29.09.2020 11:49

LOL Surprise DollsKinderpuppen verwandeln sich im Wasser zu «Sadomaso-Dolls»

Viele Eltern boykottieren derzeit das Kinderspielzeug LOL Surprise Dolls. Der Grund: Kommen die Puppen mit kaltem Wasser in Berührung, erscheinen bei manchen Strapse, Netzstrümpfe und Korsagen. 20 Minuten hat den Selbsttest gemacht.

von
Julia Ullrich, Zora Schaad, Céline Krapf

20 Minuten hat mehrere LOL Surprise Dolls gekauft und getestet. Die Resultate siehst du im Video.

Video: T. El Sayed

Darum gehts

  • Die LOL Surprise Dolls von MGA Entertainment gelten vor allem bei jungen Mädchen weltweit als Must-have.
  • Kürzlich machte eine junge Mutter aus den USA allerdings eine «besorgniserregende» Entdeckung.
  • Einige der Puppen verfärben sich, wenn man sie in kaltes Wasser taucht. Statt einer neuen Haarfarbe erscheinen bei manchen auch Dessous, Strapse, Ledermanschetten oder Tattoos.
  • Die 41-jährige Schweizerin L.L.* stellte selbiges auch bei den Puppen ihrer 5-jährigen Tochter fest. Sie ist schockiert.
  • Sexualpädagogin Corinne Rietmann findet die Kleidung der Puppen ebenfalls nicht in Ordnung.
  • Sie spricht von einer «Sexualisierung des Babykörpers».
  • MGA Entertainment, der Hersteller der Puppen, hält sich bedeckt. In US-Medien liess er verkünden, dass eine Designänderung der Puppen geplant sei.

Die LOL Surprise Dolls von MGA Entertainment gibt es in der Schweiz in fast jedem Supermarkt zu kaufen. In einer bunten Kugel verpackt, liegen sie zu Hunderten in Spielwarenläden auf und gelten vor allem bei jungen Mädchen weltweit als Must-have. Kürzlich machte eine junge Mutter aus den USA allerdings eine «besorgniserregende» Entdeckung: Als sie einige entkleidete Puppen ihrer Tochter in eine Schale mit Eiswasser tauchte, fing das Kinderspielzeug an, sich zu verfärben. Nach etwa 15 Sekunden erschienen auf mehreren Puppen Strapse, Anker-Tattoos, Strings, Ledermanschetten und Dessous.

Die Mutter teilte ihre Entdeckung in den sozialen Medien und erhielt binnen kürzester Zeit mehrere Millionen Aufrufe. Während viele Kommentatoren beim ersten Video noch von einem Fake ausgegangen sind, gibt es mittlerweile Dutzende Videos von weiteren besorgten Eltern. In der Folge wurde gar zum Boykott der Puppen aufgerufen. Doch nicht nur in Amerika kommt es zu den oben genannten Verfärbungen. Die 41-jährige Schweizerin L.L.* stellte selbiges auch bei den Puppen ihrer 5-jährigen Tochter fest: «Eine Kollegin hat so ein Eis-Video auf Instagram gesehen und uns gleich informiert, da meine Tochter mehrere Puppen im Juni zu ihrem Geburtstag bekommen hat.»

«Ich habe meiner Tochter die Puppen sofort weggenommen»

Sofort habe die Familie den Selbsttest gemacht. «Eine Puppe hatte nach dem Eisbad Stiefel und Strapse an, die andere wurde am Füdli nackt und trug obenrum plötzlich ein Dessous. Ich war unglaublich geschockt», so L. Die LOL-Puppen habe sie der Tochter sofort weggenommen.

Die Familie aus Rapperswil-Jona verurteilt das geheime Feature des Kinderspielzeug aufs Schärfste: «Im Wasser wurde aus der harmlosen Puppe eine Sadomaso-Doll. Mit solchen Tricks können Pädophile den Kindern zeigen, dass es ganz normal ist, sich zu entblössen oder Dessous zu tragen. Das ist skandalös.»

«Es ist eine Sexualisierung von Babykörpern»

Auch Sexualpädagogin Corinne Rietmann findet die Kleidung der Puppen nicht okay: «Wenn die Eltern nicht wissen, dass die Puppe sich so verändern kann, ist es schlicht ein No-go.» Die aufreizende Unterwäsche sei nicht altersgerecht und habe dort nichts zu suchen. «Im Prinzip ist es eine Sexualisierung von einem Babykörper. Es ist wichtig, mit Kindern über Sexualität und Körperkult zu sprechen, denn verbieten kann man ja nicht alles. Ich verstehe die Eltern, die darüber entsetzt sind. Mir würde es auch so ergehen», so Rietmann.

Der Hersteller MGA Entertainment hat auf eine Anfrage von 20 Minuten noch nicht reagiert. Wie ein Sprecher allerdings gegenüber dem US-Magazin «Fast Company» sagt, ist eine Designänderung der Puppen geplant. Seitens des Unternehmens heisst es: «Wir haben umfassende Korrekturmassnahmen in unseren Design- und Genehmigungsprozess implementiert und gleichzeitig sichergestellt, dass die Essenz der Marke erhalten bleibt.» Welche Änderungen genau vorgenommen werden, bleibt offen.

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