Misshandlung von Kindern: Kinderspital meldet so viele Verdachtsfälle wie noch nie
Publiziert

Misshandlung von KindernKinderspital meldet so viele Verdachtsfälle wie noch nie

Von 592 Verdachtsfällen von Kindsmisshandlung haben sich im vergangenen Jahr insgesamt 397 Fälle bestätigt. Das teilt das Kinderspital Zürich mit.

von
Thomas Mathis
1 / 1
Das Kinderspital Zürich verzeichnet einen Rekord bei den Verdachtsfällen auf Kindsmisshandlung.

Das Kinderspital Zürich verzeichnet einen Rekord bei den Verdachtsfällen auf Kindsmisshandlung.

20M / tam

Darum gehts

  • 592 Verdachtsfälle von Kindsmisshandlung beim Kinderspital Zürich – so viel wie noch nie in einem Jahr.

  • In 397 Fällen bestätigte sich die Misshandlung, beim grossen Rest blieb es beim Verdacht.

  • Als Grund für die Rekordzahl sehen die Experten die Corona-Krise.

So viel wie noch nie: Beim Kinderspital Zürich verzeichnete man im vergangenen Jahr 592 Verdachtsfälle von Kindsmisshandlung. In 397 Fällen bestätigte sich die Misshandlung, wie es am Donnerstag in einer Mitteilung des Universitäts-Kinderspitals heisst. Nur bei 27 Kindern stellte sich im Verlauf der Untersuchung heraus, dass die Symptome medizinisch erklärbar waren und keine Misshandlung vorlag. Bestehen blieb der Verdacht bei 168 Kindern.

Die meisten misshandelten Kinder seien Opfer von körperlicher und sexueller Gewalt geworden. Laut der Mitteilung führen Expertinnen und Experten diese Entwicklung auf die Pandemie zurück: «Lockdown, Homeoffice, Schulschliessungen und finanzielle Engpässe haben sich in einigen Familien negativ ausgewirkt.» Das vermehrte zu Hause Sein habe aber auch zur Folge, dass die Menschen mehr mitbekommen, was in der Nachbarschaft passiert und etwaige Kindsmisshandlungen eher den Behörden melden.

Kinderschutzgruppe

Die Kinderschutzgruppe des Universitäts-Kinderspitals befasst sich mit Säuglingen, Kindern und Jugendlichen, die Opfer einer Misshandlung wurden oder gefährdet sind, misshandelt zu werden. Ziel der Kinderschutzgruppe ist es laut der Mitteilung, durch sorgfältig geplante Interventionen drohende Misshandlungen abzuwenden und betroffene Kinder und Jugendliche vor wiederholter Misshandlung zu schützen.

Im Zentrum der Bemühungen steht das Wohl der Kinder und Jugendlichen: Sie werden medizinisch versorgt, ihr soziales Netzwerk gestärkt. Die interdisziplinäre und multiprofessionelle Zusammenarbeit von Spezialisten und Spezialistinnen aus Medizin, Psychiatrie, Psychologie, Gynäkologie, Pflege und Sozialarbeit ermöglicht es, die verschiedenen Facette einer Misshandlungssituation zu erfassen und bestmöglich zu reagieren. Bezugspersonen sowie nachbehandelnde und nachkontrollierende Institutionen werden früh in die Arbeit und Entscheide der Kinderschutzgruppe miteinbezogen.

Deine Meinung