit mobilisiert. Vor dem Justizpalast demonstrierten Bürger gegen die Möglichkeit von Dutroux' Freilassung. Schon im Vorfeld war über das Gesuch Empörung laut geworden.

Ex-Frau lebt im Kloster

Justizministerin Turtelboom sagte am Montag dem Fernsehsender RTL-TVI, es sei vielen unverständlich, dass ein zu lebenslänglich Verurteilter schon nach einem Drittel der Strafe die Freilassung beantragen könne. Ein neuer Gesetzentwurf sieht vor, dass diese Frist auf die Hälfte der Strafe verschoben wird.

Dutroux' Ex-Frau und Komplizin Michelle Martin hatte mit ihrem Antrag auf vorzeitige Haftentlassung im vergangenen Jahr Erfolg. Sie lebt seitdem in einem Kloster. (sda/dapd)

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