Kindsmisshandlungen: Winterthurer Fachstelle meldet 367 Fälle

Aktualisiert

Kindsmisshandlungen: Winterthurer Fachstelle meldet 367 Fälle

Die Winterthurer Fachstelle «OKey» für Opferhilfeberatung und Kinderschutz hat sich im letzten Jahr mit 367 Kindsmisshandlungen beschäftigt.

Dies ist ein trauriger Rekord, wie die Fachstelle in einem Communiqué vom Donnerstag schreibt.

Noch nie hat die Fachstelle «OKey» seit der Gründung vor neun Jahren so viele Meldungen über tatsächliche oder vermutete Kindsmisshandlungen behandeln müssen.

In 153 Fällen handelte es sich um körperliche Misshandlungen und Vernachlässigungen. In weiteren 155 Fällen ging es um sexuelle Ausbeutung. Die restlichen Fälle verteilen sich auf psychische Misshandlungen sowie Schädigungen durch Drogen.

Gewalt gegen Kinder kommt zwar in allen Schichten vor, doch tritt sie häufiger dort auf, wo finanzielle und gesellschaftliche Risiken zusätzliche Belastungen erzeugen, zum Beispiel Armut und Arbeitslosigkeit sowie Isolation und soziale Benachteiligungen.

Sexuelle Ausbeutungen sind häufig Fälle von Inzest. Auffallend ist aber auch die grosse Zahl von Übergriffen an jüngeren Mädchen, welche von älteren männlichen Jugendlichen begangen werden.

Hälfte 9-jährig und jünger

65 Kinder waren 4 Jahre alt und jünger, 107 Kinder 5 bis 9 Jahre alt, 75 Kinder 10 bis 13 Jahre alt und 101 Jugendliche 14 bis 17 Jahre alt. Bei den jüngsten Opfern ging es vorwiegend um körperliche Misshandlungen. Mit zunehmendem Alter nahmen der Anteil der Mädchen sowie die Häufigkeit der sexuellen Ausbeutung zu.

Gemäss Communiqué wurden in vielen Fällen neben den Opfern auch Familienangehörige sowie Personen aus dem näheren Umfeld in die Interventionen miteinbezogen. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der gemeldeten Kindsmisshandlungen von 335 auf 367.

Geführt wird die Fachstelle «OKey» vom Jugendsekretariat der Stadt Winterthur und der Kinderklinik des Kantonsspitals Winterthur.

Auch Kinderspital Zürich mit Anstieg

Die Statistik der Winterthurer Fachstelle bestätigt den steigenden Trend von Kindsmisshandlungen, den das Kinderspital Zürich vor einer Woche meldete. Im Jahr 2004 verzeichnete das Kinderspital 458 Fälle - das sind elf Prozent mehr als im Vorjahr.

(sda)

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