27.07.2020 00:05

Kriminalgericht fällt UrteilKinderschänder bleibt weitere drei Jahre in «kleiner Verwahrung»

Ein 56-jähriger Mann, der 2008 wegen Kindesmissbrauchs, Vergewaltigung und Inzest verurteilt wurde, bleibt für weitere drei Jahre in einer stationären Massnahme.

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Das Kriminalgericht Luzern verlängert nun zum dritten Mal die sogenannte kleine Verwahrung eines 56-jährigen Sexualverbrechers. (Symbolbild)

Das Kriminalgericht Luzern verlängert nun zum dritten Mal die sogenannte kleine Verwahrung eines 56-jährigen Sexualverbrechers. (Symbolbild)

KEYSTONE/DPA
Wie das Kriminalgericht in seinem Beschluss festhält, erachtet es eine Verlängerung der stationären Massnahme um weitere drei Jahre als angebracht.

Wie das Kriminalgericht in seinem Beschluss festhält, erachtet es eine Verlängerung der stationären Massnahme um weitere drei Jahre als angebracht.

Gerichte Luzern
Eine bedingte Entlassung, wie sie der pädophile Straftäter gefordert hatte, sei verfrüht.

Eine bedingte Entlassung, wie sie der pädophile Straftäter gefordert hatte, sei verfrüht.

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Weil er sich wiederholt an sehr jungen Kindern vergriffen hatte, war der Mann vom damaligen Luzerner Obergericht zu einer neunjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Gericht schob diese zugunsten einer Therapie in einer geschlossenen Einrichtung auf. Diese «kleine Verwahrung» wurde nach fünf Jahren ein erstes Mal und 2017 erneut um drei Jahre verlängert. Nun hat das Luzerner Kriminalgericht diese Verwahrung zum dritten Mal für weitere drei Jahre verlängert.

Wie das Kriminalgericht in seinem Beschluss festhält, den es am Sonntag veröffentlichte, erachtet es eine Verlängerung um weitere drei Jahre als angebracht. Eine bedingte Entlassung, wie sie der pädophile Straftäter gefordert hatte, sei verfrüht.

Zwar gebe der Mann an, der sich nach einer chemischem Kastration im Jahr 2019 auch noch chirurgisch kastrieren liess, seither «kein Kopfkino» mehr zu erleben und weniger Drang zur Masturbation zu verspüren. Allerdings fehle eine zuverlässige Studie über die Auswirkung und die Rückfallgefahr einer Kastration.

Tendenz zum bagatellisieren und manipulative Züge

Zudem sei beim Verurteilten immer noch eine Affinität zum Kinde vorhanden, dies sei verbunden mit dem Wunsch nach Nähe und Zuneigung. Das Gericht sieht bei ihm zudem Tendenzen zum bagatellisieren und manipulative Züge. Es sei mehr als fraglich, ob sich der Mann des Problems ausreichend bewusst sei, hält das Gericht weiter fest.

Hinzu komme, dass er die erforderlichen Vollzugslockerungsschritte für eine ausreichend Risikobeurteilung noch nicht erfolgreich absolviert habe. Die Rückfallgefahr für sexuelle Handlungen an Kindern in der Freiheit sei als zumindest moderat bis moderat-deutlich einzustufen.

Das Gericht führt insbesondere einen Vorfall von Ende 2019 ins Feld. Im Rahmen eines Übernachtungsurlaubs habe sich der Mann auf ein Schulhausareal begeben, obwohl er ein Rayonverbot für solche Einrichtungen habe. Dies hätten GPS-Daten der Fussfessel des Mannes belegt.

Mann widerspricht und sagt er sei am Schulhaus vorbeigelaufen

Daraufhin wurde die kurz zuvor bewilligte Versetzung in ein Wohn- und Arbeitsexternat widerrufen. Der Mann gab an, bloss am Schulhaus vorbeigelaufen zu sein, die Genauigkeit des GPS betrage zwei bis zehn Meter.

Das Gericht schenkte ihm diesbezüglich aber keinen Glauben. Vielmehr habe er mit dem risikorelevanten Vorfall den Verlauf der Massnahme verzögert. Als problematisch stuft es weiter den Umstand ein, dass ihm ein tragfähiges soziales Umfeld fehle.

Die Vorgeschichte des Verurteilten verlange ein überwachtes Vorgehen. Die dreijährige Verlängerung der stationären Massnahme müsse dabei aber zeitlich nicht ausgereizt werden, denn Ziel sei eine bedingte Entlassung. Der Gerichtsbeschluss ist rechtskräftig.

(SDA)

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