Aktualisiert 18.01.2017 09:28

Katholische Kirche

Kindsmissbrauch soll weiter vertuscht werden

Dem Vatikan wird vorgeworfen, den sexuellen Missbrauch von Kindern immer noch zu verheimlichen. Ein neues Buch berichtet von Hunderten Fällen jährlich.

von
fal
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Ein dunkles Kapitel: Vatikans Chefankläger Charles Scicluna hat schon einmal Vorwürfe gegen Kindsmissbrauch von Priestern untersucht. (16. Januar 2016)

Ein dunkles Kapitel: Vatikans Chefankläger Charles Scicluna hat schon einmal Vorwürfe gegen Kindsmissbrauch von Priestern untersucht. (16. Januar 2016)

Keystone/Martial Trezzini
Die italienischen Journalisten Gianluigi Nuzzi (r.) und Emiliano Fittipaldi (L) haben vor anderthalb Jahren vor Gericht im Vatikan erscheinen müssen. Fittipaldi hat in einem neuen Buch Vorwürfe wegen Kindsmissbrauchs beschrieben. (24. November 2015)

Die italienischen Journalisten Gianluigi Nuzzi (r.) und Emiliano Fittipaldi (L) haben vor anderthalb Jahren vor Gericht im Vatikan erscheinen müssen. Fittipaldi hat in einem neuen Buch Vorwürfe wegen Kindsmissbrauchs beschrieben. (24. November 2015)

Keystone/Ettore Ferrari
Papst Franzikus ist bei der Bevölkerung äusserst populär. Autor Fittipaldi beschuldigt den Argentinier, zu wenig gegen pädophile Priester zu unternehmen. (4. Januar 2017)

Papst Franzikus ist bei der Bevölkerung äusserst populär. Autor Fittipaldi beschuldigt den Argentinier, zu wenig gegen pädophile Priester zu unternehmen. (4. Januar 2017)

Keystone/Angelo Carconi

Die katholische Kirche kommt nicht zur Ruhe, zumindest, was den Vorwurf der Pädophilie unter den Priestern betrifft. Der italienische Journalist Emiliano Fittipaldi wirft Papst Franziskus vor, nicht hart genug gegen den Missbrauch von Kindern und pädophile Gottesmänner einzuschreiten, schreibt focus.de. Das Werk «Lussuria» (Wollust) erscheint morgen in Italien. Fittipaldi hat sich im Land einen Namen als Enthüllungsreporter gemacht.

In den ersten drei Jahren des Pontifikats von Papst Franziskus seien der Glaubenskongregation, die ja die Aufgabe hat, die Glaubens- und Sittenlehre in der ganzen römisch-katholischen Kirche zu fördern, rund 1200 «glaubhafte» Fälle von Kindesmissbrauch aus der ganzen Welt gemeldet worden, sagte Fittipaldi der Deutschen Presse-Agentur (DPA). Das seien 400 jährlich. Zum Vergleich: Von 2005 bis 2009 seien es halb so viele gewesen. «Und das sind nur die, die gemeldet wurden. Und von denen wir nicht mehr wissen, denn Papst Franziskus hat keine Transparenz geschaffen», bemängelt der Autor gegenüber der Zeitschrift «L'Espresso».

Keine Reaktion aus dem Vatikan

Fittipaldi stört sich zudem daran, dass strafrechtlich nicht gegen die Pädophilen vorgegangen wird und dass sie sogar noch gedeckt werden. Das Problem sei, dass alles immer noch geheim gehalten werde. «Und jeder, der offen über diese Verbrechen spricht, riskiert sehr schwere Strafen, inklusive der Exkommunikation», meint Fittipaldi. Gemäss der DPA äusserte sich der Vatikan nicht zu den schweren Vorwürfen.

Der Journalist ist dem Vatikan ein Dorn im Auge, weil er im Mittelpunkt des zweiten Vatileaks-Prozesses stand. Damals ging es um sein Buch «Avarizia» (Geiz), das die Geldverschwendung im Kirchenstaat in Rom zum Thema machte. Dem Journalisten wurde vor zwei Jahren wegen Veröffentlichung geheimer Dokumente mit anderen Angeklagten vom Gerichtshof des Vatikanstaates der Prozess gemacht. 2016 wurde Fittipaldi freigesprochen.

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