Kindsmörderin hat sich das Leben genommen
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Kindsmörderin hat sich das Leben genommen

Die 42-jährige Frau, die am Donnerstag vom Kantonsgericht Obwalden wegen der Tötung ihrer zwei Kinder zu einer Zuchthausstrafe verurteilt worden ist, ist tot. Sie hat sich am Tag der Urteilseröffnung selbst getötet.

Wie das Kantonsgericht Obwalden am Freitag mitteilte, schied die Frau am Donnerstag gegen 15 Uhr aus dem Leben. Das Urteil, acht Jahre Zuchthaus wegen mehrfacher vorsätzlicher Tötung, war um 11 Uhr eröffnet worden, allerdings in Abwesenheit der Frau. Der Prozess hatte Anfang Woche unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden.

Die Täterin galt als suizidgefährdet und wurde seit ihrer Tat im März 2003 vom Psychiatriezentrum Luzern-Stadt behandelt. Während der Prozesszeit wurde sie stationär behandelt, sie ging aber im Sinne der Reintegration weiterhin ihrer Arbeit nach.

Am Morgen zur Arbeit gegangen

Julius Kurmann, Chefarzt des Psychiatriezentrums, sagte, die Frau habe nicht zur Urteilseröffnung gehen wollen und sei zur Arbeit gegangen. Am Mittag hätte ihr die Anwältin im Psychiatriezentrum im geschützten Rahmen das Urteil bekanntgeben sollen.

Die Verurteilte kehrte aber nicht wie vereinbart um 12 Uhr ins Psychiatriezentrum zurück. Kurmann vermutet, dass sie über die Medien vom Urteil erfahren habe. Zur Art der Selbsttötung wollte er sich wegen der Gefahr von Nachahmungstaten nicht äussern.

Für die Psychiatrie gehe es bei solchen Betreuungen um ein Abwägen zwischen Sicherheit und Reintegration, sagte Kurmann. Die Verstorbene sei durch den Prozess stark mit der Realität konfrontiert worden.

Verurteilung unumgänglich

Gerichtspräsident Guido Cotter zeigte sich über die Selbsttötung sehr betroffen. An der Richtigkeit des Urteils zweifelt er aber nicht. Eine Nichtverurteilung wäre gar nicht möglich gewesen, weil die Frau nicht unzurechnungsfähig gewesen sei, sagt er.

Auch die Verteidigerin hatte sich für eine Verurteilung (Totschlag) ausgesprochen, plädierte aber dafür, dass von einer Bestrafung abgesehen werde, da die Frau durch ihre Tat bereits genug bestraft sei. Die Staatsanwältin hatte zehn Jahre Zuchthaus wegen mehrfacher vorsätzlicher Tötung gefordert.

Die Frau hatte am 17. März 2003 ihren vierjährigen Sohn und ihre zweijährige Tochter von der Hohen Brücke in Kerns in die Melchaa geworfen. Den ursprünglichen Plan, sich selbst ebenfalls zu töten, führte sie nicht durch, sondern stellte sich der Polizei.

Tat vorbereitet

Die Frau hatte ihre Tat über mehrere Tage vorbereitet. Sie verkaufte ihr Auto, löste Konten auf und verschickte Abschiedsbriefe. Zudem kaufte sie Beruhigungsmittel, um die Kinder zu betäuben. Vor der Tat trank sie sich Mut an.

Laut Anklageschrift war die Frau von einem «zerstörerischen Rachegedanken» gegenüber ihrem Ehemann gesteuert. Dieser hatte sie verlassen und gekränkt. Die Frau gab ihm die Tat für die Schuld. (sda)

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