E.K.R. - «Dunne mit em King»: Kingsize
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E.K.R. - «Dunne mit em King»Kingsize

«Meine Musik muss funky sein, mein Rap ist nicht nur für den Kopf.»

Wohldosierte Cocktails braucht die Kehle. Ein Drittel Sprüche, ein Drittel Alk, noch ein Drittel Ekstase, ein paar Eiswürfel und ein Schnitz Substanz – so lautet das Rezept des von Thomas Bollinger gemischten Long Island Rhyme Tea. Unter dem Übernamen E.K.R. bastelt er seit über 13 Jahren Reime, die man gerne lautstark rezitiert. Wie war das noch mit der dicken Susi und ihren Socken («Ohsusi»)? Wer wartet hinter der Bühne («Dini Mueter»)? Wie überstand Rekrut Bollinger die militärische Grundausbildung? Das alles hat der Mundartrap-Regent in seinen Texten behandelt. Humor- und stilvoll, und stets mit dem Wahnsinn als engem Verbündetem. Er liebt Querverweise, Wortspiele und neuerdings orientalische Streicher, hat einen Hang zur gepflegten Sinnlosigkeit und bringt gerne Ärsche zum Wackeln und Hüften zum Schwingen.

«Egal wie sozialkritisch, politisch oder geisteskrank – meine Musik muss funky sein. Mein Rap ist nicht nur für den Kopf», erklärt der im Aargau geborene und mittlerweile in Altstetten wohnhafte E.K.R. Davon zeugen auf seinem neuen Doppelalbum «Dunne mit em King» Zeilen wie «Mir stönd uf Samt und Side und tüürs Züüg/Nach de Party find ich Mädels wiä anderi Füürzüüg» oder das im herrlichen, von einer gepfiffenen Melodie unterlegten Intro verbratene Motto «Weniger Chopf als Hüft/weniger Gopf als Stütz». 24 Tracks stark ist das neue Opus, vierundzwanzig verschiedene Gerichte kriegt die Hörerschaft aufgetischt.

Kaum ein anderer Rapper und Produzent hierzulande ist so nah am Puls des internationalen Hip-Hop-Geschehens wie E.K.R. Seine Reime und sein Wortfluss beweisen Versiertheit und greifen immer wieder aktuelle Strömungen des Hip-Hop auf. Er macht Rap, als würde er gleichzeitig in Brooklyn, Houston, London und Zürich wohnen. Fast logisch, dass sich bei so vielen Experimenten (Crunk, Dirty South, Westcoast, Balkan Grooves) und Gastreimen auf Albanisch, Französisch, Hochdeutsch, Spanisch, Englisch und Italienisch auch mal eine Explosion als Stinkbombe entpuppt.

Wirklich unbeholfen wirkt Laborratte E.K.R. dabei freilich nie. Neben dem gestreckten Mittelfinger, dem typischen Aufplustern und den Tanztracks, die «den Girls das Gefühl geben sollen, die Welt drehe sich nur um sie», schlägt der 34-Jährige auf seinem vierten Album erstmals optimistische Töne an. Ein weibliches Trällern, ein krachender Basskick und rückwarts laufende Streicher heben E.K.R. in «Nüüt hebt mich zrugg» über alle Hindernisse. «Ich konnte meine Realität verändern. Mein Leben ist stabiler und ruhiger geworden. Angesichts meiner relativen kommerziellen Erfolglosigkeit kann ich heute schalten und walten, wie ich will», sagt Bollinger und schlürft gelassen seinen Kaffee. Der König wird weiterhin den Hüftschwung predigen und dem alltäglichen Wahnsinn fröhnen. Wir empfehlen: Hüftprothesen ölen, Lauscher aufmachen und Cocktail reinschütten. Denn selten kam Mundartrap so frisch und basslastig daher.

Adrian Schräder

E.K.R. «Dunne mit em King» (Capitol/EMI).

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