Aktualisiert 20.06.2011 10:04

Vermögen beschlagnahmt

Kino.to-Betreiber lebte in Saus und Braus

Er besass Luxusautos auf Mallorca und in Deutschland und hatte einige Euro-Millionen auf diversen Konti: Doch jetzt wird der Kino.to-Kopf zur Kasse gebeten.

Nach dem Schlag gegen das illegale Internet-Filmportal Kino.to hat die Justiz erste Konten beschlagnahmt, auf denen die Millionen-Gewinne der Betreiber vermutet werden. Das erklärte am Wochenende die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden gegenüber der Nachrichtenagentur dapd und bestätigte damit einen Vorabbericht des Nachrichtenmagazins «Focus».

Demnach stellten Ermittler auf Konten in Spanien, die dem Hauptbeschuldigten Dirk B. aus Leipzig zugeordnet werden, rund 2,5 Millionen Euro sicher. Zudem beschlagnahmten sie bei ihm hochwertige Computertechnik sowie drei Luxusautos in Deutschland und auf Mallorca. Laut «Focus» fanden die Ermittler auf dem deutschen Konto eines anderen führenden Kino.to-Mitarbeiters 200 000 Euro.

Erste Geständnisse

Die Ermittler sind überzeugt, dass B. der Kopf der Bande ist. Er soll das Modell des Gratis-Kinos entwickelt und im Laufe der Zeit perfektioniert haben. «Der war kein Robin Hood, der Daten einfach im Netz verteilte», sagte ein Fahnder gegenüber dem deutschen Nachrichtenmagazin. «Der hat einen Riesenreibach gemacht.»

B. schweigt laut Mitteilung der Staatsanwaltschaft bislang zu den Vorwürfen. Andere Beschuldigte hätten sich zum Teil geständig gezeigt.

Wolfgang Klein, Oberstaatsanwalt in Dresden, sagte gegenüber «Fokus», dass Kino.to nicht nur Links zu illegalen Streamingangeboten bereitgestellt habe. Bei der Plattform habe es sich vielmehr um ein «hochkriminelles, profitorientiertes System» gehandelt. Die Führung habe alles sehr genau organisiert, vom «illegalen Beschaffen der Filme über das Aufladen der Hoster, die man zum Teil selbst betrieben hat, bis zur Bereitstellung der Links auf ihrer Internet-Seite».

Nur «Suchmaschine»?

Die Dresdner Ermittler hätten mit der Staatsanwaltschaft München zusammengearbeitet, wo seit Dezember 2009 ein Verfahren gegen Kino.to lief. Dies war auf Betreiben eines Filmproduzenten und -verleihers aus Bayern aufgenommen worden. Die Kino.to-Betreiber hatten die Plattform als Suchmaschine bezeichnet, mit der Nutzer im Internet nach Filmen suchen konnten.

Die Polizei war Anfang Juni bundesweit gegen die Betreiber der Internetseite Kino.to vorgegangen. Kino.to ist nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft Dresden das grösste deutschsprachige Portal, über das Raubkopien von Spielfilmen und Serien verbreitet wurden. Die Seite hatte etwa vier Millionen Nutzer täglich. Der Schaden für die Filmwirtschaft und die Gewinne der Hauptbeschuldigten lägen im Millionen-Euro-Bereich. (dapd)

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