Chile: Kinderplausch am Hoffnungslager
Aktualisiert

ChileKinderplausch am Hoffnungslager

Viele Kinder kamen am Tag nach dem Unglück – und warten seitdem im «Camp der Hoffnung» auf die Bergung der 33 verschütteten Bergarbeiter. Sie fehlen seit über sechs Wochen in der Schule.

von
kle

Die achtjährige Marion schläft seit dem 5. August nicht in ihrem Bett. Zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Grossmutter ist sie nach Copiapó gezogen und wartet auf die Bergung ihres Grossvaters Mario Gomez aus der Mine San José. Wie andere Kinder aus dem Umfeld der Verschütteten geht die kleine Marion seit über sechs Wochen nicht zur Schule. Ihre Grossmutter Lilian Ramirez ist sich der Situation bewusst. Dennoch bleibt nicht viel zu machen. «Wir haben niemanden, der für sie schauen kann», gibt sie gegenüber der Nachrichtenagentur AFP zu.

Marion ist bei weitem nicht das einzige Kind, das zurzeit in Copiapó den Schulunterricht verpasst. Zusammen mit ihren zwei Brüdern und einer Schar von 25 weiteren Kindern verbringt sie ihre Tage im Zelt oder im Gelände rund um den Eingang der Mine. Der versäumte Schulstoff wird mit einem Privatlehrer aufgearbeitet, der von der Gemeinde bezahlt wird und die Kinder nun regelmässig besucht. Die Themen haben die Lehrer den Eltern ins Camp zugestellt.

Auch Programm für die Kleinsten

Die nicht schulpflichtigen Kinder haben ebenfalls ein Beschäftigungsprogramm bekommen. Sie stehen früh auf und frühstücken im grossen gemeinsamen Zelt mit Rettungsarbeitern, Angehörigen und Regierungsmitgliedern. Nach dem Frühstück gibt es eine Fernsehpause und danach eine Baderunde. Der sechsjährige Bastian findet es nicht so lustig, wenn seine Mutter ihn mit Wasser aus dem Eimer übergiesst. Seine zweijährige Schwester Lizette hat damit weniger Mühe – sie nutzt die Gelegenheit, um ihre Puppe zu baden.

Der Staub und die extremen Temperaturschwankungen machen den Kleinen zu schaffen. Viele Mütter schicken ihre Kinder hinter dem Tanklastwagen spielen, der Wasser auf die verstaubten Strassen giesst, damit der Wind ihn nicht so stark aufwühlt.

Lachen ist die beste Medizin

Am Nachmittag treten die Zauberer und Clowns auf. Die meisten kamen freiwillig und bekommen für ihren Einsatz kein Geld. Rolando Gonzalez, alias Clown Roly, hat sogar Erfahrung mit Notschlaflagern wie dem «Camp der Hoffnung»: Nach dem verheerenden Erdbeben von Februar ging er nach Pelluhue, um die Kleinen nach dem Unglück zu ermuntern.

Er sehe «den gleichen Schmerz und die gleiche Verzweiflung», erzählt er dem Journalisten. Er lerne aber von den Angehörigen und Opfern der Katastrophen sehr viel und vergesse diese Erfahrungen nie wieder. «Manchmal ist es sehr schwierig, sie zum Lachen zu bringen, aber man muss es versuchen. Das Lachen ist eine unfehlbare Medizin.»

Deine Meinung