Kinderporno: Es gärt bei Radio Suisse Romande
Aktualisiert

Kinderporno: Es gärt bei Radio Suisse Romande

Die Affäre rund um die Kinderpornografie-Vorwürfe gegen einen Kadermann des Westschweizer Radios RSR ist offenbar nur die Spitze des Eisbergs. Die Gewerkschaft hat der Geschäftsleitung ein Ultimatum gestellt, den entlassenen Informatiker wieder einzustellen, das morgen abläuft.

von
Thierry Délèze

«Es geht nicht nur um diese Geschichte, sondern es sind jahrelange Spannungen, die sich jetzt entladen!» Solche Statements sind dieser Tage im Radiogebäude dutzendfach zu hören, aber immer nur unter dem Siegel der Verschwiegenheit. Die Affäre um die Dateien mit pädophilem Inhalt hat offenbar eine Eiterbeule aufplatzen lassen. Viele Mitarbeiter beklagen sich über schlechtes Management, Kommunikationsmangel und den tiefen Graben, der die Führungsspitze von der Basis trennt. Das Vertrauen ist abhanden gekommen, und es ist schwer zu sehen, wie es wieder hergestellt werden könnte. Manche meinen sogar, diese Angelegenheit werde Gérard Tschopp, den Direktor von Radio Suisse Romande, den Kopf kosten.

Mangel an Respekt

Viele Mitarbeiter fühlen sich auch respektlos behandelt. «Man behandelt uns wirklich wie eine beliebig formbare Knetmasse», beschwert sich eine Mitarbeiterin aus der Informationsabteilung. Öfter hat daher schon die Mediengewerkschaft SSM wegen fragwürdiger Praktiken Alarm geschlagen (zu lange Arbeitszeiten, zu hoher Druck usw.).

Noch eine peinliche Affäre

Alles andere als gelegen kommt der Direktion von RSR unter diesen Umständen ein weiterer Skandal, der von der Zeitung «Le Courrier» enthüllt wurde. Offenbar ist das Arbeitsklima bei «World Radio Switzerland», einem englischsprachigen Anhängsel von RSR, ebenso schlecht. Dessen Direktor, Philippe Mottaz, ist im Fadenkreuz der Gewerkschaft. Er soll einem Moderator im Anschluss an einen Streit missbräuchlich gekündigt haben. Der entlassene Angestellte ist der Ansicht, dass die ganze Redaktion Mottaz? Managementmethoden missbilligt. Zudem beklagt er das Chaos, das der Lancierung des Senders vorausgegangen sei, und die mangelnde Unterstützung durch die Direktion. RSR verweigert momentan jeden Kommentar; man wolle sich nicht zu laufenden Angelegenheiten äussern.

Das von der Gewerkschaft gestellte Ultimatum auf Wiedereinstellung des entlassenen Informatikers Jorge Resende läuft morgen um 17 Uhr ab. Für die nächste Woche ist ein Streik angedroht worden. Bereits beginnen sich Journalisten aus Resendes Herkunftsland Portugal für die Sache zu interessieren...

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