Statistik-Wirrwarr: Kindsmissbrauch: Expertin fordert genaue Zahlen
Aktualisiert

Statistik-WirrwarrKindsmissbrauch: Expertin fordert genaue Zahlen

Im Berner Inselspitallanden immer öfter misshandelte Kinder. Wie viele jedoch wirklich betroffen sind,weiss wegen des Statistik-Chaos keiner.

von
Stefanie Nopper
Symbolbild

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Die Zahl der Kinder, die wegen Verdachts auf Misshandlung im Inselspital behandelt werden, steigt: Gemäss einer Auflistung der Kinderklinik Baden, die Zahlen der ganzen Schweiz sammelt, ist sie von 92 Fällen im 2010 auf 131 Fälle im 2011 gestiegen. Genau sind die Angaben aber nicht – auch, weil sich nicht jeder Verdacht bestätigt, wie Christian Wüthrich, Leiter der Kinderschutzgruppe des Inselspitals, ausführt. Die Tendenz ist jedoch klar: Die Gruppe habe allein in diesem Jahr bereits 38 Befragungen im Auftrag von Vormundschaftsbehörden, Polizei oder Eltern durchgeführt. Im ganzen 2011 waren es nur 32.

Wie viele Kinder im Kanton Bern tatsächlich misshandelt werden, darüber gibt es keine gesicherten Angaben. Grund: Es herrscht Statistik-Wildwuchs – Kinderspitäler, Vormundschaftsbehörden und Polizeikorps erheben jeweils eigene Statistiken. «Das ist bedauerlich. Die Statistiken sollten vereinheitlicht werden, damit klare Aussagen gemacht werden können», meint Kathie Wiederkehr, Geschäftsleiterin der Stiftung Kinderschutz Schweiz. Politisch hat sich bisher aber niemand dem Thema angenommen.

Als Grund für die Zunahme der misshandelten Kinder vermutet Wiederkehr, dass Eltern bei der Erziehung ihrer Sprösslinge oft an Grenzen stossen (20 Minuten berichtete). Deshalb plädiert sie für mehr Prävention: «Eltern müssen befähigt werden, gewaltlos zu erziehen.»

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