Publiziert

KitagKino-Besucher müssen für Popcorn mehr bezahlen

Die Kino-Betreiberin Kitag hat die Preise für Essen erhöht. Andere Kinos kämpfen mit Opern und Neueröffnungen um ihren Umsatz.

von
Stefan Ehrbar
1 / 4
Die Kinobetreiberin Kitag hat die Preise für Essen und Getränke erhöht. Eine Angestellte begründet das damit, dass allfällige Umsatzeinbussen kompensiert werden sollen.

Die Kinobetreiberin Kitag hat die Preise für Essen und Getränke erhöht. Eine Angestellte begründet das damit, dass allfällige Umsatzeinbussen kompensiert werden sollen.

Kitag.com
Die Preiserhöhung stehe im Zusammenhang mit gestiegenen Einstandspreisen, sagt Kitag-CEO Philippe Täschler. Rohstoffe wie Vanille seien teurer geworden.

Die Preiserhöhung stehe im Zusammenhang mit gestiegenen Einstandspreisen, sagt Kitag-CEO Philippe Täschler. Rohstoffe wie Vanille seien teurer geworden.

Keystone/Gaetan Bally
Seit 2009 stieg der durchschnittliche Ticketpreis in der Deutschschweiz nämlich nicht mehr. «Gastronomie-Angebote in Multiplex-Kinos sind heute ein Muss», sagt René Gerber vom Branchenverband ProCinema.

Seit 2009 stieg der durchschnittliche Ticketpreis in der Deutschschweiz nämlich nicht mehr. «Gastronomie-Angebote in Multiplex-Kinos sind heute ein Muss», sagt René Gerber vom Branchenverband ProCinema.

Kitag.com

Die Kitag ist mit ihren 17'000 Sitzplätzen und 85 Kinosälen die grösste Kinobetreiberin der Deutschschweiz. Von Filmen allein lebt die Firma, die der Swisscom-Tochter Cinetrade gehört, schon lange nicht mehr. Wie für alle Kinoketten ist der Verkauf von Getränken und Essen eine wichtige Geldquelle. Seit kurzem nun will Kitag mehr Geld dafür.

Kitag-CEO Philippe Täschler bestätigt entsprechende Informationen. Die Preise für diverse Produkte ausser Getränke seien im Sommer um 50 Rappen, 1 Franken oder mehr erhöht worden. Das liege nicht an Umsatzeinbussen oder weniger Eintritten, wie eine Angestellte zu 20 Minuten sagte, sondern an gestiegenen Einstandspreisen. «Gerade Rohstoffe wie Vanille sind enorm teurer geworden», sagt Täschler. Kitag führe solche Preiserhöhungen alle fünf bis sechs Jahre durch.

Von 4 auf 6 Franken

Sie verzichte auf jährliche Preiserhöhungen da Kunden mit der Rabattkarte Carte Bleue 10 Prozent Rabatt erhalten und Kitag auf Rappenbeträge verzichten wolle. Erhöht hat Kitag auch die Preise im eigenen Bowling-Center in Biel. Dort wurde etwa der Preis eines kleinen Popcorn von 4 auf 6 Franken erhöht, jener einer kleinen Portion Nachos von 5 auf 6.50 Franken.

Mit ihrer Preiserhöhung steht die Kette zurzeit allein da. Massnahmen zur Stabilisierung des Gewinns führen aber auch andere Ketten durch. Mit der Einführung der 3-D-Technologie konnte die Branche die Preise zwar etwas erhöhen, doch seit 2009 stiegen die durchschnittlichen Ticketpreise in der Deutschschweiz nicht mehr.

«Essen ist ein Muss»

Umso wichtiger werden die Erlöse aus der Gastronomie. «Solche Angebote sind heute ein Muss für ein Multiplex-Kino», sagt René Gerber, Generalsekretär des Branchenverbands ProCinema. Eine Umfrage seines Verbands habe gezeigt, dass die meisten Menschen den Kinobesuch als soziales Erlebnis betrachteten. «Kaum jemand geht allein ins Kino. Der Film ist wichtig, aber das Davor und Danach ebenso. Kinos versuchen natürlich, ihren Kunden dieses Angebot etwa mit Essen oder einer Bar selber zu machen.»

Auch zusätzliche Angebote wie Produktpräsentationen oder Live-Übertragungen von Ballett, Theater oder Oper könnten allfällige Umsatzeinbussen wettmachen. «Die Übertragungen aus der Metropolitan Opera in London laufen mittlerweile so gut, dass die Leute sogar Saison-Abos kaufen», sagt Gerber.

Gutes Jahr in Sicht

Vor Preiserhöhungen fürs Essen und Trinken schrecken die meisten Kinoketten noch zurück. Einen solchen Trend beobachte er nicht, sagt Gerber. Franziska Sterk Kueng von der Aargauer Kinokette Sterk sagt, Sterk habe in den letzten zehn Jahren praktisch keine Preiserhöhungen vorgenommen. Sie versuche, mit Zusatzvorstellungen, Firmenevents oder Fremdvermietungen mehr Umsatz zu generieren.

Eine «marginale Preisanpassung» führte die Kinobetreiberin Neugass Kino AG mit Kinos in Zürich und Luzern Anfang Jahr durch. Die sei unabhängig vom Kinobetrieb gemacht worden, sagt Bereichsleiterin Daniela Küttel. Die Eintrittszahlen seien in den letzten Jahren über den Gesamtbetrieb gesehen stabil geblieben.

Auch Kitag-Chef Philippe Täschler bilanziert ein bisher mit dem Vorjahr vergleichbares Kinojahr. «Starke Filme wie Star Wars am Jahresende könnten die Bilanz noch verbessern», sagt er. René Gerber von ProCinema sieht Anzeichen für eine positive Entwicklung. Noch dieses Jahr werde in Ebikon LU ein neues Multiplex-Kino eröffnet, nächstes Jahr folgten eines in Bern und im Wallis. Auch in Chur, Spreitenbach und Basel gebe es entsprechende Projekte. «Wir stellen erfreut fest, dass die Kinobetreiber wieder ans Kino glauben», sagt Gerber.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.