So geht Kings Elliot mit ihrer Borderline-Störung und Panikattacken um
Publiziert

Dank Therapie und MusikKings Elliot hat gelernt, mit ihrer Borderline-Störung umzugehen

Im Interview verrät die Sängerin aus St. Gallen, dass sie vor Auftritten Heulkrämpfe hat, wie sie ihre psychischen Probleme bewältigt und was ihr der heimische Award bedeutet. 

von
Lorena Wahrenberger
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Am 25. Mai performt Kings Elliot an den «Swiss Music Awards» in Zug ihre neue Single «Til I Die». 

Am 25. Mai performt Kings Elliot an den «Swiss Music Awards» in Zug ihre neue Single «Til I Die». 

Spitzli Rafaela
Ausserdem ist die Künstlerin neben Joya Marleen und Priya Ragu für den Award in der Kategorie «SRF 3 Best Talent» nominiert. 

Ausserdem ist die Künstlerin neben Joya Marleen und Priya Ragu für den Award in der Kategorie «SRF 3 Best Talent» nominiert. 

CH Media
Kings Elliot, die mit echtem Namen Anja Gmür heisst, lebt seit sechs Jahren in London, fokussiert sich dort Vollzeit auf ihre Musik und wurde erst im November letzten Jahres von Universal USA unter Vertrag genommen. 

Kings Elliot, die mit echtem Namen Anja Gmür heisst, lebt seit sechs Jahren in London, fokussiert sich dort Vollzeit auf ihre Musik und wurde erst im November letzten Jahres von Universal USA unter Vertrag genommen. 

Instagram/kingselliot

Darum gehts

Anja, du lebst seit sechs Jahren in London, bist in den USA beim Major-Label Universal Music unter Vertrag. Welchen Bezug hast du noch zur Schweiz? 

Klar habe ich mir hier ein Leben aufgebaut, aber mein engster Kreis ist und bleibt in der Heimat. Meine Familie und besten Freunde fehlen mir extrem und ich habe schon ab und zu  Heimweh. Auch nach der Natur und der gut duftenden Luft in der Schweiz.

Was vermisst du hingegen gar nicht?

Mein altes Leben. In der Schweiz konnte ich mich nicht vollumfänglich der Musik widmen. Es wurde mir eingeredet, dass die Musik ein Hobby sein soll und am Wochenende oder an den Abenden stattfinden muss. Ausserdem fühle ich mich hier freier und kann 100 % ich selbst sein. Davor hatte ich in der Schweiz Hemmungen. Jetzt spreche ich öffentlich Themen an, denen ich früher aufgrund des oft noch fehlenden Verständnisses rund ums Thema Mental Health aus dem Weg gegangen bin.

Du singst viel über mentale Gesundheit. Wie geht es dir heute?

Mir geht es gut, aber es wird immer eine Achterbahnfahrt bleiben. Es gibt Phasen, in denen mich Ängste oder eine tiefgründige Traurigkeit übernehmen. Dann funktioniere ich eine Zeit lang nicht. Wenn ich solche Phasen erlebe, entsteht daraus meistens ein neuer Song. Das ist meine Medizin.

Was hilft dir neben der Musik bei der Bewältigung deiner Probleme?

Definitiv Therapie. Da lerne ich Strategien zu entwickeln, damit es mich dann eben nicht lahmlegt. So kann ich auf Tools in meiner metaphorischen Schublade zurückgreifen, um mich dann wieder hochzuraffen. Es funktioniert nicht immer, aber oft. Und dann natürlich mein Umfeld. 

Wann war das letzte Mal, dass du deine «Medizin» angewendet hast?

Als meine neue Single «Til I Die» entstand. Der Song ist ein persönlicher Brief an mich selbst. Ich befasse mich darin mit meiner Borderline-Störung. Er beinhaltet ganz viel Schuldzuweisung und gegen Schluss nehme ich dann mein inneres Kind in den Arm. Wenn ich den Song live performe, muss ich während des letzten Teils immer weinen. Aber an den SMAs heule ich nicht! (Lacht)

Apropos Swiss Music Awards: Du bist eine der Lead Acts und zusätzlich als «Best Talent» nominiert. Was bedeutet dir das? 

Extrem viel! Seit ich Musik mache, gehört das zu meinem Ziel. Wenn ich so einen Klotz abräume, hat er auf ewig einen Ehrenplatz bei mir zu Hause.  

Hast du Respekt vor deinem Auftritt bei den SMAs?

Ich habe extremes Lampenfieber. Bisher hatte ich nur wenige Auftritte, aber jedes Mal übernahm mich eine Panikattacke inklusive Heulkrampf. Am Schluss schaffe ich es trotzdem auf die Bühne und meistens wird es dadurch sogar noch besser. Wenn du so emotionsgeladen performst, wird es das Publikum spüren. Beim letzten Mal hat am Schluss der ganze Konzertsaal geweint.

Kings Elliot tritt am 25. Mai an den Swiss Music Awards in der Bossard-Arena in Zug auf. 20 Minuten wird als Medienpartner vor Ort sein und berichten. Zu sehen gibt es den Event auch live auf 3+.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, eine psychische Erkrankung?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Kinderseele Schweiz, Beratung für psychisch belastete Eltern und ihre Angehörigen

Verein Postpartale Depression, Tel. 044 720 25 55

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

VASK, regionale Vereine für Angehörige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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